Bertelsmann Studie fordert Reform

900.000 Minijobber haben in der Corona-Krise Jobs verloren

23. Juni 2021 - 13:24 Uhr

Studie „Raus aus der Minijobfalle“ 

Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung haben knapp 900.000 Minijobber in der Corona-Krise ihren Job verloren. Die Gefahr arbeitslos zu werden, sei für sie rund zwölf Mal höher als für sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Anspruch auf Kurzarbeiter- oder Arbeitslosengeld haben sie nicht. Die Experten der Bertelsmann Stiftung fordern daher eine Reform des Minijob-Systems.

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Studie: 160.000 neue Teilzeitstellen statt Minijobs

Unter dem Titel "Raus aus der Minijobfalle" sprechen sich die Experten der Stiftung mit Sitz in Gütersloh für die Abschaffung in der bisherigen Form und für Sozialversicherungsabgaben ab dem ersten verdienten Euro aus.

Nach dem Reformvorschlag sollen die Sozialversicherungsabgaben linear von 0 bei keinem Verdienst auf 20,2 Prozent bei einem Bruttoeinkommen von 1800 Euro steigen. Nach Berechnungen der Stiftung könnte die Zahl der Teilzeitstellen auf dem Arbeitsmarkt so bis zum Jahr 2030 um rund 160.000 wachsen.

Die Reform würde alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Niedriglohnbereich entlasten. Insbesondere für Geringqualifizierte, Alleinerziehende und Mütter lohnt sich die Ausweitung der Beschäftigung dann auch über den Minijob hinaus. Konkret: Bis 450 Euro werden keine Abgaben und Steuern fällig. Ab dieser Grenze aber steigen die Abgaben sprunghaft auf rund 10 Prozent an. Bei dem neuen Modell würden sich die Abgaben beim Übergang auf 451 Euro von jetzt 45 auf 22,55 Euro halbieren. Bei 1000 Euro Verdienst würden statt 187 nur noch 122,22 Euro Sozialabgaben fällig.

"Für Minijobbeschäftigte entfiele mit der Reform zwar das bekannte 'brutto gleich netto' – doch sie bietet auch die Chance auf einen höheren Lohn und bessere Aufstiegschancen", sagt Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

"Die heutigen Minijobs müssen so reformiert werden, dass sich mehr Arbeit auch für alle lohnt", so Dräger weiter. Für Schüler, Studierende oder Rentner, die etwas dazuverdienen wollten, solle sich nichts ändern. (dpa/aze)

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