Reservisten seien "keine signifikante Verstärkung"

Teilmobilmachung und Scheinreferenden: Wie Putin jetzt versucht, die Ukraine zu schwächen

Teilmobilmachung bringe "keine signifikante Verstärkung" Generalleutnant a.D. Heinrich Brauß
04:16 min
Generalleutnant a.D. Heinrich Brauß
Teilmobilmachung bringe "keine signifikante Verstärkung"

von Nele Balgo und Lena Andro

Russlands Präsident Putin beginnt mit der Teilmobilmachung. Und prompt tauchen Videos auf, die zeigen sollen, wie sich erste eingezogene Soldaten von ihren Familien verabschieden. Dazu will Putin in einigen Landesteilen Scheinreferenden durchführen. Mit diesen will er erreichen, dass Teile der Ukraine zu Russland gehören. Was das bedeutet, erklärt der ehemalige beigeordnete Generalsekretär der NATO für Verteidigungspolitik und Streitkräfteplanung Heinrich Brauß im Interview.

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Teilmobilmachung braucht Zeit

Im Donbass musste Putin eine große militärische Niederlage hinnehmen. Er ist „im Augenblick nicht mehr angriffsfähig“, um sein Ziel, den gesamten Donbass einzunehmen, zu erreichen, sagt Brauß. Durch die angekündigte Teilmobilmachung sollen die Defizite in den russischen Truppen wieder aufgefüllt und etwa 300.000 Reservisten eingezogen werden. Diese müssen aber zuerst ausgerüstet und auch ausgebildet werden – und „das dauert“ mehrere Wochen oder sogar Monate, erklärt Brauß. Er geht davon aus, dass sie dazu „keine signifikante Verstärkung der militärischen Einsatzbereitschaft der russischen Armee darstellen.“ Die Reservisten würden regelrecht „in den Krieg geworfen werden.“

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Scheinreferenden sollen zu „Umkehr der Rollen“ führen

Die Teilmobilmachung müsse mit den angekündigten Referenden als Paket gesehen werden. „Das ist aus meiner Sicht eine Gesamtmaßnahme.“ Diese Scheinreferenden sollen dafür sorgen, dass sich der Donbass, also die Oblaste Donezk und Luhansk, und die beiden südlichen Oblaste „mit Mehrheit zu Russland bekennen und eingegliedert werden wollen“. Diese Oblaste würden dann – aus russischer Sicht – Teil des russischen Staatsgebietes werden. Putin könnte Beschüsse dann so interpretieren, als würde Russland von der Ukraine angegriffen. Das wäre laut des Experten eine „Umkehr der Rollen“ und könne „weitreichende Folgen haben“. Eine Folge könnte sein, dass Russland nach einem Vorwand für eine Generalmobilmachung suche und diese dann umsetze. Zusätzlich könnte sich der Krieg auf andere Regionen ausweiten und verstärkte Luftangriffe zivile Ziele treffen.

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