Arzt erklärt: Das gehört für den Notfall in die Hausapotheke

Milder Corona-Verlauf - was er bedeutet und wie Sie ihn zu Hause behandeln

In Kitas und Schulen grassiert Omikron heftig - es ist sehr wahrscheinlich, dass jeder bald mit dem Virus in Berührung kommt. Diese Medikamente sollten Sie jetzt zu Hause haben!
In Kitas und Schulen grassiert Omikron heftig - es ist sehr wahrscheinlich, dass jeder bald mit dem Virus in Berührung kommt. Diese Medikamente sollten Sie jetzt zu Hause haben!
© iStockphoto, iStock/SrdjanPav, SrdjanPav

08. Februar 2022 - 17:34 Uhr

von Ingo Jacobs

Die Inzidenzen schießen in die Höhe, die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, steigt von Tag zu Tag. Auch wenn das Virus mit der Omikron-Variante etwas an Schrecken verloren hat: Es gilt, gewappnet zu sein – denn nicht immer verläuft eine Infektion "mild". Zeit für einen Hausapotheken-Check!

Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de

Eine Infektion wird für jeden immer wahrscheinlicher

In der Verwandtschaft gibt es Omikron-Infektionen, die Kita hat wegen Personal- oder PCR-Test-Mangel Gruppen geschlossen und auch in der Nachbarschaft häufen sich die Fälle. So oder so ähnlich dürften viele die derzeitige Situation erleben. Was Experten vorausgesagt haben, ist nun eingetreten: Die Omikron-Variante greift massiv um sich. Sehr viele Menschen sind geimpft und geboostert – kaum vorzustellen, was los wäre, wenn diese Coronavirus-Variante auf eine immunnaive Bevölkerung treffen würde.

Aber egal, wie gut Sie sich also zusätzlich mit Maske und wenig(er) Kontakten schützen: Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass auch Sie sich mit dem Virus infizieren – und trotz Impfung erkranken. Denn Impfdurchbrüche gibt es eben – es darf nicht vergessen werden, dass der Impfstoff gegen frühere Varianten des Virus entwickelt wurden. Aber die Impfung hilft gegen schweren Verlauf und gegen Tod – meistens handelt es sich gut geimpft um einen eher milden Verlauf. Aber was heißt hier eigentlich mild? Und was sollte ich tun, wenn ich infiziert bin?

Keine Panik auf der Titanic!

Dr. Hans-Peter Scheidel, war einer der leitenden Impfärzte im Impfzentrum Hamburg, derzeit impft er mit Kollegen bei Wochenend-Impfaktionen und betreut den Impf-Newsletter der KV Hamburg.
Dr. Hans-Peter Scheidel, war einer der leitenden Impfärzte im Impfzentrum Hamburg, derzeit impft er mit Kollegen bei Wochenend-Impfaktionen und betreut den Impf-Newsletter der KV Hamburg.
© Martin Zitzlaff Photography, www.zitzlaff.com, Martin Zitzlaff

"Erst einmal heißt es mit Udo Lindenberg: 'Keine Panik auf der Titanic'", betont "Impfluencer" Dr. Hans-Peter Scheidel im RTL-Interview. Er war einer der leitenden Impfärzte im Impfzentrum Hamburg, impft derzeit mit Kollegen bei Wochenend-Impfaktionen und betreut den Impf-Newsletter der KV Hamburg. Es gelte allerdings, die Tatsache als solche erst einmal zu akzeptieren. "Wenn man es dann hat, kann man selbst nichts tun, um den Verlauf zu beeinflussen", sagt er uns. Und danach sollte man die Kontaktbeschränkungen für sich selbst, und soweit möglich, im häuslichen Umfeld einhalten – und den weiteren Verlauf erst einmal abwarten.

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Verlauf im besten Fall mild bis mittelschwer

Bei den ganz Kleinen äußere sich eine symptomatische Infektion als Schnupfen und Husten, als das, was der Volksmund "mild" nennen würde, so der Arzt. Bei 80 Prozent der jungen, nicht immungeschwächten oder vorerkrankten Patienten verlaufe die Covid-Erkrankung mit Omikron vergleichbar mit einer leichten bis mittelschweren Grippe – bedeutet: arbeitsunfähig, aber nicht bettlägrig. Das Problem: "Wir wissen aber noch nicht, wie es ist, wenn es sich bei älteren Menschen stärker verbreitet", sagt Scheidel, "weil dort die Immunabwehr, sei es die natürliche oder die durch Impfung herbeigeführte, mit der Zeit nicht mehr ausreicht, um gegen Omikron zu schützen."

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Parallele zur Grippesaison im Winter 2017/18

"Eine mittelschwere Grippe macht in der Regel meist keinen Krankenhausaufenthalt erforderlich", erklärt Scheidel. "Ausnahmen, zum Beispiel im hohen Alter und bei Vorerkrankungen, bestätigen die Regel." Die außergewöhnlich starke Grippesaison im Winter 2017/18 hat nach Schätzungen rund 25.100 Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Die Ursache war auch damals die unterschiedliche Wirksamkeit die Impfung. RKI-Chef Lothar Wieler sagte damals: "Es gibt keine andere Impfung in Deutschland, mit der sich mehr Leben retten lässt" – und neben der Impfung, die laut RKI die wichtigste Schutzmaßnahme darstellte, empfahlen die Experten gründliches Händewaschen mit Seife und Abstandhalten zu Erkrankten.

Booster bleibt wichtigste Maßnahme zum Individualschutz

"Das ist heute eins zu eins auf Omikron übertragbar", sagt der Arzt. Bei "optimal Geimpften", das heißt drei Dosen mRNA oder genesen und mindestens ein Mal geimpft, bestehe ein über neunzigprozentiger Schutz gegen schwere Verläufe bei Omikron. Eine europäische Untersuchung zeigte, dass während Delta ein monatlicher Anstieg der Gesamtzahl der geimpften Personen um einen Prozentpunkt im Durchschnitt mit einem Rückgang von zwei Todesfällen pro einer Million Einwohner im nächsten Monat verbunden war. "Ganz so krass dürfte das bei Omikron nicht sein, aber der Booster bleibt kurzfristig die wichtigste Maßnahme zum Individualschutz", so der "Impfluencer".

Die Medikamente sollten Sie vorrätig haben

Omikron befällt die Lunge selbst nicht mehr so häufig und so stark - macht sich eher in den oberen Luftwegen breit. In der Corona-Hausapotheke, fürs Wochenende oder wenn kurzfristig kein Arzttermin zu bekommen ist, sollten sich trotzdem folgende Medikamente befinden. Nur ein Gerät von seiner Liste haben viele Menschen wahrscheinlich (noch) nicht in ihrer Hausapotheke - und das kann im Zweifelsfall Leben retten.

  • Fiebersenkende Medikamente
  • Hustensaft und Schleimlöser
  • Desinfizierendes Rachenspray oder Gurgellösung
  • Abschwellendes Nasenspray und Nasenspülung
  • Augentropfen (ggf. verschreibungspflichtig)
  • Schmerztabletten
  • Durchfallmedikamente, Mittel gegen Übelkeit
  • Bei Kleinkindern im Haushalt alles auch in einer altersentsprechenden Dosierung

Pulsoximeter kann den Unterschied machen

Außerdem sollte sich in der Hausapotheke befinden: Ein Pulsoximeter, um einen schweren Verlauf, der durch stille Atemnot gekennzeichnet sein, überwachen zu können. Bereits während der ersten Corona-Welle wies Scheidel zusammen mit seiner Tochter, der Influencerin Sissi von Hardenberg, auf Instagram darauf hin. Warum der Einsatz des Gerätes sehr wichtig sein kann und vor einer Verwechslung von Covid-19 mit einer Grippe oder einem grippalen Infekt schützen kann, erklären wir hier.

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