Stille Atemnot rechtzeitig erkennen

Kann vor schwerem Verlauf schützen: Dieses Gerät sollten Sie zu Hause haben

Ein Pulsoximeter wird an den Finger geclippt und misst die Sauerstoffsättigung.
Ein Pulsoximeter wird an den Finger geclippt und misst die Sauerstoffsättigung.
© iStockphoto, iStock/Dmitriy Sidor, Dmitriy Sidor

21. Januar 2022 - 9:01 Uhr

von Ingo Jacobs

Im April 2021 erkrankt RTL-Moderator Günther Jauch an Covid-19, fällt wochenlang aus. Zum Glück verläuft die Krankheit glimpflich. Bei Stern TV zeigt er vom Krankensofa zugeschaltet ein Gerät, mit dem er seinen Zustand regelmäßig überwacht: ein Pulsoximeter. In der jetzigen Omikron-Welle ist der Einsatz dieses Geräts sogar besonders sinnvoll, sagt Dr. Hans-Peter Scheidel. Denn es kann vor einer fatalen Verwechslung und damit vor einem schweren Verlauf bewahren.

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So funktioniert ein Pulsoximeter

Extrem-Bergsteiger haben immer eines dabei: Mit einem Pulsoximeter bestimmen sie die Sauerstoffsättigung in ihrem Blut – in sauerstoffarmen Gebirgshöhen überlebenswichtig. Aber eigentlich wird das Gerät primär in der Medizin eingesetzt: bei Rettungsdienst- oder Notarzteinsätzen, in der Anästhesie und in der Intensivmedizin oder zur Kontrolle bei ambulanten internistischen Eingriffen.

Es wird an den Finger geclippt und verwendet zur Messung zwei Lichtstrahlen mit unterschiedlichen Wellenlängen, die auf den eingelegten Finger treffen und bei der Messung ins Verhältnis gesetzt werden. So wird ausgerechnet, wie viel Sauerstoff die Lunge aufnimmt und ins Blut überträgt. In der Regel sollte der Wert möglichst nah an die Hundert kommen.

Im Video: Günther Jauch wird mit Detail zum Lebensretter (18.05.2021)

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Ab einem Wert von 94 wird es kritisch

Bei einer Corona-Infektion kann das den Unterschied machen, weiß Gynäkologe Dr. Hans-Peter Scheidel, bis zur Schließung Ende August einer der leitenden Impfärzte im Impfzentrum Hamburg. Derzeit impft er mit Kollegen bei Wochenend-Impfaktionen und betreut den Impf-Newsletter der KV Hamburg, auf Instagram klärt er als @profscheidel über medizinische Themen auf. Dort erzählte er in einem Live-Beitrag zusammen mit seiner Tochter, der Influencerin Sissi von Hardenberg, bereits in der ersten Corona-Welle, warum es unbedingt sinnvoll ist, ein Pulsoximeter in der Hausapotheke liegen zu haben.

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"Es geht darum, eine stille Atemnot zu erkennen", sagt er uns jetzt. "Die kann durchaus auch in einem mild-moderaten Verlauf eintreten." Der liegt, so die WHO-Definitionen der Verläufe, solange vor, wie der Sauerstoffsättigungswert nicht unter 94 liegt. "Da fängt es an, kritisch zu werden", sagt Scheidel, "spätestens, wenn er unter 90 sinkt, ist eine Sauerstoffzufuhr erforderlich."

Nur ein grippaler Infekt - oder Omikron?

In der Omikron-Welle mit ihren extrem hohen Infektionszahlen kann es noch eher vorkommen, dass nach einer Erkrankung der Schnelltest negativ war. Deren Verlässlichkeit ist bei der Variante noch geringer als eh schon - und PCR-Tests sind zur Mangelware geworden. Auch die Symptome ähneln eher denen einer Erkältung. Also vielleicht "nur" eine Grippe oder ein heftiger grippaler Infekt, denkt der eine oder andere dann vielleicht.

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"Aber jetzt stellt sich die Frage, wie entwickelt sich das weiter?", sagt uns Scheidel. "Während es bei einer Grippe äußerst selten zu so deutlich absinkenden Werten kommt, ist es bei Omikron zwar so, dass es seltener zu tiefen Lungenschäden kommt", erklärt er weiter, "aber eben doch auch zu deutlichen Veränderungen in den oberen Luftwegen und oberen Bronchien."

Darauf sollten Sie beim Messen achten!

Wenn man jetzt durch eine Kontrolle mittels Pulsoximeter stetig sinkende Sauerstoffwerte feststelle – und dabei sei es egal, ob es vielleicht doch eine Grippe ist – dann sei das immer ein Zeichen, dass man in ärztliche Betreuung gehen sollte. Zumal Schnelltests nun mal keine Sicherheit geben könnten, so der Arzt. In der Vergangenheit und auch heute noch kommen viele Menschen viel zu spät in Behandlung und entwickeln erst so den schweren Verlauf.

Es macht also durchaus Sinn im Erkrankungsfall den Sättigungswert ein paar Mal am Tag zu prüfen. Allerdings ist hierbei die Dynamik entscheidend, wie der Arzt betont: "Wenn der Wert kontinuierlich sinkt, muss man sich mehr Sorgen machen, als wenn man einmal einen Wert von 94 hat, der aber nach einer Kontrollmessung wieder bei 96 oder 97 liegt."

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