RTL-Reporterin Kathrin Degen auf einer emotionalen Reise in die Vergangenheit

Meine Flucht aus der DDR - Teil 2: Wie ich meine beste Freundin zurücklassen musste

8. November 2019 - 11:37 Uhr

Von RTL-Reporterin Kathrin Degen

Im Sommer 1989 beschließen meine Eltern, mit mir aus der DDR zu fliehen – allerdings ohne mein Wissen! Zu diesem Zeitpunkt fühlen sie sich mit Anfang 40 eingeengt und kontrolliert vom Staat. Zuvor wurden sie bereits von der Staatssicherheit verhört, unsere Wohnung war verwanzt, unangekündigt besuchen uns Mitarbeiter der Staatssicherheit zu Hause. Ihr Entschluss steht fest, ich ahnte mit 13 aber nichts von ihren Plänen.

Von meiner besten Freundin konnte ich mich nicht mal richtig verabschieden ... aber ich habe mich trotzdem verabschiedet, auf meine Weise. Wie sich meine Freundin Eileen und ich uns damals fühlten, das sehen Sie im Video.

Urlaub als Tarnung für die Flucht

Wie jedes Jahr fahren wir Anfang Juli in den Urlaub nach Ungarn, an den Balaton. Ungarn war eins der wenigen Länder, in das DDR-Bürger mit einer Genehmigung reisen durften.

Doch in diesem Urlaub ist alles etwas anders: Wir treffen fremde Menschen – wie ich später erfahre, sind es Westdeutsche, die uns in Kontakt mit unserer späteren Fluchthelferin bringen.

Mein Vater studiert ständig die Landkarte, obwohl wir uns in Ungarn gut auskennen durch die vielen Urlaube. Und immer läuft "Westfernsehen" mit Nachrichten über den Abbau der Grenzen in Ungarn. Ich hatte ein komisches Gefühl. Auf der Heimreise wurde klar, warum.

Heimweg statt Flucht

Als wir uns auf den Weg nach Hause machen, fahren meine Eltern plötzlich einen anderen Weg entlang. Das macht mich stutzig. Wie ein Puzzle setzten sich die Ungereimtheiten für mich zusammen – sie wollen mit mir in den Westen. Aber ich will nicht mit.

Dann wird es dramatisch im Auto – ich spreche meine Eltern darauf an und meine Mutter versucht mir klar zu machen, dass sie nur das Beste für mich wollen. Das stimmt auch. Doch ich fühle mich komplett überrumpelt. So banal es ist – als Teenager hatte mich so sehr auf eine bevorstehende Reise mit meinen Freunden nach Polen gefreut. Mit 13 ist so etwas das Highlight des Jahres!

Ich wollte einfach nicht weg von zu Hause. Ich habe es nicht verstanden, denn von all den Heimlichkeiten und der Kontrolle durch die Stasi wusste ich zu dem Zeitpunkt nichts. Am Ende fahren wir tatsächlich zurück in die DDR. Eine Katastrophe für meine Eltern, denn ich hatte ihnen die Chance auf Freiheit vermasselt. Und ich? Ich hatte ein schlechtes Gewissen von hier bis Timbuktu ... und fahre nach unserer Rückkehr mit meiner besten Freundin Eileen nach Polen, wie geplant.

Teil 3 der spannenden Reportage sehen Sie hier. Und wenn Sie sie an einem Stück schauen möchten: Das geht hier bei TV NOW.

Kein Abschied

Denn meine Eltern wollten nach meiner Fahrt nach Polen einen zweiten Versuch wagen. Dass die Reise nach Polen die letzte gemeinsame Zeit von mir und meiner besten Freundin sein sollte, das wusste nur ich. Und es musste mein Geheimnis bleiben.

Die ganze Geschichte zu Kathrins Flucht können Sie sich hier anschauen.