Mediziner ordnet ein: "Das ist einfach blödsinnig!"

Mund von Kindern verbrannt! Warum der TikTok-Trend "Dragon's Breath" so gefährlich ist

Was hinter dem TikTok-Trend "Dragon's Breath" steckt Mediziner ordnet ein: "Einfach blödsinnig!"
01:11 min
Mediziner ordnet ein: "Einfach blödsinnig!"
Was hinter dem TikTok-Trend "Dragon's Breath" steckt

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von Anna Kriller

Qualm speien wie ein Drache – und das nur mithilfe eines speziellen Snacks: Was sich lustig anhört, ist alles andere als harmlos! Der bereits vor einigen Jahren aufgekommene Trend „Dragon‘s Breath“ boomt gerade in Indonesien. Wie der „Guardian“ berichtet, wurden bereits rund 25 Kinder medizinisch behandelt, zwei mussten ins Krankenhaus. Doch was genau macht den Trend so gefährlich? Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht hat „Dragon‘s Breath“ für uns eingeordnet und sagt: „Das einfach blödsinnig!“

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Minus 196 Grad kalter Stickstoff kann Mundschleimhaut verbrennen

Bei dem Trend „Dragon‘s Breath“ (Drachen-Atem) werden Snacks oder Süßigkeiten wie beispielsweise bunte Maisbällchen mit flüssigem, minus 196 Grad kaltem Stickstoff übergossen. Isst man diese, lässt der Stickstoff unseren Atem aussehen wie den Atem eines Drachens. Während die Videos bei TikTok und Co. auf viele Nachahmer stoßen, warnt das indonesische Gesundheitsministerium vor der bunt getarnten Gefahr.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat 2020 vor dem Trend gewarnt. Das Problem: Aufgrund der extremen Kälte seien gesundheitliche Risiken beim Verzehr der „Dragon’s Breath“-Produkten möglich. „Neben Verletzungen der Zunge bzw. der Mundschleimhaut - auch als Gefrierbrand oder Kälteverbrennung bekannt - sind u. a. Schädigungen der Zähne denkbar“, hieß es damals in einer Mitteilung des BfR.

Das bestätigt auch Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht im Interview mit RTL.

Was macht „Dragon‘s Breath“ so gefährlich?

„Minus 196 Grad heruntergekühlter Stickstoff ist so kalt, dass man das Gleiche wie bei Verbrennungen erleiden kann“, erklärt Specht auf Nachfrage von RTL. Dabei handele es sich dann um Gefrierbrand beziehungsweise Kälteverbrennungen im Mund.

Wirke massive Kälte auf lebendes Gewebe ein, könne das die Zellen zerstören, so der Mediziner weiter. Konkret verbrennen können beim Konsum von „Dragon’s Breath“ Bereiche der Mundhöhle, wie zum Beispiel die Zähne und Schleimhäute, vielleicht auch noch die Schleimhaut der Speiseröhre. Tiefer runter, also im Magen, seien aber keine Verbrennungen zu erwarten, da sei der Stickstoff dann aufgewärmt, so Specht.

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"Insgesamt ist das einfach blödsinnig, extreme Kälte in den Mund zu bringen“

Bei den 25 betroffenen Kindern muss es sich um eine große Menge Stickstoff gehandelt haben, vermutet Specht. Das Problem könnte hier sein, dass die Süßigkeiten nochmal direkt vor dem Verzehr mit Stickstoff überzogen wurde. Schlimmere Folgen wie Herzrhythmusstörungen infolge von „Dragon‘s Breath“ seien denkbar, aber eher unwahrscheinlich.

„Insgesamt muss man aus medizinischer Sicht sagen, ist das einfach blödsinnig, extreme Kälte in den Mund zu bringen“, warnt der Mediziner. Das Problem: „Das Wasser gefriert sofort in den Zellen und damit wird das Innere der Zellen zerstört. Damit habe ich den Effekt wie bei einer Verbrennung. Das heilt danach in Form von Aphten im Mund ab.“

Langzeitschäden gebe es laut Specht keine, allerdings könne es dauern, bis die zerstörte Mundschleimhaut sowie die entstandenen Aphten wieder verheilt sind. „Die Schleimhaut muss sich komplett regenerieren und je nachdem wie groß die Fläche ist, dauert das länger.“ Weil die Schleimhaut durchsetzt ist mit Nerven, tut das mitunter auch sehr weh.

Kurzum: „Man schadet sich einfach nur selbst!“

(akr/msc)