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Mann mit Schweineherz stirbt zwei Monate nach OP: Kein Misserfolg, sondern eine Sensation

Experiment war seine einzige Überlebenschance

Patient mit Schweineherz stirbt zwei Monate nach OP - warum das eine Sensation ist

Erstmals Schweineherz-Transplantation für einen Menschen
Dem 57-jährigen David Bennett wurde ein Schweineherz eingesetzt. Foto: Tom Jemski/University of Maryland School of Medicine/dpa
University of Maryland School of Medicine / RTL

von Sandy Liesen

Es galt als riesengroßer Durchbruch in der Medizin: Dem herzkranken US-Amerikaner David Bennett (57) wurde im Januar ein genetisch modifiziertes Schweineherz eingesetzt . Die achtstündige Operation in Baltimore war eine weltweite Premiere. Jetzt, nur zwei Monate später, ist Bennet gestorben . Ob das ein Rückschritt für die Medizin bedeutet, erklärt Dr. Christoph Specht.

Dr. Christoph Specht: "Es ist eine Sensation, dass er überhaupt zwei Monate gelebt hat"

„Was zuerst wie Misserfolg aussieht, ist eigentlich ein sensationeller Erfolg“, betont Arzt und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht. „Es ist eine Sensation, dass er überhaupt zwei Monate gelebt hat.“ Hätte Bennett ein oder zwei Jahre gelebt, „wäre das nobelpreiswürdig gewesen.“

Denn man müsse nochmal zurückschauen auf die allererste Transplantation mit einem menschlichen Herzen, so Dr. Specht. Am 3. Dezember 1967 in Kapstadt war das. Der Patient ist drei Wochen später gestorben. „Es ist völlig normal bei solchen experimentellen Operationen, dass die Überlebensdauer am Anfang sehr kurz ist.“

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Dr. Specht: Genetik muss an noch mehr Stellen am Schweineherz verändert werden

Es bestehe grundsätzlich das Risiko, dass ein Spenderorgan abgestoßen werden kann. Erst recht bei Xenotransplantationen . Nach einer Transplantation bekommen Patienten immunsuppressive Medikamente, um das zu verhindern. „Aber die haben auf Dauer gereicht.“

Die Transplantation bei David Bennett sei völlig experimentell gewesen. Und sie war nur möglich, weil die Genetik an einigen Stellen des Schweineherzens verändert wurde – wohl nicht genug. „Es ist wahrscheinlich sehr viel mehr Veränderung nötig. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Anpassung an den Empfänger noch nicht ausgereift ist“, erklärt sich Dr. Specht den Tod von Bennett. Die Operationstechnik sei wahrscheinlich nicht das Problem gewesen, vermutet der Arzt. Die sei seit rund fünfzig Jahren gut geübt.

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Die Transplantation war Bennetts einzige Überlebenschance

Hätte David Bennett also besser auf die Transplantation verzichten sollen? „Nein!“ sagt Dr. Christoph Specht. Denn Bennett litt an einer lebensgefährlichen Herzkrankheit. Für ein menschliches Spenderherz wurde er als nicht geeignet eingestuft. Er hatte also nur zwei Möglichkeiten: Sterben oder auf den Vorschlag der Mediziner eingehen. Der 57-Jährige entschied sich für die einzigartige Herztransplantation. Vor der Operation soll er dem Transplantationsteam gesagt haben: „Ich will leben und wenn ich es nicht tue, werdet ihr etwas lernen.“

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Hat die experimentelle Methode trotzdem Zukunft?

Und so ist es auch, sagt Arzt und Medizinjournalist Dr. Specht. Solche experimentellen Methoden seien nötig, um zu verstehen und zu lernen. Daher sei auch diese Operation bahnbrechend gewesen. Sie habe gezeigt, dass eine solche Methode möglich ist. Nur die genetische Veränderung sei nicht ausreichend gewesen und müsse verfeinert werden. „Man wird diesen Fall genau untersuchen und daraus weitere Erkenntnisse gewinnen.“

„Es wird jetzt weiter geforscht“, ist sich Dr. Specht sicher. Mehrere medizinische Zentren würden solche Techniken untersuchen. „Wahrscheinlich geht es in den nächsten Monaten oder vielleicht Jahren weiter.“ Wann eine solche Methode längerfristig angewendet wird, könne man nicht sagen. Aber: Der Bedarf nach Spenderorganen sei so groß, die Bereitschaft zu spenden immer geringer . „Es schreit gerade danach, das auf diese Weise zu lösen. Ich halte es für gut möglich, dass Patienten eines Tages lange mit einem transplantierten Schweineherz leben können.“