Tausende Migranten wollen von Belarus nach Polen

So erlebt der RTL-Reporter die dramatische Situation an der Grenze

Tausende Migranten campieren mittlerweile an der Grenze
Tausende Migranten campieren mittlerweile an der Grenze
© imago images/ITAR-TASS, Leonid Shcheglov via www.imago-images.de, www.imago-images.de

10. November 2021 - 16:09 Uhr

Die Grenze ist Sperrgebiet

Von RTL-Reporter Jürgen Weichert

Wie angespannt die Lage hier an der Grenze ist, spüren wir jeden Tag. Es herrscht - auch rechtlich gesehen – Ausnahmezustand. Große Bereiche der Grenzgebietes sind Sperrgebiet. Wer als Journalist hier recherchiert und erwischt wird, muss damit rechnen, festgenommen zu werden und vorerst im Gefängnis zu landen. Zusätzlich sind teure Geldstrafen möglich – rund 1.100,- Euro für das widerrechtliche Betreten der Sperrzone.

Seit Anfang der Woche berichtet RTL-Reporter Jürgen Weichert von Grenze zwischen Belarus und Polen
Seit Anfang der Woche berichtet RTL-Reporter Jürgen Weichert von Grenze zwischen Belarus und Polen
© RTL

Polen schickt Migranten wieder zurück

Drehen und Dokumentieren, wie Migranten von Polen nach Belarus zurückgeschickt werden, ist kaum möglich. Kürzlich erst haben wir aber Menschen aus Syrien und dem Libanon im Wald nahe der Grenze getroffen. Sie hatten es über die Grüne Grenze nach Polen geschafft und bestätigten uns das Vorgehen der polnischen Sicherheitskräfte.

Diese sogenannten Pushbacks seien illegal und gegen Asyl- sowie EU-Recht, sagt uns Ruben Neugebauer, mir dem wir kürzlich hier im Grenzgebiet sprachen. Er arbeitet für die Menschenrechtsorganisation "Leave no one behind".

+++ Alles zur Flüchtlingskrise an der polnischen Grenze finden Sie hier in unserer Übersicht +++

Die polnische Regierung dagegen bekennt sich dazu, Migranten direkt an der Grenze abzufangen und zurückzuweisen. Vereinfacht ausgedrückt vertritt das offizielle Polen den Standpunkt, es seien Migranten und keine Flüchtlinge, die illegal die Grenze passieren wollten. Die Menschen seien in der Regel nicht politisch verfolgt, nicht vor Krieg oder Hungersnot geflüchtet, sondern regulär mit Linien- oder Charterflügen kontrolliert wie Touristen nach Belarus eingereist.

Tausende Soldaten sichern Grenze

Rund 10.000 Einsatzkräfte sichern auf polnischer Seite die rund 400 Kilometer lange Grenze zu Belarus. Sie sind bewaffnet, auch mit Gewehren. Polens Grenzer wissen, dass der Nachbar Belarus sich derzeit nicht wie ein befreundeter Nachbarstaat verhält, sondern Polen und die EU offen provoziert und Tausende Migranten illegal über die Grenze treibt.

In Deutschland haben wir vielleicht ein wenig verdrängt, wie harter Grenzschutz funktioniert. Es ist keine harmonische Grenzsituation wie zwischen Deutschland und Luxemburg oder Österreich. Hier an der Grenze nach Belarus endet die EU, hier endet der Einflussbereich der Nato. Und diese Grenze wird von der polnischen Regierung massiv geschützt..

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Polnische Soldaten patrouillieren nahe dem Ort Kuznica
Polnische Soldaten patrouillieren nahe dem Ort Kuznica
© via REUTERS, HANDOUT, PK/

Die meisten Migranten wollen nach Deutschland

Die Argumente der polnischen Regierung sind nicht von der Hand zu weisen. Nach Meinung vieler Beobachter wissen die Afghanen, Syrer oder Iraker durchaus, dass nur ihre Reise nach Belarus legal war. Ihre Weiterreise - ohne Erlaubnis – über die Grüne Grenze nach Polen in die EU dagegen zumindest "grenzwertig" ist.

Ihre Hoffnung auf ein besseres Leben in der Europäischen Union ist so stark, dass diese Bedenken jedoch meist beiseite geschoben werden. Die allermeisten Menschen – ob man sie nun Flüchtlinge oder Migranten nennen mag – wollen nach Deutschland. In Deutschland, so ihre Hoffnung, seien die Behörden großzügiger und sie könnten - mit Bleiberecht - sich ein besseres Leben aufbauen.

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