Für Bianca Blome ein Schlag ins Gesicht

Krankenkasse bezahlt Frau keine Lipödem-OP, weil sie zu dick ist

28. Oktober 2019 - 14:20 Uhr

Die Kasse zahlt Fettabsaugung nur in bestimmten Fällen

Eigentlich ist es eine erfreuliche Nachricht gewesen: Anfang 2019 hatte Gesundheitsminister Jens Spahn angekündigt, dass Frauen mit Lipödem ab 2020 die OP von der Kasse bezahlt bekommen sollen. Vorausgesetzt sie leiden unter der schwersten Stufe 3. Klingt eigentlich gut – doch die Sache hat einen Haken: Die Kosten für eine OP werden nur bis zu einem BMI von 35 bezahlt. Und der ist für die meisten betroffenen Frauen auf Grund der krankhaften Fettproduktion unerreichbar.

Bianca Blome ist einer der Betroffenen. Verzweifelt kämpft die 35-Jährige dafür, dass die Krankenkasse ihre Operation bezahlt. Sie ist maßlos enttäuscht von dem Gesetz, das ihr zunächst so viel Hoffnung versprochen hatte. Und sie will den Gesundheitsminister mit ihrer Krankheit konfrontieren. Dabei hat sie einen geheimen Wunsch: "Ich würde gerne 50 Milchtüten mitbringen die er (Jens Spahn) sich umbinden kann, um einmal nach zu empfinden, wie es ist, mit so einem Körper herumzulaufen."

Im Video sehen Sie die Geschichte einer mutigen jungen Frau, die ihrer Krankheit und dem Gesundheitssystem den Kampf ansagt.

Was ist ein Lipödem?

Treppensteigen, spazieren gehen, laufen – für Bianca Blome ist jede Bewegung eine Qual. Denn die 35-Jährige leidet unter der schwersten Stufe eines Lipödems, einer krankhaften Fettverteilungsstörung, bei der sich die Fettzellen ungebremst vermehren und vergrößern. Als Ursache werden genetische und hormonell bedingte Auslöser vermutet. Das Lipödem tritt fast ausschließlich bei Frauen auf. Betroffene Körperstellen sind in der Regel:

  • Oberschenkel
  • Hüfte und das Gesäß
  • Unterschenkel bis zum Knöchel
  • Oberarme, seltener zusätzlich die Unterarme

Das Lipödem wird oft erst nach langer Leidenszeit korrekt diagnostiziert. Ein Selbsttest kann Frauen helfen, das Lipödem selbst zu erkennen und richtig zu behandeln.

Lipödem-Op ist Kassenleistung – doch nur bis BMI 35

Eine operative Entfernung des Lipödems ist für viele Frauen die letzte Möglichkeit im Kampf gegen die Krankheit. Bei der sogenannten Liposuktion werden die geschwollenen Fettzellen abgesaugt, insgesamt fünf bis sieben Liter. Wie eine solche Lipödem-Operation abläuft und warum sie Betroffenen ein neues Leben ermöglicht, zeigt die Geschichte von Jenny Frankhauser. Die Halbschwester von Daniela Katzenberger ließ nach ihrer Lipödem-Diagnose eine Liposuktion durchführen und macht anderen Frauen mit derselben Krankheit Mut.

Auch bei Bianca Blome sieht der behandelnde Arzt Dr. Mathias Wagner keine andere Möglichkeit, als mit Hilfe einer Operation eine größere Menge Fett abzusaugen. Bislang weigerten sich die Kassen, das Fettabsaugen zu bezahlen, da "der Nutzen noch nicht hinreichend belegt" sei. Doch Anfang 2019 hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verkündet, Betroffenen Frauen schnell und unbürokratisch helfen zu wollen. Seit September 2019 übernehmen nun die Krankenkassen bei sehr schweren Fällen die Kosten einer medizinischen Fettabsaugung.

Die Sache hat allerdings einen Haken: Eine Liposuk­tion wird von den Kassen nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen bezahlt. Eine davon: Die betroffenen Frauen dürfen keinen BMI über 35 haben. Für Betroffene wie Bianca Blome ein Schlag ins Gesicht. Gerade Frauen mit einem ausgeprägten Lipödem wie Bianca können nicht so einfach abnehmen. Denn auf Grund des Lipödems können sich die Betroffenen schlechter bewegen und damit auch weniger Kalorien verbrauchen. Das bestätigt auch ihr behandelnder Arzt. Eine Meinung, die auch der Verband "Organisierte Selbsthilfe von Frauen mit Lipödem" teilt. "Im Stadium III der Erkrankung hat sich bereits so viel krankes Fettgewebe angesammelt und ist meist das Lymphsystem bereits derart überlastet, dass eine Gewichtsreduktion auf einen BMI von unter 35 faktisch nicht mehr möglich ist", so die Haltung des Verbands.

Bianca ist zutiefst enttäuscht über das Gesetz des Bundesgesundheitsministers. "Ich will es ihm irgendwann einfach sagen", wünscht sich die 35-Jährige. "Dass er sich meinen Körper angucken soll, sich die Bilder angucken soll und mir sagen soll: Sie sind jetzt leider zu fett".