Kommentar einer Mutter

"Kinder dürfen auch mal Sand essen"

29. April 2021 - 18:36 Uhr

Kommentar von Linda Elden

Das Video von Mama Alice Bender hat in dieser Woche für viel Diskussionsstoff gesorgt, weil sie ihr Baby Sand und Dreck essen lässt. Ich hingegen finde es okay, wenn ein Baby genau diese Dinge auch mal probiert.

Ich bin Mama eines 4-Jährigen und gehöre zu den Müttern, die nichts von Desinfektionsmitteln am Kinderwagen halten. Als mein Sohn noch ein Baby war, gab es allerdings auch kein Corona. Heute würde ich das wahrscheinlich auch ein bisschen anders handhaben. Damals schreckte ich jedoch nicht auf, wenn mein Sohn sich Sand in den Mund steckte, an Stock und Stein kaute und sich mit unserem Hund ein Eis teilte. Deshalb teile ich den Erziehungsstil von Alice Bender, die ebenfalls findet: "Kinder sollten Bakterien ausgesetzt sein, denn das stärkt ihr Immunsystem!"

Die Geschichte der Mama aus Arizona sehen Sie im Video.

"Die 3 Sekunden-Regel hieß bei uns 30 Sekunden-Regel"

Die 3 Sekunden-Regel, wenn beispielsweise der Schnuller runterfiel, hieß bei uns oft 30 Sekunden-Regel. Irgendwie hatte ich immer ein gutes Gefühl dabei, meinen Sohn auch mal machen zu lassen, ohne permanent mit einem antibakteriellen Spray hinter ihm herzulaufen. Und bis heute bin ich davon überzeugt, dass es sich ausgezahlt hat, entspannt im Umgang mit Sand & Co. zu sein. Alles, aber alles in Maßen. Es heißt ja schließlich auch: "Sand reinigt den Magen."

Mein Kind ist ein lebensfrohes, aufgewecktes Kerlchen. Er ist ein gesundes Kind, dass keinerlei Allergien hat und voller Lebensenergie ist. Erst kürzlich hat er mal wieder eine kleine Hand voller Sand in sich hineingeschaufelt – und auch wenn ihm der Sandkuchen damals deutlich besser schmeckte, geschadet hat ihm das bis heute zum Glück nicht.

"Unser Alltag ist voll von Bakterien"

Kinderärztin Dr. Melanie Ahaus sagt, dass es keine Studien darüber gibt, wie viel "Dreck" Kinder essen dürfen. Sie sagt: "Dass Kinder mal ihre dreckigen Hände in den Mund nehmen und ablecken oder auch mal kleine Mengen Dreck oder Sand in den Mund bekommen ist durchaus normal und auch nicht schädlich- natürlich auch abhängig vom Alter."

Absichtlich sollte man seinem Kind aber natürlich keine Sandkuchen zu Essen geben:

"Generell sollten Kinder keinen Dreck "essen", da dies ja kein Nahrungsmittel ist.Unser Alltag ist voll von Bakterien und Keimen, so dass man Kinder nicht extra den Keimen "aussetzen" muss. Natürlich wird das Immunsystem gestärkt, wenn es sich mit Infektionen auseinandersetzen muss. Dies geschieht natürlicherweise z.b. durch den Kontakt mit anderen Kindern (in Kitas/ Krippen/ Krabbelgruppen) oder wenn man z.B. einfach mit Bus oder Bahn unterwegs ist oder die befreundetet Familie mit anderen Kindern besucht. Das muss nicht extra durch ungewöhnliche Massnahmen provoziert werden. Allerdings sollte man sehr kleine Kinder, also Neugeborene und junge Säuglinge, aufgrund des noch sehr unreifen Immunsystems möglichst vor Infekten schützen."

Alice Bender schwört aufs Stillen. Solange ihr 8-Monate alter Sohn Fern Muttermilch zu sich nimmt, ist die Mutter aus Arizona sich sicher, Stöcke, Steine und Sand schaden ihrem Baby nicht. Doch die Kinderärztin ist skeptisch:

"Stillen in den ersten Lebensmonaten ist sehr wichtig und stärkt auf alle Fälle das Immunsystem. Dies ist aber kein Grund, die Kinder Dreck oder Stöcke essen zu lassen. Dies sind keine Nahrungsmittel und können andere gefährliche Auswirkungen haben, z.B. zu Erstickungen oder Verletzungen in der Mundhöhle oder an Speiseröhre / Magen führen. Wenn das Kind aber mal versehentlich etwas in den Mund bekommt oder die schmutzigen Hände ableckt, ist das bestimmt kein Grund zur Panik. Dennoch sollte man den Kindern möglichst früh beibringen, die Hände nicht in den Mund zu stecken und regelmäßig zu waschen, denn spätestens seit Corona wissen wir ja alle, dass dies der Hauptübertragungsweg für Infektionskrankheiten ist. Und da hilft auch kein Stillen."

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