Waffennarr vor Gericht in Kiel

Panzer und Kriegswaffen im Keller seiner Villa

29. Mai 2021 - 14:47 Uhr

Bizarre Szenen im Nobelvorort

Was Soldaten mit einem Bergungspanzer 2015 aus dem Keller einer Villa in Kiel ziehen ist bizarr. Es ist ein Wehrmachtspanzer! Dazu werden bei einer Hausdurchsuchung noch weitere Kriegswaffen, darunter ein Flakgeschütz und ein Torpedo gefunden. Die Bilder von damals sehen Sie im Video.

Angeklagter wirkt gebrechlich

Der inzwischen 84 Jahre alte Besitzer muss sich seit Freitag vor dem Gericht in Kiel verantworten. Hier wirkt der angeklagte Millionär gebrechlich und wird sogar von seinem Anwalt teilweise gestützt. Am ersten Prozesstag äußert sich der angeklagte Kaufmann und Finanzvermittler selbst noch nicht zu den Vorwürfen.

Fasziniert von Militärgütern

Der Angeklagte wirkt gebrechlich vor Gericht.
Der Angeklagte wirkt gebrechlich vor Gericht.
© RTL Nord

Im Zuge von Ermittlungen um wieder aufgetauchte Nazi-Kunst stießen die Behörden auf die Spur von Klaus F.. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Norddeutschen vor, unerlaubt im Besitz eines Panzers vom Typ "Panther", eines Torpedos, eines Mörsers vom Kaliber 5 Zentimeter sowie einer Flugabwehrkanone vom Kaliber 8,8 Zentimeter gewesen zu sein. Zudem soll er Maschinen- und Sturmgewehre, halb- und vollautomatische Pistolen sowie mehr als 1000 Schuss Munition besessen haben.

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Meinung der Nachbarn zwiespältig

Klaus F. wohnt ziemlich abgeschottet. Laut RTL Nord-Informationen ist die Meinung der Nachbarn im Nobelviertel zum Angeklagten zwiespältig. Einerseits soll er von Kunst und Militärgütern aus dem zweiten Weltkrieg fasziniert, sogar besessen gewesen sein. Aber er soll auch durchaus hilfsbereit sein und mit anpacken können. Während der Schneekatastrophe 1978 hätte er sogar mit seinem eigenen Kettenfahrzeug die Straße im Villenviertel geräumt.

20 Soldaten im Einsatz

Der 84-Jährige will den "Panther" übrigens in England als Schrott gekauft haben. Rund neun Stunden brauchten 20 Soldaten bei hochsommerlichen Temperaturen damals, um den knapp 40 Tonnen schweren Panzer ohne Ketten aus dem Keller des Anwesens zu ziehen. Dabei wurden auch Schäden angerichtet und der Einsatz dauerte zwei Tage.

„Waffen nicht verwendbar“

"Die Ordnungsbehörden und alle Anwohner wussten seit Jahren von dem "Panther" und anderen Museumsstücken historischer Militärtechnik in dem Keller meines Mandanten", sagte Verteidiger Gerald Goecke der Deutschen Presse-Agentur vor Prozessbeginn. "Sie waren als Waffen nicht verwendbar und sollten es auch nicht sein." Sein Mandant habe eine "untadelige Lebensführung" und sei "in seinem langen Leben strafrechtlich in keiner Weise" vorbelastet.

Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz

Im Kern geht es vor Gericht darum, ob alle gehorteten Waffen funktionsfähig waren. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus. Sie klagt den Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und weitere waffenrechtliche Verstöße an. Verstöße gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz werden mit mindestens einem Jahr und maximal fünf Jahren Gefängnis geahndet.

Urteil für Juli erwartet

Prozess um Heikendorfer Wehrmachtspanzer
Ein Kampfpanzer des Typs "Panther" steht in Heikendorf zum Abtransport bereit. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild
© deutsche presse agentur

Anders als die Ankläger geht die 7. große Strafkammer nach mehreren vom Gericht beauftragten Gutachten davon aus, dass es sich "nur bei der sichergestellten Flugabwehrkanone nach wie vor um eine Kriegswaffe handeln dürfte". Bei dem Panzerkampfwagen, dem Torpedo und einem Mörser vom Kaliber 5 Zentimeter gehe es wahrscheinlich "nicht um Kriegswaffen im Sinne des Kriegswaffenkontrollgesetzes, weil diese nicht mehr als solche einsatzfähig seien". Der Verteidiger fühlt sich durch den Eröffnungsbeschluss "weitgehend bestätigt" und signalisierte die Bereitschaft für etwaige Rechtsgespräche: "Mein Mandant wollte eine Verständigung, um das Verfahren abzukürzen, weil er sieht, dass ihm seine Lebenszeit davon läuft."

Der Prozess soll am 10. Juni fortgesetzt werden. Dann will die Kammer zwei Sachverständige hören. Ein Urteil könnte am 8. Juli fallen. (dpa/nid)