Kein Schweinefleisch in Berliner Kita: Geht das Verbot zu weit?

25. Juli 2017 - 10:15 Uhr

Nicht alle sind vom Schweinefleisch-Verbot begeistert

Schweinefleisch verboten: Das ist an vielen Schulen und Kitas ganz normal. Dennoch regen sich immer wieder Eltern und Politiker darüber auf. So wie aktuell in Berlin. Dort gibt es an der Kita 'Zaubermäuse' zwar schon lange kein Schweinefleisch mehr. So richtig daran gewöhnt haben sich aber längst nicht alle. Warum es dort keine Würstchen und Schnitzel auf der Speisekarte gibt und wie es in anderen Kitas aussieht, erfahren Sie im Video.

Was halten Eltern vom Schweinefleisch-Verbot an Kitas?

In der Kita 'Zaubermäuse' in Berlin Steglitz gibt es bereits seit sechs Jahren kein Schweinefleisch mehr. Es stehen eher Tomatensuppe mit Klößchen auf den Speiseplan – ganz selbstverständlich ohne Fleisch. Die Kinder und Eltern haben sich dran gewöhnt. Trotzdem sind nicht alle begeistert.

Einige Eltern plädieren für eine demokratische Auswahl von Fleisch: Wer keins mag, müsste demnach keins essen. Aber wer es gerne isst, müsste es auch können. Andere wiederum finden es gar nicht schlimm. Bei ihnen gibt es Schweinefleisch zuhause, deshalb können sie über die Kita-Regelung hinwegsehen.

Ernährungsexperten sehen den Verzicht auf Schweinefleisch eher positiv

Ernährungsberaterin Mona Poulev findet es dagegen gut, wenn Kinder weniger Schweinefleisch essen. Denn gerade Schweinefleisch schneidet in Sachen Nährstoffe schlechter ab als Hähnchenbrust oder Kalbsfilet. Außerdem sind Würstchen und Steaks oft mit Giftstoffen belastet. Und auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empiehlt in ihren Qualitätsstandards für die Verpflegung in Tageseinrichtungen für Kinder weißes Fleisch (Geflügel) bevorzugt anzubieten. Da es unter gesundheitlichen Gesichtspunkten günstiger zu bewerten ist als rotes Fleisch (Schwein, Rind, Schaf, Ziege). 

Nicht nur in Berlin gibt es Streit um das Schweinefleisch. In immer mehr Kitas in ganz Deutschland verschwindet es vom Speiseplan. Auch, um auf die Kinder Rücksicht zu nehmen, die aus religiösen Gründen darauf verzichten. In der Kita 'Zaubermäuse' hat das jedoch nur gesundheitliche Gründe. Die Kitaleiterin Bernadette Ludwig-Scholz war wegen der vielen Fleischskandale besorgt und wollte das Beste für die Ernährung der Kinder - egal welcher Religion - rausholen: "Und das Schweinefleisch ist einfach zu sehr belastet". So fiel die Entscheidung auf diese Fleischsorte in der Kita zu verzichten. 

Aber nicht nur Schwein ist in vielen Kitas tabu, auch selbstgebackener Kuchen darf oft nicht mehr mitgebracht werden, weil man nicht weiß, welche Zutaten verwendet wurden. Auch Gummibärchen sind in einigen Kitas vom Tisch, weil Gelatine aus Schweineschwarte gemacht wird. Und sogar Joghurt ist zum Teil gestrichen, weil die Becher oft nicht leergegessen werden. Man kann eben auch alles übertreiben.

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