Söhne sind Diebe, Schläger und Nazis

Nach Tod von Karin Ritter aus Köthen: So ist es der Familie inzwischen ergangen

Köthens Skandalfamilie um Karin Ritter hält die Anwohner und Behörden in Atem.
Köthens Skandalfamilie um Karin Ritter hält die Anwohner und Behörden in Atem.
© RTL, Stern TV

15. August 2021 - 9:24 Uhr

Familie Ritter aus Köthen: Alkoholsüchtig, rechtsradikal, arbeitslos

Tausende verfolgen seit 1994 das Leben der Familie Ritter aus Köthen (Sachsen-Anhalt) im Fernsehen. Am 30. Januar starb ihr Oberhaupt, Karin Ritter (†66). Ein Leben, das einsam endete. Ein halbes Jahr nach ihrem Tod haben unsere Kollegen von "stern TV" die Familie besucht und geschaut, wie es den Söhnen und Enkelin Jasmin seither ergangen ist.

Kettenraucherin Karin Ritter hatte Lungenkrebs

Fast 25 Jahre hat "stern TV" den unfassbaren Alltag der Familie Ritter dokumentiert. Im Mittelpunkt der Beiträge: Kettenraucherin Karin und ihre Söhne Norman, Christopher, René und Andy. Sie sind Alkoholiker, arbeiten nicht und sitzen entweder hinter Gittern oder leben auf Kosten des Sozialstaats. Von Kindesbeinen an sind die vier von rechtsradikalem Gedankengut geprägt. Alkohol- und Drogenmissbrauch ist Dauerthema, immer wieder kam es zu Gerichtsprozessen, etwa wegen Diebstahls oder Körperverletzung. Schon als Kinder terrorisierten sie ihre Mitschüler, zeigten wie selbstverständlich den Hitlergruß.

Im Fernsehen sprach Karin Ritter auch immer wieder über ihre Krankheiten, etwa eine chronische Bronchitis und Lungenkrebs. Im Krankenhaus sei Karin Ritter, die nach eigenen Angaben seit ihrem 14. Lebensjahr raucht, aber nie gewesen. Stattdessen hing sie pausenlos am Glimmstängel – wie viele Zigaretten sie jeden Tag inhalierte, konnte sie schon gar nicht mehr zählen.

Karin Ritter aus Autos angepöbelt

In ihrem Heimatort Köthen sind die Ritters nicht gerne gesehen. Karin wurde aus vorbeifahrenden Autos heraus angepöbelt, war zwischenzeitlich sogar obdachlos und saß die meiste Zeit des Tages an einem Fliesentisch an der Straße und rauchte, wie im Video zu sehen ist. Auch der Bürgermeister der Gemeinde hatte sich bei "stern TV" geäußert und von vielen unangenehmen Begegnungen seiner Mitarbeiter mit der Familie berichtet, wie immer wieder Hilfsangebote ausgeschlagen und abgelehnt wurden.

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So geht es Christopher, René, Norman, Andy und Jasmin Ritter aktuell

Und heute? Der jüngste Sohn Christopher muss sich seit November 2020 zusammen mit seinem ehemaligen Schulfreund Marc Kersten wegen diverser Delikte vor dem Landgericht Dessau verantworten. Kersten und Ritter gehen getrennte Wege, seit Christopher seinem Kumpel mit einem Messer das Ohr fast abgetrennt hatte. Für die Tat wurde Ritter verurteilt, streitet jedoch bis heute jede Beteiligung ab. Er beteuert in dem "stern TV"-Spezial, dass alles ganz anders gewesen sei, sagt, es sei "eine große Lüge, was er da gemacht hat". Für ihre begangenen Straftaten müssen sich Christopher Ritter und Marc Kersten gemeinsam vor Gericht verantworten. Ein Urteil soll voraussichtlich im Herbst dieses Jahres fallen.

René Köthen ist der älteste Sohn der Familie und ebenfalls schwerer Alkoholiker. Zwischenzeitlich stand es so schlecht um ihn, dass Ärzte von maximal zwei Jahren Lebenserwartung sprachen. Ein Weckruf. Zunächst schien es, als habe er nach einem Gefängnisaufenthalt den Absprung geschafft. 2020 hatte René erzählt, einen Entzug und Langzeittherapie zu machen. Doch laut "stern TV" hat er den Kampf gegen die Sucht verloren: Er trinkt wieder.

Bei Norman sieht es nicht viel besser aus. Auch er trinkt, obwohl er schon vor Jahren erzählt hatte, an einer Leberzirrhose erkrankt zu sein. 2019 wurde er wegen eines Raubüberfalls auf einen Obdachlosen, den er zusammen mit Christopher und Karins Enkelin Jasmin begangen hatte, zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt. Sie hatten den Mann gemeinschaftlich verprügelt und bestohlen. Beute: Eine Flasche Wodka, Zigaretten und etwas Wurst. Derzeit sitzt er wieder im Gefängnis, es ist unklar, wann er freikommt.

Andy trifft das Kamerateam in einer völlig zugemüllten Wohnung an. Seit seinem 14. Lebensjahr hat er ein Drogenproblem, genau wie seine Freundin Annett. Gerade hat sein Vermieter ihm gekündigt, wenn er keine neue Wohnung findet, muss er zurück ins Obdachlosenheim.

Jasmin Ritter ist die Tochter von Karins ältester Tochter. Sie war den Drogen verfallen, konsumierte vor allem Crystal Meth. Wegen des Überfalls auf den Obdachlosen – damals war sie 19 Jahre alt – und anderer Straftaten saß sie laut eigenen Angaben 15 Monate und sieben Tage im Gefängnis. Die Zeit dort scheint sie geläutert zu haben. Noch aus der Haft hatte sie "stern TV" Briefe geschrieben, beteuert, nie wieder zu ihrer Familie nach Köthen zurückkehren zu wollen. Wieder auf freiem Fuß sagte sie im Dezember 2020: "Ich nehme keine Drogen mehr. Mein Verhalten hat sich gebessert, ich raste nicht mehr so schnell aus." Inzwischen ist sie tatsächlich in ein anderes Bundesland gezogen und soll ihr erstes Kind erwarten. (cwa)