Phänomen "Hexenmilch" - das steckt dahinter

Mutter nach Geburt geschockt: Baby Kylan hat Brüste - die auch noch Milch geben!

23. August 2021 - 14:30 Uhr

Kleiner Kylan bekommt Tage nach der Geburt plötzlich Brüste

Ein Schock für die frischgebackene Mama Vanessa Moran: Nur wenige Tage nach der Geburt wachsen ihrem Baby Kylan plötzlich Brüste - und die geben auch noch Milch. In Panik wird die 28-jährige US-Amerikanerin aus Evansville, Indiana, mit ihrem Kleinen beim Kinderarzt vorstellig. Dort erhält Kylan die ungewöhnlich klingende Diagnose "Hexenmilch". Ein Phänomen, das keine absolute Seltenheit bei Neugeborenen ist. Die ganze Geschichte zeigen wir im Video.

Hexenmilch: Etwa zwei Prozent aller Babys betroffen

Etwa eine Woche nach Kylans Geburt fällt Mama Vanessa auf, dass sich das Brustgewebe ihres Babys vergrößert hat. Es sieht aus, als wüchsen dem Kleinen Brüste. "Ein paar Tage später kam aus seinen Brustwarzen plötzlich Milch - und ich geriet in Panik", erinnert sich die zweifache Mutter im Gespräch mit "Kennedy News". Vanessa vermutet, dass Kylan Schmerzen hat. Er weint viel und ist quengelig. "Ich dachte sofort, dass etwas nicht stimmen konnte und hatte Angst, dass es sich dabei um eine Infektion oder etwas Lebensbedrohliches handeln könnte."

Sie macht einen Termin bei der Kinderärztin. Dort erfährt sie: Ihr Sohn leidet an Galaktorrhoe, im Volksmund auch "Hexenmilch" genannt. "Sie sagte, mein Östrogenspiegel sei während der Schwangerschaft zu hoch gewesen und dass ich es durch den Blutkreislauf auf ihn übertragen hätte", erklärt Vanessa "Kennedy News" weiter. Bei etwa zwei Prozent aller Babys trete das Phänomen auf, erklärt ihr die Kinderärztin.

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Wie entsteht Hexenmilch?

Die Ursache für die Entstehung von Hexenmilch ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Es wird angenommen, dass bestimmte Hormone der Mutter ein Auslöser für die Hexenmilch sind. Im Körper der Mutter werden nämlich während der Schwangerschaft zwei Hormone produziert, um die Milchdrüsen auf das Stillen vorzubereiten: Prolaktin und Östrogene. Bei diesem Prozess kann es dazu kommen, dass die Hormone durch den Versorgungskanal auch in den Körper des Babys gelangen. So wird dessen Brust ebenfalls auf das Stillen vorbereitet. Das führt dazu, dass die Brustdrüsen des Babys in den ersten Tagen nach der Geburt anschwellen und ein Milchsekret abgeben, die Hexenmilch.

Ein anderer Erklärungsansatz besagt, dass die Hirnanhangdrüse des Babys, welche unter anderem für den Hormonhaushalt zuständig ist, nach der Geburt selbst das Hormon Prolaktin produziert. So kann es hormonbedingt zu der Hexenmilch kommen.

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Verzweifelte Mama Vanessa: "Es gab nichts, was ich hätte tun können, um ihm zu helfen"

Am schlimmsten für Vanessa: das Gefühl der Hilflosigkeit. "Es gab nichts, was ich hätte tun können, um ihm zu helfen. Wir mussten einfach abwarten, bis es sich von alleine zurückbildet und durften auch nicht daran herumdrücken." Sollte die Schwellung des Brustgewebes nicht innerhalb von zwei Monaten von alleine verschwunden sein, rät ihr die Ärztin, solle sie nochmals in der Praxis vorstellig werden.

Abwarten und Nichtstun - für eine Mutter leichter gesagt als getan. "Wir Frauen wissen, dass unsere Brüste sich wund anfühlen, wenn sie voller Milch sind. Das Einzige, was ich tun konnte, war warme Tücher auf seine Brust zu legen, um die Schmerzen zu lindern."

Doch zum Glück: Für Kylan geht alles glimpflich aus. Als der Junge sechs Wochen alt ist, beginnt die Schwellung abzuklingen. Auch die Milchproduktion hört auf. "Ich war unglaublich erleichtert", so Vanessa. Heute, etwa ein Jahr Jahr später, ist Kylan ein gesundes und putzmunteres Baby.

Woher kommt der Name Hexenmilch?

Seinen Ursprung hat die Bezeichnung Hexenmilch im finsteren Mittelalter. Als das Phänomen im 16. Jahrhundert entdeckt wurde, war die Erklärung damals wenig wissenschaftlich, sondern eher von Aberglaube und Furcht vor dem Teuflischen geprägt.

Man sagte, dass verhexte Vögel die Neugeborenen befallen hätten und sie deswegen das "giftige" Sekret ausstoßen. Diese Vögel wurden von Hexen geschickt oder waren selbst verzauberte Hexen und wollten dem Baby schaden. Daraus ergab sich auch der Name Hexenmilch, der bis heute geläufig ist. (dhe)