Mutter des kleinen Noel Antonio in großer Sorge

In Würzburg: Baby mit "Hexenzähnen" geboren - was steckt hinter diesem seltsamen Phänomen?

Die untere Zahnleiste ist zweifach rundlich angeschwollen, es sieht aus, als lägen dort Perlen, an der Stelle, wo einmal die ersten Scheidezähnchen erscheinen sollen.
© Janina Vasilic, Janina Vasilic/Privat, Privat

08. Januar 2021 - 10:25 Uhr

Nach dem ersten Schrei gleich der erste Riesenschreck

Am 9. Oktober kam das zweite Kind von RTL-Zuschauerin Janina Vasilic zur Welt. Ein Sohn, sein Name: Noel Antonio. Doch nach dem ersten Schrei auch gleich der erste Schreck: Die untere Zahnleiste ist zweifach rundlich angeschwollen, es sieht aus, als lägen dort Perlen, an der Stelle, wo einmal die ersten Schneidezähnchen erscheinen sollen. Im Krankenhaus kann das medizinische Personal erst einmal nicht sagen, was die Wölbungen zu bedeuten haben. Janina wendet sich an RTL, um das Phänomen zu klären. Wir wollen helfen und befragen für Janina eine Expertin.

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Handelt es sich um "angeborene Zähne"?

Drei Monate ist die Geburt von Noel Antonio nun her, drei Monate, in denen seine Mutter Janina nun schon in Sorge ist. Denn: Ihr zweiter Sohn kam mit zwei perlenartigen Auswölbungen im Unterkiefer zur Welt. Handelt es sich um "angeborene Zähne", im Volksmund auch "Hexenzähne" genannt?

Das Phänomen ist gar nicht so selten - allerdings sind die Zähne in diesem Fall schon zu sehen. Die Problematik dabei liegt darin, dass diese Zähnchen meist nur sehr locker im Zahnfleisch sitzen und nicht richtig verwurzelt sind. "Dann besteht vor allem beim Stillen die Gefahr, dass der Zahn sich löst, verschluckt oder schlimmstenfalls eingeatmet wird", erklärt Zahnärztin Nicola Khonba aus Frankfurt gegenüber RTL.

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Ärzte im Krankenhaus sind erstmal ratlos

Doch im Fall von Noel Antonio sind die Ärzte ratlos, schildert Janina gegenüber RTL: "Selbst die Oberärzte, die über 20 Jahre in der Klinik arbeiten, haben so etwas noch nie gesehen", schreibt sie uns. "Er war ein Phänomen, keiner wusste zu 100 Prozent, worum es sich handelt." Die Ärzte haben jedoch den Verdacht, dass es sich um zwei Zähne handelt, die noch nicht durchgebrochen sind und keine festen Wurzeln haben.

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Kommen keine Zähne, muss operiert werden

In der Zwischenzeit war Noel Antonios Mutter auch in einer Zahnklinik. Doch auch da sind sich die Ärzte laut Janina nicht sicher. "Keiner von ihnen hätte so etwas schon einmal gesehen", sagt uns die besorgte Mutter. "Der kleine Mann ist inzwischen drei Monate alt und die Schwellung ist nur minimal heruntergegangen." Der Ratschlag der Ärzte: "Wir sollen noch warten, wenn nichts geschieht beziehungsweise keine Zähne kommen, wird es leider aufgeschnitten werden müssen." Die Folge wäre: Noel Antonio kann dort keine normalen Zähne mehr bekommen.

Das sagt die Kinderzahnärztin zu dem Phänomen

Wir fragen nach bei Dr. Jacqueline Esch, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Kinderzahnärzte. Nach Ansicht der Bilder urteilt sie: "Am ehesten sieht dieses Phänomen nach einer Residualzyste oder auch Durchbruchzyste beziehungsweise Eruptionszyste aus", sagt sie uns, "für eine genaue Beurteilung müsste Frau Vasilic allerdings mit ihrem Sohn vorstellig werden, da überprüft werden muss, ob die Veränderung fest, beweglich oder fluktuierend ist." Die Zysten rühren wahrscheinlich von Zähnen her, die sich schon vor Geburt gebildet haben. Die Expertin gibt aber zu: "Die sind schon ungewöhnlich groß, in der Tat."

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Jeden Monat checken lassen

"Wir können hier wahrscheinlich von 'Dens neonatalis' ausgehen", so die Kinderzahnärztin. "Ein seltenes, aber alles in allem harmloses Phänomen", bestätigt sie. Beim Stillen kann es dadurch zu Problemen kommen - aber das ist bei Noel Antonio laut Janina Gott sei Dank nicht der Fall. Aber auch Dr. Jacqueline Esch sagt: "Da in diesem Alter in diesen Fall nicht geröntgt wird, ist eine genaue Bestimmung des Phänomens ist nur histologisch, also durch die Entnahme einer Gewebeprobe, möglich." Davon sei aber zum jetzigen Zeitpunkt abzusehen. Sie rät der jungen Mutter: Alle zwei Monate bei einem Kinderzahnarzt die Entwicklung checken lassen, denn die Zyste wird in der Regel von selbst resorbiert, verschwindet also irgendwann von selbst.

Janina hatte selbst einen "Hexenzahn"

Wir besprechen die Einschätzungen der Kinderzahnärztin mit Janina - sie ist erleichtert, dass es sich im Grunde genommen um ein harmloses Phänomen handelt. Und sie berichtet uns: Ich selbst wurde auch mit einem sogenannten Hexenzahn geboren. Wir geben ihr auf Empfehlung der stellvertretenden Vorsitzenden des Bundesverbands die Adresse einer Kinderzahnärztin in der Würzburger Region, die sich das Phänomen noch einmal ansehen soll. Janina verspricht, uns auf dem Laufenden zu halten.

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