'Weiche Zähne' statt Karies: Warum 'Kreidezähne' (MIH) zur neuen Volkskrankheit werden

03. Juni 2018 - 16:14 Uhr

Löcher wegen 'weicher Zähne'

Der neunjährige Emil Fiebig hat immer wieder Löcher in seinen Zähnen und Zahnschmerzen beim Putzen. Doch er futtert nicht etwa zu viel Süßes - im Gegenteil. Seine Eltern sorgen dafür, dass er keine zuckerhaltigen Getränke trinkt und sich gesund ernährt. Aber die porösen Zähne bleiben. Der Grund dafür: Emil hat 'weiche Zähne'.

Wir haben ihn zum Zahnarzt begleitet und haben Dr. Dr. Norbert Krämer vom
Universitätsklinikum Gießen gefragt, was Eltern schon von vorneherein dagegen tun können.

Was sind 'weiche Zähne'?

Ein gesunder Zahn im Gegensatz zu einem porösen Zahn.
Ein gesunder Zahn (links) im Gegensatz zu einem porösen Zahn (rechts).
© RTL

Wer 'weiche Zähne' hat, leidet unter der sogenannten Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH). Man spricht auch von 'Kreidezähnen'. Dabei ist der Zahnschmelz der Backenzähne nicht wie gewöhnlich hart und weiß, sondern gelblich bis bräunlich verfärbt und porös. Schon bei kleinsten Widerständen kann ein Stück des Zahns abbrechen. Nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde leiden inzwischen etwa 10 bis 15 Prozent der Grundschulkinder an dieser Erkrankung.

Woher kommt MIH?

Das Bizarre: Eigentlich hat sich die Zahngesundheit von Kindern über die Jahre hinweg verbessert, wie die KiGGS-Studie des Robert-Koch-Instituts gezeigt hat. Das ist vor allem der zahnmedizinischen Prophylaxe und den Kariespräventionsprogrammen zuzuschreiben. Doch umso erstaunlicher ist es, dass die DGZMK die Kreidezähne nun sogar schon als neue Volkskrankheit einstuft. Dafür verantwortlich sei nach ersten Erkenntnissen möglicherweise der Weichmacher Bisphenol A, der aus Kunstoffen in die Nahrung übergeht und so vom Körper aufgenommen wird. Er ist beispielsweise häufig in Getränke- und Konserven-Dosen, Verpackungen, Plastikgeschirr oder Trinkflaschen enthalten. Aber: Ursachen für MIH können unter anderem auch Infektionskrankheiten, Antibiotika oder Windpocken sein.

Kann man den 'Kreidezähnen' vorbeugen?

Solange die Ursachen noch nicht sicher geklärt sind, kann man der Krankheit noch nicht wirksam vorbeugen. Dennoch gibt es Empfehlungen: Dadurch, dass die betroffenen Zähne eine raue Oberfläche aufweisen, sind sie besonders kariesanfällig. Daher ist es sinnvoll, den Zahnschmelz mit Fluorid zu stärken. Grundsätzlich gilt auch: Eine regelmäßige und intensive Prophylaxe ist für MIH-Patienten unverzichtbar.