2018 M08 7 - 14:20 Uhr

"Hexenzähne": Ein gar nicht so seltenes Phänomen

Manche Neugeborenen zeigen schon beim ersten Schrei Zähne – im wahrsten Sinne des Wortes: Sogenannte "Hexenzähne" durchbrechen schon vor der Geburt das Zahnfleisch des Babys, auch bis zu 30 Tage danach kann das Phänomen noch auftreten. Meist sind es ein oder zwei Stück im Unterkiefer. Ein süßer Schönheitsfehler oder eine Gefahr für Kind und Mutter?

Zahn kann verschluckt oder eingeatmet werden

Baby zeigt seine zwei unteren Schneidezähne
Normalerweise zahnen Babys erst im Alter von rund sechs Monaten.

"Dentes connati" lautet der lateinische Fachbegriff, auf Deutsch: "angeborene Zähne". Wie Zahnärztin Nicola Khonba aus Frankfurt weiß, ist das Phänomen gar nicht so selten: "Die Studien zeigen unterschiedliche Ergebnisse, aber im Schnitt wird eins von 2.000 bis 3.000 Kindern mit einem oder mehreren Zähnen geboren". Im Prinzip ist das nicht weiter schlimm. Die Problematik liegt allerdings darin, dass die Zähnchen meist nur sehr locker im Zahnfleisch sitzen und nicht richtig verwurzelt sind. "Dann besteht vor allem beim Stillen die Gefahr. dass der Zahn sich löst, verschluckt oder schlimmstenfalls eingeatmet wird."

Doch auch, wenn der Zahn fester verwurzelt ist, können Komplikationen auftreten: "In 94 Prozent der Fälle führt er zu Verletzungen an der Zunge des Babys. Bei der Mutter können Reizungen an der Brustwarze auftreten, die mit einer speziellen Schutzkappe jedoch recht leicht verhindert werden können."

Sprachentwicklung kann beeinflusst werden

Bei den "Hexenzähnen" handelt es sich manchmal um eine rudimentäre Fehlentwicklung, sogenannte prälaktale Zähne, die vor dem eigentlichen Milchzahn wachsen. "Darüber kann nur ein Röntgenbild Aufschluss geben, worauf bei Neugeborenen allerdings in der Regel verzichtet wird", erklärt Nicola Khonba. Häufiger sind es aber tatsächlich verfrühte Milchzähne – fällt ein solcher aus oder wird er gezogen, verbleibt im Gebiss des Kindes eine Zahnlücke, bis die zweiten Zähne durchbrechen. "Das spielt später natürlich auch bei der Sprachentwicklung eine Rolle. Seltener kann auch eine Fehlstellung des Kiefers auftreten. Gegebenenfalls kann dem Kind deshalb zunächst mit einer Prothese geholfen werden, bis die bleibenden Zähne durchbrechen."

Ist der angeborene Zahn fest genug, sodass alle Risiken für das Baby ausgeschlossen sind, besteht auch die Möglichkeit, ihn zu erhalten. "Das kann allerdings immer nur nach einer eingehenden Untersuchung entschieden werden. Ob die Zähne im Mund des Babys belassen werden oder entfernt werden müssen, muss also immer individuell geprüft werden", so die Expertin.​