Was ist wirklich dran?

Joshua Kimmichs Impf-Aussagen im Corona-Faktencheck - Experte ordnet ein

Nationalspieler und FC Bayern-Star Joshua Kimmich hat im Sky-Interview bestätigt, nicht gegen Covid-19 geimpft zu sein.
Nationalspieler und FC Bayern-Star Joshua Kimmich hat im Sky-Interview bestätigt, nicht gegen Covid-19 geimpft zu sein.
© Bernd Feil/M.i.S./Pool, Bernd Feil MIS

25. Oktober 2021 - 16:32 Uhr

Fußballer Joshua Kimmich ist nicht gegen Corona geimpft

Joshua Kimmich vom FC Bayern gilt als absolutes Fußball-Ausnahmetalent, ist bei Fans mega beliebt und führt mit seinen zwei kleinen Kids und seiner Partnerin Lina Meyer ein ruhiges Leben abseits des Medienrummels – eigentlich. Denn die Medienwelt hat der 26-Jährige mit seinen Aussagen zur Corona-Impfung ganz schön aufgemischt und eine riesige Diskussion entfacht. Er selbst sei nicht geimpft, wie er in einem Sky-Interview bestätigt. Doch machen seine Gründe überhaupt Sinn? RTL hat den Epidemiologen Prof. Dr. Timo Ulrichs dazu befragt.

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Diese Gründe nennt Joshua Kimmich gegen die Corona-Impfung

Eine Arzthelferin zieht in einer Praxis einer Hausärztin eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson gegen das Corona-Virus auf. Vier Wochen nach einer Spritze mit dem Impfstoff können sich Mensche
Die Corona-Impfung schützt weitestgehend vor einer Covid-19-Infektion und sorgt für einen milderen Verlauf der Krankheit.
© dpa, Wolfgang Kumm, wk nic vco vrb

Fünf Spieler sollen beim Rekordverein FC Bayern München nicht geimpft sein, wie Bild am vergangenen Wochenende vermeldet. Joshua Kimmich ist einer von ihnen. Er sei "kein Corona-Leugner oder Impfgegner", aber er mache sich so seine Gedanken. Das alles bestätigt und offenbart der 26-jährige Fußballer am Samstag im Interview mit dem TV-Sender Sky, nachdem sein Club den Gegner aus Hoffenheim mit 4:0 besiegt hat. Sein Hauptgrund: "persönliche Bedenken", vor allem "was fehlende Langzeitstudien angeht." Aber was genau meint er damit?

Prof. Dr. Timo Ulrichs ist sich sicher, dass die Wörter Langzeitstudien oder Langzeitfolgen erst noch einmal genauer definiert werden sollten: "Also Langzeit ist auch schon das, was Wochen und Monate nach einer Impfung auftreten könnte, also sehr weit entfernt von dem eigentlichen Ereignis der Impfung." Da müsste man sich dann schon die Frage stellen, ob das wirklich etwas ist, "was durch die Impfung hervorgerufen worden ist – oder eben nicht. Das wird – je länger es dauert – natürlich umso schwieriger."

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Langzeitfolgen stuft der Epidemiologe als sehr unwahrscheinlich ein

Langzeitfolgen sind aber auch bei anderen Impfstoffen, wie zum Beispiel bei denen, die gegen Masern, Mumps, Röteln und Co. eingesetzt werden, immer wieder Thema. Das Problem: Lange vor der Corona-Pandemie seien hier immer wieder Falschinformationen gestreut worden, so Ulrichs. Dass bestimmte Krankheiten oder Entwicklungsstörungen, wie etwa Autismus, mit Impfungen in Verbindung gebracht worden sind, sei schlichtweg falsch und komplett widerlegt worden, wie der Epidemiologie ausführt.

Aber: "Diese Informationen haben sich natürlich in manchen Köpfen eingebrannt", weswegen einige Menschen vermutlich vorsichtiger mit allem umgehen, was mit Impfungen zu tun hat. "Aber es ist ganz klar erwiesen, dass es solche Zusammenhänge nicht gibt. Und es ist sehr, sehr sicher, dass es das auch bei den neuen Corona-Impfstoffen nicht geben wird." Nicht nur diesen Fakt betont Ulrichs ganz klar, sondern auch die Tatsache, dass man "keine Bedenken bezüglich irgendwelcher Langzeitwirkungen" haben muss.

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"Argumente gegen das Impfen gibt es nicht"

"Ich kenne überhaupt weder allgemein irgendwelche Argumente gegen das Impfen, die wissenschaftlich haltbar wären, noch spezifisch jetzt gerade für die Impfung gegen das Coronavirus", erklärt der Epidemiologe im RTL-Interview. "Das ist alles entsprechend gut mit Studien unterfüttert." Sowohl für das Individuum als auch für die Population mache die Impfung durchaus Sinn, als Präventionsmaßnahme sei "Impfen das Mittel der Wahl, gerade bei viralen Erregern, gegen die wir keine Medikamente einsetzen können."

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Was in Zukunft eventuell helfen könnte

Es kann gut sein, dass ein größerer Teil derjenigen, die aktuell auf die Corona-Impfung verzichten, auf einen zugelassenen Totimpfstoff wartet – ähnlich wie er bei der Grippe zum Einsatz kommt. Bisher werden in Deutschland "nur" Impfstoffe gegen Covid-19 verabreicht, die auf Vektor- oder mRNA-Basis aufbauen. "Dass man das Alte, Herkömmliche – auch wenn es nicht so gut ist – mit anbietet, um damit auch die Menschen zu gewinnen, die möglicherweise immer noch skeptisch sind, was mRNA- oder Vektor-Impfstoffe angeht", hält Ulrichs für eine gute Idee. Essenziell dafür sei aber eine gute Aufklärungsarbeit.

Für den Epidemiologen ist eines aber schon jetzt klar: Die mRNA- und Vektor-Impfstoffe werden alles rund ums Impfen revolutionieren. Sie seien sicher, vor allem, weil man gar keinen lebenden Erreger verabreicht, sondern nur einzelne Strukturen und Anteile eines Virus – oder eben nur den Bauplan. Damit seien diese beiden Impfstoff-Typen viel effektiver und genauso harmlos wie ein Totimpfstoff.

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Deshalb muss Joshua Kimmich für seine Aussage Kritik einstecken

Joshua Kimmich FC Bayern München nachdenklich ***DFL and DFB regulations prohibit any use of photographs as image seque
Für Bayern- und Nationalspieler Joshua Kimmich hagelt es nun Kritik.
© imago images/MIS, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Auch wenn jeder Mensch am Ende selbst entscheiden kann, ob die Corona-Impfung für ihn in Frage kommt oder nicht – angesichts der aktuell stark steigenden Infektionszahlen trägt die Impfung einen wesentlichen Teil dazu bei, um sich und andere zu schützen. Auch die angestrebte Herdenimmunität kann nur auf diese Art und Weise erreicht werden.

Bei Joshua Kimmich hagelt es aus mehreren Gründen Kritik: Zum Beispiel weil der Bayern-Star selbst, gemeinsam mit dem Team-Kollegen Leon Goretzka, erst letztes Jahr die Aktion "We Kick Corona" (#wekickcorona) ins Leben gerufen hat. Mit der Spendenaktion soll Geld zusammenkommen, um vor allem soziale Einrichtungen während und nach der Pandemie zu unterstützen. Auf der zugehörigen Webseite wird Kimmich wie folgt zitiert: "Weil die Gesundheit über allem steht, ist jetzt Solidarität im Kleinen wie im Großen notwendig. Jeder kann helfen." In diesem Zusammenhang kommen – auch auf Social Media – Fragen auf, wieso er sich nicht selbst an seinen Leitspruch halten würde.

Zudem sehen viele Joshua Kimmich in einer Vorbildfunktion, die weit über die Fußball-Bundesliga hinausgeht. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält eine Corona-Impfung bei Joshua Kimmich für "wertvoll", er spricht von einer "enormen Symbolwirkung" bei jungen Leuten. Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, geht es besonders um Kimmichs Aussage zu Langzeitfolgen. Sie sagt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: "Es kommt jetzt darauf an, gut aufzuklären, dass es diese Form von Langzeitwirkungen nicht gibt. Dass die Leute jetzt nicht denken, weil er Sorge hat, muss ich auch Sorge haben." Kimmich selbst schließe eine Corona-Impfung in der Zukunft jedoch nicht komplett aus. (vdü)