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Jetzt auch noch in Übersee! Erster Fall von Affenpocken in den USA registriert

Jetzt auch noch in Übersee

Erster Fall von Affenpocken in den USA registriert

Affenpocken sind selten, aber gut an dem signifikanten Ausschlag zu erkennen.
Affenpocken sind selten, aber gut an dem signifikanten Ausschlag zu erkennen. (Symbolbild)
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Nach mehreren Fällen der eigentlich seltenen Affenpocken in Großbritannien , Spanien und Portugal sind diese nun auch in den USA festgestellt worden.

Mann aus Massachusetts an Affenpocken-Virus erkrankt

Die Krankheit sei bei einem Bewohner aus dem US-Bundesstaat Massachusetts im Nordosten des Landes registriert worden, teilte die Gesundheitsbehörde CDC am Mittwoch mit. Die Person sei kürzlich nach Kanada gereist – das Virus sei aber in den Vereinigten Staaten festgestellt worden.

Normalerweise werden Affenpocken über die Luft übertragen. In einigen der kürzlich aufgetauchten Fälle aber gingen die Experten von einer Infektion durch Flüssigkeiten aus, weil es sich bei den Patienten um homosexuelle Männer handelt. Angesichts der Fälle in Großbritannien hatte das Robert Koch-Institut (RKI) zuletzt bereits Ärzte in Deutschland für die Virusinfektion sensibilisiert.

In einem vom RKI veröffentlichten Beitrag heißt es, Affenpocken sollten auch dann bei unklaren pockenähnlichen Hautveränderungen als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden, wenn die Betroffenen nicht in bestimmte Gebiete gereist seien. Affenpocken waren bislang vor allem aus einigen Regionen Afrikas bekannt. Männer, die Sex mit Männern haben, sollten laut RKI bei ungewöhnlichen Hautveränderungen „unverzüglich eine medizinische Versorgung aufsuchen“.

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Affenpocken-Fälle in Großbritannien, Portugal, Spanien, USA und vermutlich auch Kanada

In Großbritannien hatte sich die Zahl der erfassten Fälle der seltenen Erkrankung nach Angaben der Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA) von Montag auf sieben erhöht. Verbindungen zwischen Betroffenen sind nur teilweise bekannt. Teils sei unklar, wo sich Betroffene angesteckt haben. Die Mehrheit der betroffenen Männer soll sich in London angesteckt haben. Die erste Infektion, die Anfang Mai in Großbritannien bekannt geworden war, soll hingegen auf eine Ansteckung in Nigeria zurückgehen.

Auch portugiesische und spanische Behörden meldeten bereits Fälle: In Spanien wurden acht Infektionen in der Hauptstadt Madrid gemeldet, wie die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die Gesundheitsbehörden am Mittwoch berichtete. In Portugal schrieb die Zeitung „Público“ gar von etwa 20 Infizierten.

In Kanada untersuchen Gesundheitsbehörden laut örtlichen Medien rund ein Dutzend Verdachtsfälle. Ergebnisse würden in den kommenden Tagen erwartet. Über einen bestätigten Fall in der Provinz Quebec seien die Behörden informiert worden, berichtete der kanadische Rundfunksender CBC am Mittwochabend (Ortszeit) unter Berufung auf das dortige Gesundheitsministerium. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht.

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Müssen wir uns jetzt Sorgen machen?

Dr. Specht zu Affenpocken-Virus.
Dr. Specht gibt Entwarnung: Hier in Deutschland müsse man sich keine Sorgen machen.

Die Virus-Erkrankung ruft nach Angaben der UKHSA meist nur milde Symptome hervor, kann aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen. Die Pocken des Menschen gelten seit 1980 nach einer großen Impfkampagne weltweit als ausgerottet. Fachleute vermuten, dass der Erreger der Affenpocken in Nagetieren zirkuliert, Affen gelten als sogenannte Fehlwirte. „Infektionen können durch Kontakt mit Sekreten infizierter Tiere übertragen werden“, heißt es im RKI-Bericht. Übertragungen von Mensch zu Mensch durch Kontakte mit Körperflüssigkeiten oder Krusten seien mit Infektionsketten von bis zu sechs Menschen beschrieben. „Auch die sexuelle Übertragung von Pockenviren ist möglich“, hieß es.

„Es besteht kein Anlass, jetzt davor große Angst zu haben, dass wir hier in Deutschland nun plötzlich die Affenpocken bekommen“, beruhigt Allgemeinmediziner Dr. Christoph Specht. Die Affenpocken lassen sich nicht gut übertragen; bei den neu beobachteten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen habe es sich nicht um flüchtige Begegnungen behandelt. „Es braucht schon den direkten Kontakt. Es ist nicht so wie bei Corona, dass ein Aerosol im Raum schweben kann und sich dann jemand noch anschließend infiziert“, versichert der Arzt gegenüber RTL.

„Und es ist auch so, dass eine gewisse Immunität besteht – zumindest bei den älteren von uns. Bei uns war die Pocken-Impfung bis 1976 eine Pflichtimpfung.“ In der DDR galt diese Pflicht sogar bis 1982. „Das heißt: Alle davor Geborenen haben wahrscheinlich einen ganz guten Schutz.“ (dpa/dhe/vdü)