Prozess um tote Sophie N. (23) in Hannover

Ist Patrick S. (35) ein Stalker und Messer-Mörder? Eltern: "Er war immer ein ganz lieber Junge!"

Die 23-jährige Sophie N. ist tot. Die junge Stewardess wurde von ihrem Stalker ermordet.
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17. Juli 2020 - 18:41 Uhr

"Ich habe einen Menschen getötet"

Die 23-jährige Sophie N. hatte einen Traum: Sie wollte Flugbegleiterin bei einer österreichischen Airline werden. Doch aus ihrem neuen Job wurde nichts – vorher wurde sie getötet. Der schreckliche Verdacht: Sie könnte von ihrem Stalker ermordet worden sein, weil sie seine Zuneigung wohl nicht erwiderte. Seit Anfang Juli läuft am Landgericht Hannover der Prozess gegen Patrick S. Am zweiten Prozesstag sagen seine Eltern aus.

"Wir haben ihn sehr liebevoll großgezogen"

Vor Gericht zeichnen die Eltern des Angeklagten ein harmonisches Familien-Bild: Ihr Patrick sei ein liebevoller, ganz normaler Junge gewesen. "Ich habe mit ihm Fahrradfahren geübt", sagt sein Vater aus. Patrick ist ein Einzelkind, macht sein Abitur, geht studieren. Irgendwann verändert sich aber etwas in der Beziehung zu seinen Eltern, bei denen er bis zum Tatzeitpunkt immer noch wohnt. "Er hat sich immer mehr zurückgezogen...Der Zugang wurde weniger, von sich sich aus gar nicht mehr."

"Kannst du mich mal zur Polizei fahren, ich habe eine Frau erstochen"

Patrick habe laut seinem Vater einige Freundinnen gehabt, von Sophie habe der Angeklagte allerdings nichts erzählt. Dann kommt der Tag, der das Leben der Familie aus Dessau wohl für immer verändert haben muss. Patrick sei aus dem Bad gekommen und habe gesagt: "Ich muss dir was erzählen...kannst du mich mal zur Polizei fahren, ich habe eine Frau erstochen." Viel mehr habe der heute 35-Jährige aber nicht gesagt. Während der Vater die Ereignisse dem Richter schildert, bleibt er ruhig und sachlich. Sein Sohn weint auf der Anklagebank.

Tut es ihm doch leid?

Ist Patrick S. doch nicht der eiskalte Killer, den man sich wohl schnell vorstellen könnte, wenn man sich die Anklageschrift durchliest? Denn spätestens im Gefängnis scheint er ernst gemeinte Reue zu zeigen, bittet seinen Vater per Brief, das Grab der Getöteten ausfindig zu machen und dort Blumen abzulegen. "Ich habe jeden Tag geweint, bin völlig am Ende gewesen.. ich kann mit das nicht erklären", sagt der Vater. Er ist selbst schizophren und depressiv, nimmt dagegen aber Medikamente. Auch sein Sohn nimmt im Gefängnis Medikamente, wird auch wieder zum "alten" Patrick. "Da hat er mir so gut gefallen… Er hat sogar gelächelt", beschreibt der Vater einen Besuch.

"Nie im Leben hätte ich das gedacht"

War der Vater vorher noch ruhig und sachlich, fällt es der Mutter von Patrick S. sichtlich schwerer, ihre Aussage zu machen. Auch sie bestätigt, dass ihr Sohn sich verändert habe und früher z.B. mehr Freunde gehabt hätte. Anscheinend sei es ihm zuletzt nicht so gut gegangen. "Er hat gesagt, dass er Alpträume hat und mal zum Arzt müsste." Auch sie kann sich noch gut an den Tag nach der grausamen Tat im Januar erinnern und sagt unter Tränen: "Mein Mann kam mit meinem Sohn hoch und sagte mir, es ist was ganz Schlimmes passiert. Patrick hat jemanden erstochen." Auf die Frage, was passiert sei, sagte Patrick ihr wohl, dass es ihm so leid tue und dass er das nicht gewollt habe. Er habe Halluzinationen gehabt, habe ganz schlimme Sachen gesehen. Vor Gericht kann sie sich nicht vorstellen, was ihr Sohn wirklich getan haben soll: "Nie im Leben hätte ich das gedacht."

Aus Zuneigung wird Stalking - und auch Mord?

Die Geschichte, die mit dem schrecklichen Tod einer jungen Frau endet, beginnt 2017: Da lernt Patrick S. Sophie N. kennen, versucht, eine Beziehung aufzubauen. Doch sie will wohl nicht das Gleiche wie er, will auf freundschaftlicher Ebene bleiben. Da beginnt das Stalking, zeitweise ruft der Angeklagte 164 Mal bei Sophie N. an – an einem Tag!

Im Januar dieses Jahres verschafft sich Patrick S. laut Anklage dann Zugang zur Wohnung der jungen Frau in Hannover, überfällt sie und sticht ihr schließlich mit einem Messer in den Hals. Sophie N. verstirbt unmittelbar. Zwar sagt er bei der Polizei aus – Beim Prozessauftakt Anfang Juli schweigt er aber. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe.