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Ist das DFB-Team verunsichert? Die lauteste Kritik, die Hansi Flick bisher kassierte

Ist das DFB-Team verunsichert?

Die lauteste Kritik, die Flick bisher kassierte

 DFB headcoach Hans-Dieter Hansi Flick , Bundestrainer, Nationaltrainer, in the UEFA Nations League 2022 match ITALY - GERMANY in Season 2022/2023 on Juni 04, 2022 in Bologna, Italy.
Hansi Flick.
www.imago-images.de, IMAGO/ActionPictures, IMAGO

Italien wird zum Schlüsselspiel für die deutsche Nationalmannschaft. Gelingt ein Sieg, werden viele Debatten nach den durchwachsenen Auftritten in der Nations League verstummen. Gelingt er nicht, wird die Kritik lauter. Einen Vorgeschmack bekam der Bundestrainer bereits vor Anpfiff.

Neue Sorgen-Quellwolken ziehen auf

Die Amtszeit von Bundestrainer Hansi Flick verlief bis zum vergangenen Samstag relativ entspannt. Der 57-Jährige durfte für sich beanspruchen, die „dunkle Wolken“ der Joachim-Löw-Ära bei Seite geschoben zu haben. Die Fußball-Nation hatte sich im Eiltempo wieder in die Nationalmannschaft verliebt. Oder zumindest wieder alte Gefühle entdeckt, die irgendwo in den Watutinki-Wäldern im Sommer 2018 verlorengegangen waren. Doch der Samstag hat einiges verändert. Denn aus Ungarn nimmt das Premium-Produkt des DFB mindestens mal ein paar Quellwolken mit.

Und diese Quellwolken nerven den Bundestrainer. Er wartet noch immer auf seinen Sieg gegen eine Top-Nation. Er wäre so gerne schon ein Stück weiter auf dem Weg zurück in die absolute Weltspitze. Er würde gerne andere Fragen beantworten als jene, auf die schon Vorgänger Löw keine Antworten mehr wusste. Denn wenn es nun am Dienstag gegen Italien zum Wiedersehen in der Nations League kommt (ab 20.45 Uhr im ZDF und im Liveticker bei RTL.de ) geht es wieder um das leidige Thema: Wer soll eigentlich ein Tor für Deutschland schießen? Timo Werner? Kai Havertz? Thomas Müller? Lukas Nmecha? Oder vielleicht der Neu-Dortmunder Karim Adeyemi?

Nun, Adeyemi wohl vorerst nicht. Während die Vorfreude auf den schnellen Dribbler von RB Salzburg bei der Borussia groß ist, weist Flick dem Talent in diesen Tagen noch reichlich Arbeit zu. "Ich glaube, dass Karim noch eine Entwicklung machen muss“, sagte der Bundestrainer am Montag in einer DFB- Medienrunde. „Im Moment ist Lukas Nmecha einen Tick vorn, im Training macht er die Abschlüsse sehr gut. Karim muss den nächsten Schritt machen, das kann er bei Dortmund sehr gut."

Lese-Tipp: Das DFB-Team in der Einzelkritik

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Flick weist Kritik an Havertz, Kimmich und Goretzka zurück

Nmecha, gute Abschlüsse – Worte, die Hoffnung machen. Denn weder Werner noch Havertz konnten in den drei bisherigen Partien der Nations League dafür werben, dass sie gefährliche und zuverlässige Abschlussspieler sind. Dass Deutschland ein Stoßstürmer fehlt, das ist bekannt. Dass die Abwesenheit eines Strafraum-Giganten aber ein verdammtes Problem ist, das möchte man sich so offenbar (noch) nicht eingestehen. Ebenso wenig wie taktische Missverständnisse. Dass ein Havertz womöglich nicht wisse, was er genau zu tun habe, kassierte Flick kompromisslos ein.

"Ich sehe gerade bei Kai Havertz keine Unsicherheit“, staunte Flick. „Er ist sehr intelligent, weiß, in welche Räume er muss. Ich finde nicht, dass die Orientierung fehlt, sondern die Zielstrebigkeit, der bedingungslose Wille, den Abschluss zu machen.“ Da würde einfach zu oft eher noch ein Quer- oder Rückpass kommen, statt nachzugehen und den Abschluss zu suchen. „Da gehört die Überzeugung dazu, auch die Frische. Vielleicht ist das nach einer langen Saison auch nicht immer so abrufbar."

Dass es bei der Stammbesetzung im deutschen Maschinenraum, also bei Joshua Kimmich und Leon Goretzka daran mangeln würde, auch diese Kritik wehrte der Bundestrainer mit Vehemenz ab. "Ich habe nicht das Gefühl, dass Joshua Kimmich und Leon Goretzka überspielt sind.“ Erstmals musste sich der 57-Jährige in einer Medienrunde einem Fragenhagel erwehren, der nicht mehr nur von der Leichtigkeit des Seins und Fragen zum deutschen Rätselspieler Leroy Sané getragen wurde.

Ungewöhnlicher Fragenhagel für Flick

So viel kritische Fragen an Flick wie an diesem Montag in Budapest waren selten. Und sie erreichten sogar das Thema WM-Ziel. Ob nicht eine angepasste Zurückhaltung nun guttun würde? Flick reagierte erstaunt, leicht gereizt: "Wenn wir im Viertelfinale wären, wollen wir auch ins Halbfinale. So ist es in Deutschland, und das ist auch gut. Man kann sich Ziele setzen. Vom Selbstverständnis her finde ich die vier Unentschieden nicht gut, wir wollen gewinnen. Wir wollen uns entwickeln in dem Willen, Spiele zu gewinnen, und sie zu entscheiden, wenn es darauf ankommt.“

Doch dafür braucht es eine grundlegende Überzeugung. Die fehlt dem Bundestrainer derzeit bei seinen Spielern, „gerade, wenn wir den Angriff vortragen“. Wenn man offensiv spielt, das fordert Flick von seinen Fußballern, und eine gute Restverteidigung habe, könne man den Gegner direkt unter Druck setzen. Dann habe man die Chance, den Ball früh zurückzugewinnen, in Momenten, in denen der Gegner offen und unsortiert ist. „So wollen wir spielen. Defensive und Offensive haben miteinander zu tun. Eine Grundordnung ist wichtig, eine kompakte Defensive, bei Ballbesitz kurze Wege. Und in der Offensive darf man auch mal Fehler machen, muss dann aber nachsetzen." Der Bundestrainer bemüht sich um Überzeugung. Jene Überzeugung, die seiner Mannschaft in diesem Sommer bislang fehlt. (tno)