RTL News>

Inzidenz, Hospitalisierung, Corona-Zahlen: Wie gefährlich ist die Omikron-Welle wirklich?

Das sagen Inzidenzen, Hospitalisierungsquote und Corona-Totenzahlen aus

Ruhe vor dem Sturm oder ist die Omikron-Welle tatsächlich milder?

ARCHIV - 05.11.2021, Mecklenburg-Vorpommern, Rostock: Im Intensiv- und Überwachungsbereich im Klinikum Südstadt wird eine Patientin von einer Krankenschwester medizinisch versorgt. (zu dpa: "Omikron ist in den Krankenhäusern von MV angekommen") Foto:
Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz stieg zuletzt auf einen neuen Höchstwert von 1206,2. - und doch bleibt die Welle auf den Intensivstationen aus. Bleibt es auch so?
wst axs, dpa, Danny Gohlke

von Kai Stoppel

Ist es die Ruhe vor dem Sturm – oder bleibt tatsächlich die Welle auf den Intensivstationen aus? Die Inzidenzen explodieren förmlich, aber die Intensivstationen laufen noch nicht voll und auch die Zahl der Corona-Toten steigt nicht eklatant. Woran liegt das – und vor allem: Bleibt es auch dabei?

Lese-Tipp: Alle Infos rund um das Corona-Virus und seine Auswirkungen finden Sie jederzeit in unserem Liveticker

Omikron ist anders als die Wellen davor

Obwohl die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland immer neue Höchststände erklimmt, wird paradoxerweise mittlerweile bereits wieder über vollere Fußballstadien und das Ende der 2G-Regel im Einzelhandel diskutiert. Denn die Omikron-Welle, die derzeit über Deutschland schwappt, ist bisher anders als die Corona-Wellen zuvor: Sowohl auf den Intensivstationen als auch in der Todesstatistik bleiben dramatische Folgen bislang aus. Doch bleibt es auch dabei?

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz stieg zuletzt auf einen neuen Höchstwert von 1206,2. Vor einem Dreivierteljahr noch wurde bei einer Inzidenz von 100 regional die "Bundes-Notbremse" mit Sperrstunden und Kontaktbeschränkungen gezogen.

Mittlerweile sind fast drei Viertel der Bevölkerung in Deutschland vollständig geimpft. Zudem dominiert die Omikron-Variante bereits seit Jahresbeginn das Infektionsgeschehen in Deutschland, wie aus dem jüngsten RKI-Wochenbericht hervorgeht. Sie gilt als "milde" Variante - was nicht "harmlos" bedeutet, wie Experten betonen. Studien aus Südafrika und Großbritannien haben jedoch einen deutlich geringeren Anteil an schweren Verläufen im Vergleich zur Delta-Variante ausgemacht.

Die Zwei-Wochen-Regel scheint für Omikron nicht zu gelten

Kommt Deutschland nun auch in den Genuss einer "milden" Welle? Vergleiche mit anderen Ländern sind nicht unproblematisch, denn es gibt Unterschiede bei Impfquoten, Altersstruktur, sonstigen Maßnahmen und Anteil an Genesenen.

Was jedoch sicher ist: Bei den vorangegangenen Wellen folgte in Deutschland auf einen Anstieg der Neuinfektionen im Abstand von grob zwei Wochen eine Zunahme der Covid-19-Intensivpatienten. Derzeit ist ein ähnlicher Trend noch nicht eindeutig auszumachen. Die Zahl der Intensivpatienten legte zuletzt jedoch leicht zu.

Eine ähnliche Entwicklung ist bei den Todesfällen zu beobachten. Rückblick auf Mitte Dezember 2021: Das RKI meldete damals im Schnitt fast 400 Corona-Tote täglich. Etwa zwei Wochen zuvor hatte die Delta-Welle ihren Höhepunkt erreicht. So war es auch bei Alpha im vergangenen April. Und der Welle davor.

Doch diese Zwei-Wochen-Regel scheint für Omikron offenbar nicht mehr zu gelten. Bereits vor mehr als zwei Wochen ließ sie den Höchstwert der Delta-Welle hinter sich. Bis vor einigen Tagen war die Zahl der Toten jedoch gesunken, bleibt seitdem stabil. Doch wie geht es weiter?

Lese-Tipp: Schützt mich eine Omikron-Infektion vor Delta?

In Bundesländern mit geringer Impfquote nimmt Omikron erst Fahrt auf

Ein Unsicherheitsfaktor für Deutschland: Zunächst waren vor allem Bundesländer mit hohen Impfquoten im Norden und Westen von der Omikron-Welle betroffen. Da eine Impfung einen guten Schutz gegen schwere Verläufe bietet, könnte dies der Grund für die bisher vergleichsweise geringen Todesfallzahlen sein. In Bundesländern im Süden und Osten mit geringeren Impfquoten nimmt die Welle jedoch noch an Fahrt auf. Dort ist mit einem höheren Anteil schwerer Verläufe und Todesfälle zu rechnen.

Länder wie Großbritannien, Südafrika und Frankreich verzeichneten letztlich infolge der Omikron-Wellen erkennbar steigende Todeszahlen. In Südafrika erreichte die Zahl der Corona-Toten erst im Januar - etwa einen Monat nach den Neuinfektionen - ihren vorläufigen Höhepunkt. Das Nationale Institut für übertragbare Krankheiten (NICD) in Südafrika hatte immerhin ermittelt, dass die Sterblichkeitsrate während der Omikron-Welle nur maximal 14 bis 15 Prozent von jener der Delta-Welle erreichte.

Hospitalisierungs-Inzidenz zeigt Aufwärtstrend - Wert aber umstritten

Stefan Kluge
Stefan Kluge (Uni-Klinikum Hamburg Eppendorf): "Wir haben jetzt mit Omikron eine wachsende Gruppe von Patientinnen und Patienten, die zwar Sars-CoV-2-positiv sind, bei denen der Aufnahmegrund aber unabhängig davon ist."
deutsche presse agentur

In anderer Hinsicht hinterlässt die Omikron-Welle bereits jetzt deutlich erkennbare Spuren in Deutschland: Die Hospitalisierungsinzidenz, die parallel zu den Daten des DIVI-Intensivregisters ermittelt wird, zeigt zuletzt einen Aufwärtstrend. Vom RKI ermittelt werden mit ihr die Krankenhausaufnahmen von Corona-Infizierten, berechnet pro 100.000 Einwohner. Allerdings gibt sie keinen Aufschluss über die Schwere der Covid-19-Erkrankungen.

So ist die Bedeutung des Anstiegs der Hospitalisierungsinzidenz umstritten. Denn nicht eindeutig unterscheidbar ist, wie viele Covid-19-Fälle "wegen" oder "mit" der Krankheit im Krankenhaus landen. Zu den Meldekriterien für Krankenhausaufnahmen schreibt das RKI, dass ein direkter kausaler Zusammenhang zu Covid-19 zum Zeitpunkt der Meldung noch nicht hergestellt werden müsse. "Dies soll eine niedrigschwellige, zügige und aufwandsarme Meldung gewährleisten." Werde bei Aufnahme jedoch deutlich, dass sie in keinem Zusammenhang mit der Covid-19-Diagnose stehe, etwa bei einem Verkehrsunfall, bestehe keine Meldepflicht.

Doch aus Bremen meldet etwa Bürgermeister Andreas Bovenschulte, dass derzeit nur rund ein Drittel der Corona-Infizierten auf Normalstationen wegen der Infektion im Krankenhaus behandelt würden. In den übrigen Fällen sei der Aufnahmegrund nicht Corona gewesen. Auch vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf berichtet Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin: "Wir haben jetzt mit Omikron eine wachsende Gruppe von Patientinnen und Patienten, die zwar Sars-CoV-2-positiv sind, bei denen der Aufnahmegrund aber unabhängig davon ist. Das berichten auch Kolleginnen und Kollegen aus Hannover und Bremen - und es hat sich zuletzt schon in Ländern wie den USA und Großbritannien gezeigt."

Normalstationen vor großen Herausforderungen

 BPK Lauterbach, Wieler, Drosten 14.01.2022, Berlin, Bundespressekonferenz, Bundesminister für Gesundheit Prof. Dr. Karl Lauterbach, Prof. Dr. Lothar H. Wieler, Präsident Robert Koch-Institut RKI, und Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor Institut fü
Christian Drosten betonte, dass unter den durch Zufall entdeckten Corona-Fällen bei einer Krankenhauseinweisung auch jene Fälle eingerechnet würden, bei denen die Infektion zu einer Verschlechterung der Grunderkrankung führen könnte.
www.imago-images.de, imago images/Frank Ossenbrink, Frank Ossenbrink via www.imago-images.de

Und die steigende Zahl von Covid-19-Patienten auf den Normalstationen belastet die Krankenhäuser ebenfalls. Vorgaben, etwa zum Vorhalten gesonderter Bereiche für Infizierte sowie für Verdachts- und Quarantänefälle mit strikter Zuweisung des Personals, stellten Normalstationen nun vor "immense Herausforderungen", wie Intensivmediziner Kluge schildert. Ihm zufolge müssten die Regeln an die reale Lage angepasst werden.

Der Virologe Christian Drosten betonte zudem, dass unter den durch Zufall entdeckten Corona-Fällen bei einer Krankenhauseinweisung auch jene Fälle eingerechnet würden, bei denen die Infektion zu einer Verschlechterung der Grunderkrankung führen könnte. Das könne man auch in der gegenwärtigen Omikron-Welle beobachten. Es bestehe das Risiko, dass bei Menschen mit Vorerkrankungen sich zunächst nicht unbedingt die klassischen Covid-Symptome bemerkbar machten, sondern eine Verschlechterung des Allgemeinzustands. "Es wäre aber irreführend, in diesen Fällen von einem bedeutungslosen Zufallsbefund von Sars-CoV-2 auszugehen", betonte Drosten.

Noch mehr Videos rund um das Thema Corona - in unserer Video-Playlist

Playlist: 30 Videos

Spannende Dokus zu Corona gibt es auf RTL+

Das große Geschäft mit der Pandemie: Ausgerechnet in einer Zeit, in der jeder um seine Gesundheit bangt, finden Betrüger immer wieder neue Wege, illegal Geld zu machen. Egal, ob gefälschte Impfpässe, negative Tests oder Betrügereien in den Testzentren - die Abzocke lauert überall. Sogar hochrangige Politiker stehen in Verdacht, sich während der Corona-Zeit die eigenen Taschen vollgemacht zu haben. Unsere Reporter haben europaweit recherchiert – die ganze Doku auf RTL+