Wie geht der Staat mit Abschiebungen um?

Illerkirchberg: Verurteilter Straftäter verschwunden

 Ortsschild von Illerkirchberg. Der tödliche Messerangriff in Illerkirchberg hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Ein Asylbewerber hatte zwei Mädchen auf dem Schulweg angegriffen und ein Kind tödlich verletzt. Das zweite Opfer wurde schwer verlet
Ortsschild von Illerkirchberg. Der tödliche Messerangriff in Illerkirchberg hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.
www.imago-images.de, IMAGO/Arnulf Hettrich

Die baden-württembergische Gemeinde Illerkirchberg hat mittlerweile traurige Bekanntheit erlangt. Zuletzt wegen eines Mordanschlages auf zwei Mädchen im Dezember 2022. Doch auch schon davor wurde der Ort in der Nähe von Ulm zum Schauplatz eines Verbrechens. Halloween 2019 wurde eine 14-Jährige in einer Flüchtlingsunterkunft betäubt und von mehreren Männer teilweise mehrfach vergewaltigt. Einer der Männer ist nun verschwunden.

Männer wurden zu Freiheitsstrafen verurteilt

Die vier angeklagten Männer im Alter zwischen 17 und 26 Jahren aus dem Irak und Afghanistan wurden zu Freiheitsstrafen verurteilt. Nach der Haftentlassung mussten die Männer weitere Auflagen erfüllen. Einer der verurteilten Straftäter ist diesen zuletzt nicht mehr nachgekommen und nun verschwunden. Zuvor war bis in die höchsten Politikerränge über die Abschiebung des Mannes diskutiert worden. Wieso musste es soweit kommen?

Mann hat Auflagen nicht mehr erfüllt

Nach seiner Haftentlassung hatte der afghanische Straftäter die Auflage, sich wöchentlich bei der Polizei zu melden und im Donau-Alb-Kreis zu bleiben. Dem kam der Betroffene zuletzt nicht mehr nach, wie das zuständige Regierungspräsidium Tübingen auf Anfrage am Montag mitteilte. Zuvor hatte die „Schwäbische Zeitung“ über den Fall berichtet.

Bei einer Kontrolle sei festgestellt worden, dass er sich nicht mehr in seiner Wohnung aufhalte. „Er wurde daher vom Landratsamt Alb-Donau-Kreis zur Aufenthaltsermittlung ausgeschrieben“, erklärte eine Sprecherin des Regierungspräsidiums. „Die wiederholte Verletzung der Meldepflicht bei der Polizei stellt grundsätzlich eine Straftat dar. Eine Strafanzeige wurde diesbezüglich bereits gestellt“, so die Sprecherin weiter.

Lese-Tipp: Nach Mord an Mädchen (14) in Illerkirchberg: Tatverdächtiger gesteht Messerangriff

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Warum wurde der Mann nicht abgeschoben?

Der Landkreis sowie die Gemeinde Illerkirchberg hatten die Abschiebung des Mannes gefordert. Die Gemeinde war zuletzt wegen einer Messerattacke auf zwei Schulmädchen durch einen Flüchtling aus Eritrea Anfang Dezember in die Schlagzeilen gekommen.
Bürgermeister Markus Häußler (parteilos) hatte erklärt, dass Illerkirchberg gezwungen gewesen sei, den verurteilten Straftäter erneut unterzubringen. „Die eigentliche Lösung wäre die Abschiebung. Die zweitbeste, ihn woanders unterzubringen.“ Das Regierungspräsidium Tübingen hatte vor der Haftentlassung eine räumliche Beschränkung für den Alb-Donau-Kreis erlassen. Eine Unterbringung in einem anderen Landkreis war laut dem Landratsamt deshalb nicht möglich.


Baden-Württembergs Justizministerin Marion Gentges (CDU) hatte sich in einem Brief an Bundesinnenministerin Nancy Faser (SPD) dafür ausgesprochen, dass der Mann nach Afghanistan abgeschoben wird. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte dazu erklärt, dass nach Afghanistan derzeit allein schon technisch nicht abgeschoben werden könne, weil dort unter den gegenwärtigen Bedingungen gar keine Flugzeuge landen könnten. Die Bundesregierung hatte Abschiebungen in das Land aufgrund der Sicherheitslage ausgesetzt. (khe/dpa)

Was meinen Sie, sind Abschiebungen nach Afghanistan gerechtfertigt?

Anmerkung der Redaktion: Ergebnisse unserer Opinary-Umfrage sind nicht repräsentativ.

Politik & Wirtschaftsnews, Service und Interviews finden Sie hier in der Videoplaylist

Playlist: 30 Videos

Spannende Dokus und mehr

Sie lieben spannende Dokumentationen und Hintergrund-Reportagen? Dann sind Sie bei RTL+ genau richtig: Sehen Sie die Geschichte von Alexej Nawalny vom Giftanschlag bis zur Verhaftung in „Nawalny“.

Außerdem finden Sie Dokus zu Politikern wie die persönlichen Einblicke zu Jens Spahn oder zur aktuellen politischen Lage: „Klima-Rekorde – Ist Deutschland noch zu retten?“

Spannende Dokus auch aus der Wirtschaft: Jede sechste Online-Bestellung wird wieder zurückgeschickt – „Retouren-Wahnsinn – Die dunkle Seite des Online-Handels“ schaut hinter die Kulissen des Shopping-Booms im Internet.