Mama Stefanie: "Hätte mit dem Tod enden können"

Hunde-Attacke sieht aus wie ein Haiangriff - Fahrradhelm rettet Fabian (4)

Sachsen: Hund beißt Fabian (4) in den Kopf Mama Stefanie: "Hätte mit dem Tod enden können"
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Mama Stefanie: "Hätte mit dem Tod enden können"
Sachsen: Hund beißt Fabian (4) in den Kopf

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von Konrad Rampelt

Beim Blick auf den völlig zerbissenen Kinder-Fahrradhelm ist Mutter Stefanie S. aus Arzberg-Nichtewitz (Sachsen) völlig entsetzt – und einfach nur froh, dass ihr Sohn Fabian (4) noch am Leben ist. Der Junge ist am Samstag mit seinem Fahrrad unterwegs, als er plötzlich von einem Hund aus der Nachbarschaft angegriffen wird. Im Gespräch mit RTL schildert sie die dramatischen Augenblicke.

Fabians Mutter: "Der Hund ist gezielt auf den Kopf gegangen"

Dabei hatte der Samstagabend doch noch so entspannt begonnen. „Wir hatten Freunde eingeladen zum Grillen, gegen 18 Uhr. Zehn Personen, fünf Kinder. Gegen 19:30 Uhr waren wir fertig mit dem Essen und die Kinder gingen dann spielen. Mein Sohn fragte, ob er Fahrrad fahren darf, schräg gegenüber an den Nachbarn vorbei“, erinnert sich Stefanie S. Die Straße ist verkehrsberuhigt und so fährt der vierjährige Fabian bis an das Nachbargrundstück, wo seine ehemalige Kita-Freundin wohnt. Er stellt das Fahrrad ab und unterhält sich kurz mit dem Mädchen.

Die Nachbarn besitzen acht Hunde. „Aber wir sind nie davon ausgegangen, dass da mal etwas Schlimmes passieren kann“, sagt Fabians Mutter. Doch plötzlich hört sie im eigenen Garten einen Schrei, der ihr bis ins Mark geht. „Das werde ich nie vergessen.“ Es ist der Schrei ihres Vierjährigen.

Wie von der Tarantel gestochen springen Familie und Gäste auf, rennen zum Nachbargrundstück – allen voran Fabians Vater, der noch aus der Ferne schreit: „Geh weg!“

Stefanie S: „Der Hund ist gezielt auf den Kopf gegangen, hat sich regelrecht in den Fahrradhelm meines Sohnes verbissen und ihn wie ein Raubtier hin und her geschüttelt.“ Offenbar war der Hund ohne Probleme über den längst baufälligen Gartenzaun gesprungen. Der vierjährige Fabian hat keine Chance, aus der Situation zu entkommen. Plötzlich verbeißt sich der Shepherd Bullterrier in dem Helm. Auch die Hundehalter des Listenhundes stürmen aus ihrem Haus, doch die Besitzerin hat keine Kraft, ihren eigenen Hund wegzuziehen.

Nur der Fahrradhelm und das intuitiv richtige Verhalten von Fabians Vater retten vermutlich das Leben des Vierjährigen. Die Szenerie ist unübersichtlich, Fabian schreit und der Bullterrier lässt nicht von dem Helm ab. Geistesgegenwärtig greift der Vater dann nach dem Helm und löst den Verschluss. Fabian ist endlich befreit von dem Helm, auf welchen sich der Hund so fixiert hatte. Alles passierte in wenigen Sekunden, erinnert sich Stefanie S. Dann stockt der Mutter im RTL-Gespräch der Atem. „Man möchte sich nicht ausmalen, was da passiert sein konnte, möglicherweise mit dem Tod meines Jungen hätte das enden können.“

Unglaublich: Statt etwa um Entschuldigung zu bitten, beleidigte der Hundebesitzer noch die Familie. „Verpisst euch hier“, soll er gerufen haben. „Wir waren außer von uns vor Wut“, schildert Stefanie S. ihre Gefühlslage von Samstag. Sie alarmierten sofort die Polizei und zur Sicherheit auch einen Krankenwagen.

Fabian wird von einem Hund angegriffen und überlebt - dank Fahrradhelm.
Fabian (4) kommt mit einigen Schrammen und Blessuren sowie mit dem Schrecken davon - dem Fahrradhelm sei Dank!
Thorgauer Zeitung/Privat

"Mama, du musst doch noch dem Helm holen von der Polizei - den wollte der doch zum Spielen“

Bis auf wenige Blessuren kommt Fabian mit dem Schrecken davon. Generell scheint der Junge den Angriff äußerlich gut verkraftet zu haben. „Er hat gesagt: Es war EIN schlimmer Hund.“ Die Familie hoffe nun, dass ihr Junge keine seelischen Folgen davon trägt und nicht denke, dass jeder Hund böse sei. Doch wenige Tage nach dem Vorfall seien sie zuversichtlich: „Wir waren gestern Eis essen und da sind wir einer Familie begegnet, die ebenfalls mit Hund unterwegs waren“, so Stefanie S. Auf diesen habe ihr Sohn zutraulich gewirkt. Und auch sonst scheint Fabian ein aufgewecktes Kerlchen zu sein. Stefanie S.: „Mama, du musst doch noch den Helm holen von der Polizei. Den wollte der doch zum Spielen.“ Die Familie hat Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung erstattet.

Ganz wichtig im Umgang mit Traumata: Der erst vierjährige Knirps versteht zum Glück, dass der Angriff nicht ihm als Person galt. Vermutlich hatte der Hund den blauen Helm als Spielzeug begriffen.

Fabians Helm ist nach dem Hundebiss nicht mehr funktionsfähig.
Dieser Helm soll eigentlich zum Schutz im Straßenverkehr dienen.
Torgauer Zeitung/Privat
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Vor zwei Jahren in Arzberg-Nichtewitz: Hund biss schon einen Hund tot

Doch wie kann es sein, dass ein Listenhund über einen Zaun hüpft und Kinder angreifen kann? Zumal an selber Stelle vor zwei Jahren ein ähnlich schlimmer Vorfall passierte. Seinerzeit ging ein Mann mit seinem Hund die Straße entlang. „Die Hunde sind dann durch ein Loch im Gartenzaun und bissen den Hund tot“, erinnert sich Stefanie S. Damals kristallisiert sich einer der acht Hund als „Problemhund“ heraus. Nach der tödlichen Beißattacke sollte der angeblich abgeschafft werden. Angeblich.

Obwohl es zwei furchtbare Vorfälle gegeben hat, scheint die Einsicht der Hundehalter nicht gegeben zu sein. Acht Hunde zu halten, die augenscheinlich nicht ausreichend gesichert sind, lässt zudem auf eine Überforderung der Besitzer schließen. Das Veterinäramt will jetzt die Situation prüfen. Stefanie S. ist auch mit Bürgermeister Holger Reinboth im Gespräch. Es soll in er Nachbarschaft auch eine Unterschrifteinaktion zur Abschaffung des Hundes gestartet werden.

Eines ist Stefanie S. ganz besonders wichtig: „Wir haben selbst einen Rottweiler zuhause. Nicht jeder Listen-Hund ist auch so gefährlich. Wenn ein Hund gegen den Zaun springt und bellt, ist das schon ok, aber er darf niemals den Zaun überwinden“, so die Mutter. Ihr Hund habe eine entsprechende Zaunvorrichtung, diese sei bei Hunden, die so eine massive Beikraft haben, unumgänglich. Nicht der Hund sei das Problem, sondern vielmehr die verantwortungslose Haltung.