Erstickungsgefahr, Bakterien und Co.

Diese Lebensmittel können für Babys gefährlich werden

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10. Oktober 2019 - 10:14 Uhr

Was die Kleinen probieren dürfen - und was nicht

Was darf mein Baby zu sich nehmen, was verträgt es und was kann sogar lebensgefährlich sein? Das wird nicht erst heiß diskutiert, seit RTL-Moderatorin Angela Finger-Erben anderen Müttern erklärte: Ja, ihr könnt euren Babys Wasser zu trinken geben! Einige Lebensmittel sind für Säuglinge und Kleinkinder allerdings tatsächlich tabu. Welche das sind, erklärt Kinderärztin Dr. Melanie Ahaus.

Achtung: Diese Nahrungsmittel können lebensgefährlich werden

  • Bienenhonig

"Babys unter einem Jahr sollten keinen Honig bekommen", erklärt Dr. Ahaus. Der Grund: "Er kann als Naturprodukt Bakterien enthalten, sogenannte Clostridien. Diese kann das Immunsystem eines Säuglings nicht richtig abwehren, was zu schweren Infektionen führen kann."

  • Roher Fisch, rohe Eier oder rohes Fleisch

Rohe Fleischprodukte wie Mett, Salami oder Teewurst sollten vermieden werden. "Davon würde ich eher abraten, weil die Keimbelastung zu hoch sein kann", so Dr. Ahaus. Bei einem Steak stelle sich außerdem die Frage, ob das Kind das Fleisch ausreichend gut kauen kann.

Speisen mit rohen Eiern, etwa Mousse au Chocolat, oder Sushi sollten ebenfalls nicht gefüttert werden – es besteht die Gefahr einer Salmonellenvergiftung.

  • Nüsse, Rosinen, Weintrauben und ähnliches

"Bei Nüssen und ähnlichen kleinteiligen Lebensmitteln ist die Erstickungsgefahr für Babys sehr hoch", warnt Dr. Ahaus. Denn unter drei Jahren seien die Kaumuskulatur und die Schluckmechanismen bei Kleinkindern noch nicht vollständig entwickelt, zu große Stücke können schnell die Atemwege blockieren.

  • Bonbons und Kaugummi

Abgesehen vom Zuckergehalt verstehen Babys und Kleinkinder das Prinzip von Bonbons und Kaugummi nicht. Auch hier ist die Erstickungsgefahr deshalb zu hoch.

Hat sich ihr Kind verschluckt, zählt jede Sekunde. Wie Sie erste Hilfe leisten, erfahren Sie hier.

Baby isst Zitrusfrüchte
Bei vielen Babys sorgen Zitrusfrüchte für schmerzhafte Folgen.
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Bei diesen Lebensmitteln kann es zu Problemen kommen

  • Stark gewürzte Speisen

Dr. Ahaus rät: "Im ersten Lebensjahr sollte gar nicht gewürzt werden. Auch danach sollten Gewürze, vor allem Salz, sparsam eingesetzt werden, da das Kleinkind sonst schnell auf den typischen Geschmack industrieller Nahrung getrimmt wird."

  • Zucker

"Zucker ist wirklich unser schlimmstes Problem, vor allem bei Kindern. Vermeintliche 'Kinder'-Produkte bedeuten eigentlich nur eins: extra süß, extra fettig." Der Geschmackssinn der Kinder werde darauf geprägt, viel zu süße Lebensmittel zu begehren. Die Folge von zu viel Zucker: Ein hohes Kariesrisiko, Suchtgefahr, Nährstoffmangel, Verdauungsprobleme und mehr. "Deshalb sind wir Kinderärzte auch froh, dass jetzt die Lebensmittelampel eingeführt wird, die einen sehr hohen Zuckergehalt in Produkten anzeigt."

  • Blattsalat

Für kleine Kinder ist er schwer zu kauen. Besser eignen sich gekochte Möhren, ein Stückchen Gurke oder Tomaten.

  • Kohl, Hülsenfrüchte, Lauch

"Hier gibt es keine generelle Empfehlung, die dagegen spricht. Generell gilt: Kinder sollen ab der Zufütterung von fester Nahrung mit sechs Monaten alles probieren dürfen. Der Eisengehalt von Hülsenfrüchten ist sehr hoch, was grundsätzlich positiv ist. Da diese Lebensmittel allerdings eine blähende Wirkung haben, müssen Eltern einfach beobachten, ob das Kind sie gut verträgt", so Dr. Ahaus.

  • Zitrusfrüchte

"Viele Eltern machen die Erfahrung, dass ihr Kind bei zu saurem Obst einen wunden Windelbereich bekommt. Dann sollten Zitrusfrüchte wie Orangen eher gemieden werden", erklärt die Kinderärztin.

Kleinkind bekommt Flasche mit Milch
Kuhmilch für Babys: Ja oder nein?
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Diskussionsthema Kuhmilch

​Vor allem beim Thema Kuhmilch und Milchprodukte sind sich viele Eltern unsicher. "Viele Säuglinge reagieren im ersten Lebensjahr allergisch gegen Kuhmilcheiweiß", erklärt Dr. Ahaus. "Das gibt sich später aber oft wieder". Um festzustellen, ob das eigene Kind Kuhmilch verträgt, müsse man es einfach ausprobieren – allerdings erst ab sechs Monaten. Vorher kann das Baby die tierische Milch noch nicht richtig verarbeiten, da der Darm die enthaltenen Kohlenhydrate noch nicht aufspalten kann. Die Symptome sind etwa Bauchschmerzen und blutiger Durchfall. Ersatzprodukte aus Soja sind allerdings keine wirkliche Alternative: "Hier ist das Allergiepotenzial fast noch höher."

Ab dem 6. Monat können dann Breie gefüttert werden, die mit einem Teil Wasser (am besten abgekochtes Leitungswasser) und einem Teil Milch angerührt werden. Ein ganzes Glas Vollmilch wäre aber zu viel des Guten, so die Expertin. "Milchprodukte wie Joghurt oder Quark sind dafür generell besser verträglich für das Baby, da sie fermentiert sind."

Absolutes No-Go: Vegane Ernährung für Babys

Dr. Ahaus findet klare Worte für Eltern, die ihre Kinder vegan ernähren wollen: "Das ist grob fahrlässig und führt zu schwersten neurologischen Schäden. Bis zum dritten Lebensjahr verdoppelt sich das Gehirn fast in seinem Gewicht. Damit es sich richtig entwickeln kann, benötigt es Vitamin B. Dieses kann aber - anders als bei erwachsenen Veganern - bei Säuglingen und Kleinkindern nicht durch Ergänzungsmittel zugeführt werden. Zeigen die Blutwerte dann Mängel auf, ist es bereits zu spät - denn die Schädigungen sind nicht mehr umkehrbar. So kann es zu schweren geistigen Behinderungen kommen!"