Deutlich längere Überlebenszeit

Hoffnung bei Magenkrebs! Medikament der Biontech-Gründer überzeugt in Studie

Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci
Die Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci sind vor allem durch den Corona-Impfstoff Comirnaty bekannt, forschen aber eigentlich vor allem an Krebsmedikamenten.
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Es gibt neue Hoffnung für Magenkrebs-Patienten: Das ursprünglich aus der Forschung der Biontech-Gründer Özlem Türeci und Ugur Sahin stammende Medikament Zolbetuximab wurde nun in einer Phase-Drei-Studie an Patienten getestet – mit Erfolg: Das Magenkrebsmittel konnte die Überlebenszeit der Betroffenen deutlich verlängern.

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Überlebenszeit der Magenkrebs-Patienten erheblich verlängert

Das Magenkrebsmittel stammt aus der Forschung des Mainzer Pharmaunternehmens Ganymed Pharmaceuticals, das die Biontech-Gründern Özlem Türeci und Ugur Sahin Anfang der 2000er gegründet hatten. 2016 wurde Ganymed an den japanischen Pharmakonzern Astrellas verkauft.

Schon in der 2016 beendeten Phase-2-Studie konnte Zolbetuximab in Kombination mit einer Chemotherapie überzeugen. So verlängerte das Medikament die Überlebenszeit bei den behandelten Patienten im Vergleich zur Standardbehandlung im Schnitt um knapp fünf auf rund 13 Monate.

Wie das „Handelsblatt“ berichtet, verzögerte sich der Abschluss der Phase-Drei-Studie unter anderem durch die Corona-Pandemie. Nun wurde das Medikament erfolgreich von Astellas an 560 Patienten getestet. Es zeigte sich: Zolbetuximab verlängerte sowohl die Überlebenszeit ohne Krankheitsfortschritt als auch die Überlebenszeit insgesamt.

Warum wirkt Zolbetuximab so gut?

Warum Zolbetuximab so erfolgreich wirkt, liegt an daran, dass es an einem Protein namens Claudin18.2 ansetzt. Dieses tritt bei Krebsarten häufig auf und eignet sich darum als potenzielle Zielstruktur, an der Krebsmedikamente angreifen können. Der Vorteil: Gesundes Gewebe wird dabei nicht zu stark beeinträchtigt.

Die Biontech-Gründer Türeci und Sahin waren laut „Handelsblatt“ die ersten, die Claudin18.2 als mögliches Angriffsziel für Krebsmedikamente identifizierten. Seitdem gibt es zwei Dutzend klinische Projekte, die darauf ausgerichtet sind.

Besonders bei Magen- und Speiseröhrenkrebs gilt der Therapiebedarf als sehr hoch. Bisher gibt es nur wenige Medikamente. Eine Operation sei für viele Patienten mit Magenkrebs das wichtigste Behandlungsverfahren, so das Deutsche Krebsforschungszentrum. Je nach Ausbreitung des Tumors komme eine Chemotherapie hinzu, um den Behandlungserfolg zu sichern, seltener eine Bestrahlung.

Laut Experten könnte es erste Zulassungsanträge für Zolbetuximab im kommenden Jahr geben. (akr)