Sieben Stunden im Auto zurückgelassen

Vater ließ kleinen Sohn Cooper qualvoll sterben – kommt er bald aus dem Knast?

Vater ließ Sohn qualvoll ersticken – kommt er aus dem Knast? Der kleine Cooper starb in Hitzeauto
03:42 min
Der kleine Cooper starb in Hitzeauto
Vater ließ Sohn qualvoll ersticken – kommt er aus dem Knast?

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Der kleine Cooper wird nicht einmal zwei Jahre alt. Er stirbt einen qualvollen Hitzetod im Auto, weil sein Vater ihn loswerden wollte: So sieht es das Gericht und verurteilt Justin Ross Harris 2016 für die grausame Tat zu lebenslanger Haft. Doch jetzt wird der Fall überraschend neu aufgerollt, Harris könnte sogar freikommen. Ausgerechnet das schlüpfrige Sexleben des 41-Jährigen spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Vater Justin Ross Harris will Jungen im Auto vergessen haben

Justin Ross Harris
Justin Ross Harris wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.
RTL

Im Sommer 2014 will Justin Ross Harris seinen Sohn morgens zum Kindergarten bringen. Doch dort kommt der Junge nie an. Der Vater will vergessen haben, dass Cooper in seinem Auto saß. "Ich bin zur Arbeit gegangen. Vielleicht habe ich ihn auch nicht gehört, weil er beim Autofahren so schnell einschläft", erklärt Harris. Erst am Nachmittag habe er den 22 Monate alten Jungen entdeckt. Cooper war tot – qualvoll erstickt nach über sieben Stunden in der prallen Sonne.

Sohn tot im Hitzeauto entdeckt: Vater wirkte auf Zeugen theatralisch

Augenzeugen berichten von furchtbaren Szenen auf dem Parkplatz in einem Vorort von Atlanta (US-Bundesstaat Georgia). "Er sprang vom Fahrersitz, holte seinen Sohn aus dem Wagen, legte ihn auf den Beton und versuchte ihn zu reanimieren", erinnert sich ein Mann. "Seine Trauer und seine Schmerzen konnte man spüren", berichtet ein anderer.

Doch weitere Zeugen nehmen die Situation anders wahr, das Bild vom verzweifelten Vater erscheint ihnen unecht. "Er schrie die ganze Zeit: 'Was hab ich getan?'", erzählt eine Frau. "Schon irgendwie dramatisch, wie er die Hände hochriss und ständig in den Himmel guckte." Auch die Polizei glaubt nicht an einen Unfall und nimmt Harris fest.

Justin Ross Harris ging regelmäßig zu Prostituierten

Cooper Harris Tod im Hitzeauto
Der kleine Cooper starb, weil sein Vater ihn in einem Hitzeauto zurückließ.

Ein Überwachungsvideo zeigt, wie Harris in der Mittagspause noch einmal zu seinem Auto geht. Kann es sein, dass er selbst dabei seinen Sohn im Kindersitz nicht bemerkte? Wenige Tage zuvor hatte Harris im Internet nach Informationen darüber gesucht, wie lange es dauert, bis ein Kind in einem überhitzten Auto stirbt: aus Angst davor, Cooper könne so etwas passieren, wie er später der Polizei erzählte.

Harris' Ehefrau und Coopers Mutter Leanna hält zu ihm und sagt im Prozess für ihn aus, doch die Staatsanwaltschaft ist von seiner Schuld überzeugt. Harris habe ein Doppelleben geführt, argumentiert sie: Liebevoller Ehemann und Vater einerseits, sei er auch regelmäßig zu Prostituierten gegangen. Er habe seine Familie aufgeben wollen und Cooper ihm dabei im Weg gestanden.

Gericht in Georgia hebt Urteil wegen Mordes auf

Später verliert auch seine Frau das Vertrauen, sie lässt sich scheiden. Justin Ross Harris wird zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Doch im Juni 2022 – sechs Jahre später – hebt der Oberste Gerichtshof in Georgia das Urteil wegen Mordes überraschend auf. Begründung: Die Jury sei bei ihrer Urteilssprechung befangen gewesen, sexuelle Delikte und seine Affären seien Harris negativ ausgelegt worden.

Der Fall wird neu aufgerollt, das Sexleben des 41-Jährigen darf dabei nicht mehr als Beweis aufgeführt werden. Zunächst sitzt Harris weiter im Gefängnis. Doch vom Vorwurf, seinen Sohn ermordet zu haben, könnte er am Ende sogar freigesprochen werden. (bst)