Spezialeinheit transportierte ihn an die deutsch-niederländische Grenze

Hier wird Reemtsma-Entführer Thomas Drach in den Kölner Knast geflogen

11. Mai 2021 - 16:20 Uhr

Von Ulrich Klose und Timo Steinhaus

Der 1996 als Reemtsma-Entführer bekannt gewordene Thomas Drach ist zurück in Deutschland. Wie RTL erfuhr, wurde der 60-Jährige in einem Helikopter nach Köln geflogen. Ein Amsterdamer Gericht hatte Anfang Mai entschieden, dass Drach an die deutsche Justiz ausgeliefert wird. Er war vor zehn Wochen in der niederländischen Hauptstadt festgenommen worden. Die Ermittler werfen ihm vor, mit Komplizen 2018 und 2019 drei Überfälle auf Geldtransporter in Köln und Frankfurt/Main begangen zu haben.

Spezialeinsatzkommando fuhr Drach nach Goch

Durchsuchungen in JVA Köln
Blick aus einer Zelle in einer Justizvollzugsanstalt. Foto: Oliver Berg/dpa/Illustration
© deutsche presse agentur

RTL-Informationen zufolge wurde Drach zunächst von einer Spezialeinheit in Zivilfahrzeugen hinter die deutsch-niederländische Grenze nach Goch transportiert. Dort musste er in einen "Hummel"-Hubschrauber der NRW-Landespolizei umsteigen, der ihn nach Köln flog. Hier soll ihm der Prozess gemacht werden. RTL-Reporter Ulrich Klose: "Die Polizisten stehen mit Helm und Waffen bereit. Man will kein Risiko eingehen."

Drach wird im Hochsicherheitstrakt der JVA Köln in U-Haft auf seinen Prozess warten. Die nächsten 14 Tage wird er wegen der Corona-Quarantäne keinen Kontakt zu anderen Gefangenen haben. Auch in Zukunft wird er nur ausgewählten Insassen begegnen. Corona-bedingt ist der für 1.200 Gefangene ausgelegte Knast im Moment nur mit 700 Insassen belegt. Falls sich herausstellen sollte, dass Drach suizidgefährdet ist, wird er per Video überwacht werden. In seiner Zelle kann der Verdächtige sogar Fernsehen gucken, muss für das Gerät aber Miete zahlen.

Drach gilt als Berufsverbrecher ohne Skrupel

Thomas Drach wurde von den Niederlanden nach Deutschland ausgeliefert.
Thomas Drach wurde von den Niederlanden nach Deutschland ausgeliefert.
© deutsche presse agentur

Drach gilt als Berufsverbrecher ohne Skrupel. Bei dem Geldtransporter-Überfall am Flughafen in Köln-Bonn im Jahr 2019 soll er ein Maschinengewehr benutzt haben. Bei dem Verbrechen war ein Wachmann durch Schüsse schwer verletzt worden. Noch ist unklar, ob Drach oder einer der Komplizen dafür verantwortlich ist.

Trotz intensiver Fahndung fehlte von den Tätern jahrelang jede Spur. Vor seiner Festnahme soll Drach in Amsterdam in dem Apartment eines Bekannten in einer ruhigen Wohngegend gelebt
haben – ohne dass seine Nachbarn eine Ahnung hatten, mit wem sie Tür an Tür wohnten. Bei einer Verurteilung droht dem 60-Jährigen die Sicherungsverwahrung.

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Drach erst 2013 aus der Haft entlassen

Drach war erst im Herbst 2013 aus der Haft entlassen worden. Er hatte 1996 mit Komplizen den Hamburger Erben der Tabak-Dynastie, Jan Philipp Reemtsma, entführt. Das Opfer wurde nach 33 Tagen wieder freigelassen – gegen umgerechnet rund 18 Millionen Euro Lösegeld. Drach wurde später gefasst und zu vierzehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.