Untersuchungsausschuss Hanau

Vaska Zlateva (Angehörige): "Warum hat man einem psychisch Kranken eine Waffe gegeben?“

03. Dezember 2021 - 20:34 Uhr

Erste öffentliche Sitzung des U-Ausschusses mit Angehörigen

Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov. Sie alle sind am 19. Februar 2020 bei einem rassistischen Anschlag in Hanau ermordet worden. Heute tagt der im vergangenen Juli gebildete Untersuchungsausschuss in Wiesbaden das erste Mal öffentlich. An diesem Freitag sagen Angehörige von Betroffenen der Tat als Zeugen aus. Darunter auch Vaska Zlateva, die Cousine von Kaloyan Velkov und die haben einige Fragen.

Vaska Zlateva (Cousine von Kaloyan Velkov): "Ich vermisse ihn sehr, immer, jeden Tag“

Kaloyan Velkov Opfer des Anschlags in Hanau auf Plakat
In ihren Händen hält Vaska Zlateva das Foto ihres ermordeten Cousins Kaloyan Velkov
© RTL

Vaska Zlateva hat ihren Cousin Kaloyan Velkov beim rassistischen Anschlag in Hanau verloren. Er sei ein glücklicher und intelligenter Mann gewesen. Sie vermisse ihn sehr "immer, jeden Tag", sagt sie uns im Interview. Heute, fast zwei Jahre später, hat sie sich als erste Zeugin vor dem Untersuchungsausschuss im Hessischen Landtag geäußert und ihre Version der Tatnacht und den Tagen danach erzählt.

"Ich war sehr aufgeregt, ich danke den Menschen, dass sie mir zugehört haben", sagt die Bulgarin. "Wir haben viele Fragen und wir erwarten die Antworten", erzählt sie weiter. Mit ihrer Aussage vor dem Untersuchungsausschuss will sie endlich Wahrheit und Gerechtigkeit, das sei für sie und die anderen Angehörigen sehr wichtig. Vaska Zlateva will wissen, warum die Behörden den Anschlag nicht verhindern konnten, schließlich hat der Täter seine Tat vorher im Internet angekündigt? Warum hatte er eine Waffe? Und warum ging der Notruf von anderen Beteiligten nicht durch?

Mahnwache im Gedenken an die Opfer

Angehörige des Attentats von Hanau halten Bilder der ermordeten bei Mahnwache hoch
Angehörige des rassistischen Anschlags von Hanau versammeln sich zur Mahnwache vor dem Untersuchungsausschuss
© RTL

Bereits vor Beginn der ersten öffentlichen Sitzung versammelten sich Angehörige und Betroffene der "Initiative 19. Februar Hanau" zu einer Mahnwache und riefen zur Solidarität auf. Die Anteilnahme ist groß. "Die Angehörigen und Überlebenden (...) haben den Untersuchungsausschuss zu Hanau erkämpft", heißt es in einer Mitteilung der Initiative. "Wir haben in den 21 Monaten gelernt: Ohne Druck lässt sich keine unserer Forderungen durchsetzen. Wir wollen unmissverständlich zum Ausdruck bringen: Unser Kampf für eine lückenlose Aufklärung und für Konsequenzen geht weiter."

Am 19. Februar 2020 ermordete ein 43-jähriger Deutscher in Hanau neun Menschen. Vermutlich erschoss er danach seine Mutter und sich selbst. Laut Bundeskriminalamt hatte der paranoide Täter "eindeutig rassistisches Weltbild".

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Haben die Behörden Fehler gemacht?

Ob und welche Behördenfehler gemacht wurden soll im Untersuchungsausschuss geklärt werden. Dazu werden neben den Angehörigen auch Experten, Einsatzleiter und Innenminister Peter Beuth (CDU) selbst sprechen. Er steht besonders unter Beobachtung. In der Tatnacht kamen Anrufe von Beteiligten bei der Polizei nicht durch, vermutlich wegen veralteter Technik und Unterbesetzung. Innenminister Peter Beuth hatte Anfang Februar 2021 eingeräumt, dass es tatsächlich Engpässe beim Notruf der Hanauer Polizeistation in der Tatnacht gegeben hat. Trotzdem seien die Einsatzbeamten innerhalb von zwei Minuten am ersten Tatort gewesen. Das reicht den Angehörigen aber nicht.

Auch Saadet Sönmez (DIE LINKE) Sprecherin für Migration und Integration fordert endlich politische Konsequenzen und ein Eingeständnis von Peter Beuth (CDU): "Zumindest könnte er sich jetzt mal hinstellen und sagen: Ich habe mich geirrt. Wir haben uns geirrt. Wir haben da versagt. Wir haben polizeilich und in der Betreuung und Unterstützung der Angehörigen versagt. Und dieses Versagen soll er sich eingestehen und sich bei den Menschen ernsthaft entschuldigen."

Bislang sind vier Sitzungstage des Ausschusses angesetzt. Bei allen werden Angehörige wie Vaska Zlateva als Zeugen gehört. Ein Ergebnis wird Ende 2022 erwartet. (mlu)