Vor allem Frauen und Mütter profitieren

Grundrente ab 2021: Wer bekommt wie viel Geld?

12. November 2019 - 9:49 Uhr

Wer bekommt jetzt wie viel?

Über 21 Millionen Rentner gibt es in Deutschland. Ab 2021 sollen viele von ihnen mehr Geld zum Leben kriegen. Statt die Bedürftigkeit zu überprüfen, wird das Einkommen über die Jahre inspiziert. Das Ziel: Geringverdiener müssen künftig nicht mehr zum Sozialamt gehen, wenn sie mindestens 35 Jahre lang gearbeitet haben. Wer bekommt jetzt wie viel Geld? Ist die Altersarmut damit jetzt endlich beendet? Im Video gibt's die Antworten.

Erste Bedingung für den Bezug von Grundrente

Die Grundrente ist ein Zuschlag auf die Rentenansprüche von Niedrigverdiener in Voll- und Teilzeit, die im Alter nur eine geringe Rente bekommen. Davon sind vor allem Frauen betroffen. Sie müssen 35 Jahre lang Arbeit (Voll- oder Teilzeit), Kindererziehung oder Pflege aufweisen. Somit sollen möglichst viele Menschen niedrige Bezüge mit der Grundrente aufbessern. Auch wer knapp darunter liegt, soll die Grundrente bekommen. Details hierzu sind allerdings noch offen. Gezahlt wird eine Grundrente bis zu einem Einkommen plus Rente und Kapitalerträge von

  • 1250 Euro bei Alleinstehenden
  • 1950 Euro bei Paaren

Beantragen muss man die Grundrente nicht. Sie soll automatisch durch die Rentenversicherung berechnet werden. Die nötigen Daten für die Einkommensprüfung sollen von den Finanzämtern kommen.

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Wie wird die Grundrente berechnet?

Die durchschnittliche Rente in Deutschland liegt aktuell bei 1219 Euro, wobei Frauen fast 400 Euro weniger bekommen als Männer. Und in Zukunft soll sich das ändern. Für die Grundrente ab 2021 werden Beitragspunkte angehoben und das Durchschnittseinkommen errechnet. Die Grundrente soll 10 Prozent über der Grundsicherung liegen.

Ein Durchschnittsverdiener bekommt pro Jahr einen Punkt. Für jeden Punkt gibt es derzeit im Westen 33,05 Euro Rente und im Osten 31,89 Euro. Wenn die Entgeltpunkte im Schnitt der 35 Jahre nur zwischen 0,4 und 0,8 liegen, werden diese mit der Grundrente nun auf maximal 0,8 erhöht.

Was bedeutet das zum Beispiel?

Eine Friseurin mit 40 Jahren Lohn auf einem Niveau von 40 Prozent des Durchschnitts kommt im Schnitt auf 0,4 Entgeltpunkte pro Jahr. Die monatliche Rente beträgt 528,80 Euro. Der nach dem  Verfahren berrechnete Grundrenten-Zuschlag liegt bei 404,86 Euro. Insgesamt kommt die Frau dann also auf 933,66 Euro Rente. In vielen Fällen dürfte der Zuschlag aber deutlich darunter liegen.

Zusätzliches Wohngeld zur Grundrente

Zu dem Modell gehört auch, dass Rentner mit Grundsicherung ab 35 Beitragsjahren einen Freibetrag für die Rente von 100 Euro plus 30 Prozent der darüberliegenden Rentenansprüche bis zu einer bestimmten Grenze erhalten. Die Koalition will zudem einen Freibetrag beim Wohngeld im Volumen von etwa 80 Millionen Euro einführen. Die Verbesserung in der Rente soll nicht durch eine Kürzung des Wohngeldes aufgehoben wird.

Schützt die Grundrente vor Armut?

16,8 Prozent aller Rentner sind derzeit von Altersarmut betroffen. Tendenz laut Studien eigentlich steigend. Die Grundrente ab 2021 soll vor allem die Menschen schützen, die 35 Jahre lang gearbeitet haben - Erziehungs- und Pflegezeiten inklusive. Kommt man nicht auf die Jahre, hat man keinen Anspruch auf Grundrente und muss im Alter dann von Sozialhilfe oder wie es heute heißt von Grundsicherung leben und das ist sehr viel weniger Geld.

Für rund 1,5 Millionen Rentner heißt die neue Grundrente mehr Geld im Alter und eine finanzielle Anerkennung dafür, dass sie ein lebenlang geschuftet haben.

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