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Grünen-Chefin Annalena Baerbock über Homeoffice ohne Kita und Schule: "Das ist fatal für Kinder und Familien"

Grünen-Chefin über Homeoffice ohne Kita und Schulen

Annalena Baerbock: "Das ist fatal für Kinder und Familien"

Annalena Baerbock über Homeoffice mit Kindern Parteivorsitzende und Mutter
02:51 min
Parteivorsitzende und Mutter
Annalena Baerbock über Homeoffice mit Kindern

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Aus dem RTL-Hauptstadtstudio

„Mama, ich habe Durst!“ - „Mama, gehen wir auf den Spielplatz?“ - „Mama, wann darf ich wieder in die Kita?“ Spätestens wenn dicke Tränen über Kinderwangen kullern, ist es mit der Konzentration im Home Office vorbei. Oder wenn sich Geschwister lautstark um Kleinigkeiten streiten. Viele Eltern, vor allem Mütter, sind am Rande ihrer Kräfte und sehnen sich geradezu in ihre Büros, ihre Geschäfte oder Werkstätten, eben an ihren Arbeitsplatz zurück. Grünen-Chefin Annalena Baerbock beschreibt ihre Erfahrungen aus dem Homeoffice mit Kindern im Video - und hat klare Forderungen.

Annalena Baerbock über Homeoffice mit Kita-Kind

Baerbock ist Politikerin und Mama von zwei kleinen Mädchen. Ihre neunjährige Tochter geht zur Grundschule, die Fünfjährige besucht die Kita. Vor allem die Kleinste versteht die Welt nicht mehr. Warum kann sie nicht zu ihren Freunden? Nicht mit den anderen Kindern spielen? Dann fragt sie ihre Mutter: Mama, kannst Du bitte machen, dass Corona vorbei ist und ich wieder in die Kita kann?

Solche Momente sind für Annalena Baerbock genauso schwer wie für Millionen anderer Mütter in Deutschland auch: „Man kann nicht dauerhaft im Home Office arbeiten und gleichzeitig ein Kita-Kind beschäftigen. Man kann sie ja nicht acht Stunden vor den Fernseher setzen oder sie stundenlang auffordern, still zu sein. Wir haben zum Glück einen großen Garten, aber was das für Kinder bedeutet, die nicht mal richtig rauskönnen, die keine Geschwister haben oder aktuell nicht mit den Nachbarskindern spielen können - oder wo zuhause die Hütte brennt und Kinder auch Gewalt erfahren. Da merke ich selbst an meinen Kindern, das kann auf Dauer nicht so weitergehen.“

Grüne beklagen Notbetreuungskonzept

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nie lop, dpa, Kay Nietfeld

Natürlich haben die Grünen-Chefin und ihr Mann einen Antrag auf einen Notbetreuungsplatz gestellt, sind aber leer ausgegangen. Das versteht Baerbock sogar, es gibt viele Kinder, die dringender wieder in die Kita müssen als ihre. Aber warum die Politik so unflexibel mit dieser Krise umgeht, das versteht sie nicht.

„Die Corona-Krise hat die Stärken und Schwächen unserer Gesellschaft wie unter einem Brennglas gezeigt und das bedeutet leider auch, dass Bildung, dass die Unterstützung von Familien und Kindern nicht den obersten Stellenwert in unserer Gesellschaft haben. Wenn man sich wochenlang den Kopf über die Voraussetzungen für die Fußball-Bundesliga zerbricht oder über Abwrackprämien, dann heißt das, Kinder fallen hinten runter.“

Baerbock kritisiert falsche Prioritäten

Die 39-jährige Mutter sieht die gesundheitlichen Gefahren für Kinder und Personal, aber sie sieht auch die Möglichkeiten, die es gäbe, zum Beispiel zeitlich geteilte Betreuung. „Dann kommt ein Teil nur vormittags, ein anderer Teil nur nachmittags. Das sind dann nicht die regulären acht Stunden, aber es hilft ja schon, wenn man die Kinder für ein paar Stunden in die Kita bringen kann.“

Oder feste Gruppen, um im Ernstfall nachvollziehen zu können, welche Kinder und Erzieher zusammen waren. Und natürlich Tests für das Personal. Dass Kitas und Grundschulen nicht genauso konsequent wie zum Beispiel Pflegeheime getestet werden, ist für Annalena Baerbock eine „falsche Prioritätensetzung.“

Familien brauchen endlich einen festen Zeitplan

Wie auch immer: so wie es jetzt ist, kann es auf Dauer nicht weitergehen. Kinder, die wochenlang keine sozialen Kontakte haben, leider unter der Situation, sogar dann, wenn sie in intakten Familien leben. Und dann gebe es auch noch die Kinder, für die die Familie kein heiler Ort sei. „Die brauchen staatliche Institutionen wie Kitas und Schulen als Unterstützung. Und deswegen ist es unsere oberste Pflicht, alle Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass diese Kinder wieder in Schule und Kita gehen können.“

Im Video oben erzählt Annalena Baerbock sehr persönlich über ihre Herausforderungen als Parteivorsitzende mit zwei Kindern und wo sie die Gefahren für berufstätige Frauen sieht.