Hundefreunde sind stinksauer

Kleiner Schmetterling vertreibt Dackelklub von Trainingsplatz

30. Juli 2021 - 18:52 Uhr

Für den Naturschutz: Nach über 50 Jahren soll Dackelklub weichen

Mehr als ein halbes Jahrhundert schon trainieren die Mitglieder vom Deutschen Teckelclub 1888 e.V. mit ihren Dackeln auf dem idyllischen Freigelände bei Wiesbaden. Offenbar zum Nachteil des "Wiesenknopf-Ameisen-Bläulings". Der gefährdete Schmetterling ist dort ebenfalls heimisch. Warum der traditionsreiche Hundeverein jetzt weichen soll, sehen Sie im Video.

Ein Schmetterling mit Vorlieben

Großer Wiesenknopf ist Blume des Jahres 2021
Der Große Wiesenknopf. Blume des Jahres 2021 und für den seltenen Ameisen-Bläuling Nahrungsquelle, Wohn- und Kinderstube. Foto: Hermann Timmann/Loki Schmidt Stiftung/dpa/Archivbild
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Dass Dackel auch mal nach Schmetterlingen schnappen, ist bei diesem Konflikt wohl weniger das Problem. Vielmehr ist es der Wiesenknopf, der hier geschützt werden soll. Die seltene Pflanze ist für den Ameisen-Bläuling überlebenswichtig, als Nahrung, Wohn- und Kinderstube. "Wenn es diese Wirtspflanze nicht mehr gibt, gibt es auch den Ameisen-Bläuling an dieser Stelle nicht mehr", erklärt Erik von Lühmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz.

Für die rund 200 Dackelfreunde ist das hart. Bis September müssen die sich eine neue Wiese suchen.

Dackelklub muss Abflug machen - Stadt bietet Hilfe an

Dackel im Sprint
Dackel muss den Abflug machen - Der traditionsreiche Teckelclub 1888 e.V. sucht jetzt ein neues Trainingsgelände in Wiesbaden. Foto: Andrea Warnecke/Archiv
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Dass eine friedliche Co-Existenz von Dackel und Schmetterling nicht möglich sein soll, will noch nicht jedes Vereinsmitglied wahrhaben: "Die Hälfte von dem Gelände würde uns ja schon ausreichen", meint Dackel-Frauchen Kerstin Walter, "wenn man den unteren Teil für die Schmetterlinge lässt und den oberen für die Hunde, wären alle glücklich."

Doch die Stadt Wiesbaden bleibt hart: Das Trainingsgelände ist Teil einer sogenannten FFH-Fläche, das steht für Fauna-Flora-Habitat, wo der Tier- und Pflanzenschutz absoluten Vorrang hat. Immerhin bietet die Stadt dem Verein an, bei der Suche nach einem Ersatzplatz zu helfen. Aber Achtung, mahnt Vereinsmitglied Ingeborg, der Dackel sei ein "Erdhund". Da brauche es eine Umzäunung, durch die sich ein Dackel nicht durchwühlen könne.

Und der Wiesenknopf- Ameisen-Bläuling? Möge der hübsche Falter sich dankbar erweisen und fleißig vermehren. Dann wäre Opfer der Dackelfreunde nicht umsonst.

(mva)