Was läuft dort anders als in Deutschland?

Großbritannien impft weiter mit AstraZeneca

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Die Briten stehen "ihrem" Impfstoff positiv gegenüber.
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Großbritannien ist Impf-Europameister

Lange war Großbritannien das Sorgenkind Europas, was die Corona-Pandemie betrifft: Rund 127.000 Menschen sind auf der Insel bereits an Covid-19 gestorben. Über Monate fehlte im vergangenen Jahr vor allem Schutzkleidung für Krankenhauspersonal, so dass viele sogar kurzzeitig Müllsäcke zu Kitteln umfunktionieren mussten. So schlecht die Regierung damals die Briten durch die Krise geführt hat, steht heute fest: Sie hat daraus gelernt - zumindest, was die Impfstrategie angeht.

Über 30 Millionen Briten haben inzwischen die erste Dosis der Coronaimpfung bekommen - das sind fast 50 Prozent der Bevölkerung. Der Plan von Premierminister Boris Johnson ist, bis Juli alle Erwachsenen zumindest mit der ersten Spritze versorgt zu haben. Was dabei hilft, ist die Akzeptanz der Impfstoffe in der Bevölkerung. Laut einer YouGov Umfrage von Januar, wollen sich 80 Prozent der Briten gerne gegen Covid-19 impfen lassen - der zweithöchste Wert weltweit.

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5 Fälle von Sinusvenenthrombose - Zusammenhang nicht bewiesen

Obwohl der landeseigene Impfstoff von AstraZeneca ( der ab jetzt Vaxevria heißt) in Europa und inzwischen auch weltweit immer wieder in die Kritik geraten ist, stehen ihm die Briten positiv gegenüber, was auch an der Vermarktung liegen mag: Premierminister Boris Johnson zum Beispiel ließ sich mit dem Impfstoff aus Oxford impfen. Und das obwohl auch hier fünf Fälle der Sinusvenenthrombose aufgetreten sind. Die Britische Aufsichtsbehörde für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte (MHRA) berichtete, dass nach den 11 Millionen Dosen AstraZeneca, die bis Mitte März verimpft wurden, bei insgesamt fünf Männer die seltenen Blutgerinnsel entdeckt wurden. Die Patienten sollen alle zwischen 19 und 59 Jahre alt sein, einer ist an den Folgen der Sinusvenenthrombose gestorben.

Da weder bewiesen noch ausgeschlossen werden konnte, inwiefern diese Blutgerinnsel mit der AstraZeneca-Impfung zusammenhingen, entschied man sich in Großbritannien dazu, den Impfstoff weiter zu benutzen. „Die Oxford-Impfung ist sicher und die Pfizer-Impfung ist sicher. Was nicht sicher ist, ist die Ansteckung mit COVID. Deshalb ist es so wichtig, dass wir alle unsere Impfungen bekommen, sobald wir an der Reihe sind“, sagt Premierminister Boris Johnson in einer Pressekonferenz. Und er bekommt Unterstützung von MHRA: June Raine, Chief Executive der Aufsichtsbehörde, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es gebe "keine Hinweise darauf, dass Blutgerinnsel in den Venen häufiger auftreten, als ohne Impfung zu erwarten wäre, für beide Impfstoffe“.

Lese-Tipp: Was passiert bei einer Thrombose?

Mögliche Nebenwirkungen werden ständig untersucht

Raine sagte weiter, dass es eine sehr kleine Anzahl von Berichten über eine extrem seltene Form von Blutgerinnseln in den Hirnvenen (Sinusvenenthrombose, oder CSVT) gegeben habe, die zusammen mit erniedrigten Blutplättchen kurz nach der Impfung auftraten. Dies werde weiterhin überprüft. „Angesichts der extrem seltenen Häufigkeit des Auftretens dieser CSVT-Ereignisse unter den 11 Millionen Geimpften (mit AstraZeneca) und da ein Zusammenhang mit dem Impfstoff nicht bewiesen ist, überwiegt der Nutzen des Impfstoffs bei der Verhinderung von COVID-19, mit dem damit verbundenen Risiko von Krankenhausaufenthalten und Tod, weiterhin die Risiken möglicher Nebenwirkungen", sagte sie Reuters.

Mit der sogenannten Yellow Card Scheme sollen mögliche Nebenwirkungen sowohl des AstraZeneca Impfstoffes, als auch des Pfizer/Biontech Impfstoffes überwacht und untersucht werden. Jede Kleinigkeit wird hier gemeldet. In Verbindung mit dem AstraZeneca-Impfstoff wurden bis Mitte März 78.223 Vorfälle gemeldet, für Pfizer/Biontech nur 38.084. Diese Meldungen werden nun untersucht, um Verbindungen mit den Impfstoffen auszuschließen oder zu bestätigt.