Erst behauptete er, Einbrecher hätten seine Frau getötet

Caroline C. (✝20) im Schlaf getötet - Fitness-Tracker überführt Ehemann (33)

22. Juni 2021 - 9:51 Uhr

Irre Wendung im Fall der ermordeten Caroline C.

Caroline C. (†20) schlief um 04:01 Uhr am Morgen des 11. Mai tief und fest, als ihr Fitness-Tracker plötzlich Aktivitäten aufzeichnete. Es war der Moment, in dem ihr Ehemann Babis A. (33) ihr Gesicht ins Kopfkissen presste. So lange, bis die junge Mutter nicht mehr atmete, ihr Herzschlag stoppte. Der Grieche wurde auf der Trauerfeier zu Ehren seiner Frau festgenommen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er alle Welt glauben lassen, Einbrecher hätten Caroline getötet – doch Handy, Smartwatch und die Speicherkarte der Überwachungskamera enthüllten sein perfides Lügenkonstrukt und brachten ans Licht, was an jenem Tag wirklich geschah.

Frei erfunden: Ehemann denkt sich Horror-Überfall aus

Es klingt wie ein Horror-Thriller: Am 11. Mai wurden die 20-jährige Britin Caroline C., ihr Ehemann Babis A. und das gemeinsame Baby angeblich Opfer eines Raubüberfalls. Drei Männer hätten die Familie in ihrem Haus im Athener Vorort Glyka Nera überfallen, um an rund 11.500 Euro zu gelangen, die nach Aussage des Mannes dort deponiert gewesen sein sollen. Sie hätten eine Pistole auf das Baby gerichtet und Geld und Wertgegenstände gefordert, so erste Berichte. Anschließend sollen die Angreifer den 33-Jährigen im Erdgeschoss gefesselt haben, während Caroline und ihr Baby in den ersten Stock gegangen seien. Dort hätten die Männer die 20-Jährige vor den Augen ihrer elf Monate alten Tochter Lydia erwürgt.

Nun ist klar: Der Autor dieses Thrillers ist Babis A. Er hat die Überfallgeschichte inszeniert, sogar den Familienhund, einen sieben Monate alten Huskywelpen, getötet und mit der Leine am Treppengeländer aufgeknüpft, um sie glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Der Familienvater mimte den trauernden Witwer, umarmte auf der Trauerfeier noch Carolines Mutter Susanna, hielt eine tränenreiche Rede. Dabei hatte er in Wahrheit selbst seine Ehefrau umgebracht und anschließend der Polizei die Horror-Story aufgetischt. Doch die Rechnung machte er ohne die Ermittler – und ohne die zahlreichen technischen Devices im Haus.

Drei Beweise überführen den Täter

Caroline Crouch und ihre kleine Familie.
Caroline Crouch und ihre kleine Familie.
© Instagram, _carolinecrouch_

Die Inszenierung von Babis A. flog auf, weil ihm gleich drei Spuren zum Verhängnis geworden sind: So zeichnete sein Mobiltelefon zu einer Zeit Schritte auf, als der Hubschrauberpilot nach eigener Aussage gefesselt hätte sein müssen. Ein weiteres Indiz lieferte die Speicherkarte der Überwachungskamera: Sie wurde um 1.20 Uhr nachts entfernt – die angeblichen Täter sollen allerdings erst Stunden später eingebrochen sein. Der dritte Beweis, mit dem die Polizei Babis A. konfrontierten: Daten von Carolines Fitness-Tracker zeigen, dass ihr Herzschlag eine ganze Stunde vor dem Zeitpunkt stoppte, den der 33-jährige als Tatzeitpunkt angegeben hatte.

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Carolines kleine Tochter wächst ohne ihre Mutter auf.
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© Instagram, _carolinecrouch_

Am Donnerstag hatte die Polizei die schockierende Wendung in einer öffentlichen Erklärung verkündet: "Der Täter ist ihr 33-jähriger Ehemann, der die Tat gestanden hat." Nach mehr als acht Stunden Verhör auf dem Athener Polizeipräsidium durch die Mordkommission habe er alles zugegeben und laut "Sun" als Motiv einen Ehestreit angeführt. Caroline, die für Babis A. als Teenagerin von Alonnisos nach Athen gezogen war, habe ihn verlassen wollen. Der Streit sei eskaliert: "Sie hat mich geschubst und geschlagen. Mein Urteilsvermögen war getrübt. Ich habe sie erwürgt und dann den Raub inszeniert", soll er behauptet haben.

Doch auch diese Version entspricht nicht der Wahrheit. Babis A. hat inzwischen gestanden, dass seine Frau schlief, als er sie heimtückisch erstickte. Das geht aus den Verhörprotokollen der Polizei hervor. "Ich habe ihr Gesicht, Mund, Nase und Augen ins Kissen gepresst. Ich glaube, ich habe ihren Kopf mit dem Gewicht meines Körpers reingedrückt", habe er laut "DailyMail" ausgesagt. "Das muss ungefahr fünf Minuten gedauert haben, bis ich merkte, dass Caroline sich nicht mehr bewegt. Dann bin ich in Panik geraten."

Ein Ermittler sagte der Nachrichtenseite zufolge, die Auswertung ihrer Pulswerte habe tatsächlich ergeben, dass sie um 4.01 Uhr schlief, bevor der Fitness-Tracker plötzlich einen heftigen Anstieg der Herzaktivität registrierte. Zehn Minuten Kampf. Um 04:11 Uhr zeichnete die Smartwatch keinen Puls mehr auf. Carolines Herz hatte aufgehört zu schlagen. Die Tat hatte der 33-Jährige vielleicht sogar von langer Hand geplant. Immerhin hatte er die Speicherkarten der Überwachungskameras schon Stunden zuvor entfernt. Tagebucheinträge der jungen Mutter sollen laut Polizei zudem belegen, dass es zwischen den Eheleuten oft Streit gegeben hatte, dass Caroline schon während der Schwangerschaft mit Baby Lydia darüber nachgedacht habe, ihn zu verlassen. Ein mögliches Motiv für die Wahnsinnstat.

Ehemann wird bei Trauerfeier zum Verhör abgeholt

Carolines kleine Tochter wächst ohne ihre Mutter auf.
Caroline lernte Babis als Teenagerin kennen. Für ihn zog sie nach Athen und bekam dort die gemeinsame Tochter.
© Instagram, _carolinecrouch_

Als die Hinterbliebenen auf der griechischen Insel Alonnisos gerade eine Trauerfeier zu Ehren von Caroline abhielten, holte die Polizei Babis A. für das Verhör ab. Hier zeigte sich noch einmal die Kaltblütigkeit des Piloten, wie ein Polizist der "Sun" erzählte: "Er war ein exzellenter Schauspieler. Als er sich auf Alonnisos verabschiedete, umarmte er Carolines Mutter und sagte ihr, dass er nach Athen fahren müsse, um dort einen Verdächtigen zu identifizieren."

37 Tage dauerte das Schauspiel des Babis A., nun endlich konnte die Polizei diesen erschütternden Fall aufklären und demnächst wird ein Gericht den Fall zu verhandeln haben. Vorher aber muss der Richter noch entscheiden, ob die kleine Lydia zu den Eltern ihrer Mutter auf Alonnisos oder ihres Vaters in Athen kommt, oder in einer Pflegefamilie untergebracht wird.

"Ich wollte nie lügen", sagte Babis A. aus. "Ich habe getan, was ich getan habe, um einer Festnahme zu entgehen und meine Tochter zu beschützen." In einem ersten Statement, das er über seinen Anwalt Alexandros Papaioannidis veröffentlichen ließ, heißt es: "Meine Sorgen gelten unserem Kind Lydia. Ich sende gute Wünsche an unsere Familien. Ich bin am Boden zerstört wegen allem, was ich getan habe. Ich habe es mit meinem Kind im Hinterkopf getan."

(nfi/ cwa)

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