Wie groß ist die Gefahr für Deutschland?

Gesundheitsminister Jens Spahn zu Coronavirus: "Kein Anlass zu Unruhe oder unnötigem Alarmismus"

23. Januar 2020 - 18:11 Uhr

Coronavirus: Jens Spahn über Gefahr für Deutschland

18 Tote, 634 Infizierte allein in China - das ist die bisherige Bilanz des Coronavirus, der wohl eine neuartige Lungenkrankheit verursacht. Die Zahlen versetzen die ganze Welt in Alarmbereitschaft, auch in den USA wurde schon ein Fall gemeldet. An ersten Flughäfen wurden bereits Fieberkontrollen eingeführt. Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn besteht aber derzeit in Deutschland "Kein Anlass zu Unruhe oder unnötigem Alarmismus", wie er im RTL-Interview am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos sagte. Das Interview - in unserem Video.

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Das Virus als solches sei nach bisherigem Wissensstand keiner, der sich sehr schnell nur über die Luft übetrage, so Spahn. Außerdem habe sich die internationale Zusammenarbeit im Bezug auf Gesundheitssicherheit sich seit SARS oder auch dem Ausbruch von Ebola deutlich verbessert, sagte Spahn. Man sei mit den Behörden in den betroffenen Ländern in gutem Kontakt und wisse, wo es Infektionsgeschehen gebe.​

Coronavirus stammt offenbar von Fisch- und Geflügelmarkt in China

Auch Experten wiegeln ab: Von einer wirklichen Gefahr für Deutschland könne man nicht sprechen. "Ich glaube, wir werden noch eine ziemliche Ausbreitung über die Kontinente sehen, aber eher in Einzelfällen. Ich glaube, dass wir uns keine großen Sorgen machen müssen wegen einer Pandemie oder dass wir in Deutschland die Häuser nicht mehr verlassen können", so Virologe Dr. Markus Frühwein.

Wie sich das neue Coronavirus genau überträgt, ist wie bei allen neuen Krankheiten am Anfang schwer zu sagen, erklärt René Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts. Vermutet wird eine Übertagung wie bei anderen Coronaviren (z.B. auch SARS oder MERS) vom Tier auf den Menschen. Bei dem aktuellen Coronavirus ist darüber hinaus bereits eine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen worden. Übertragen wird das Virus vermutlich über Tröpfchen. Auch Händeschütteln ist darum ein möglicher Übertragungsweg.

Zuerst tauchte das Virus in der chinesischen Stadt Wuhan auf. Offenbar hatten sich Menschen auf einem Fisch- und Geflügelmarkt an Tieren angesteckt. Von dort hat sich das Virus schnell überregional verbreitet. Das Virus kann zu schweren Atembeschwerden, Lungenentzündungen und hohem Fieber führen. Bisher können die Experten nicht einschätzen, in wie viel Prozent der Fälle die Lungenerkrankungen tödlich verlaufen. Die bisherigen Todesopfer sollen offenbar schon vor der Infektion schwer krank gewesen sein.