Geimpft, aber Risiko-Kontakt: Was nun?

Nach Flug im Corona-Flieger: RTL-Reporter muss in Quarantäne - für 47 Minuten

Geimpft, aber Risikokontakt
Geimpft, aber Risikokontakt
© Marc Chmiel

24. Juli 2021 - 12:53 Uhr

Corona-Warn-App sieht rot

von Marc Chmiel

Plötzlich leuchtet die Corona-Warn-App rot: Risikokontakt. Kurzer Schock, dann viele Fragen. Denn Ende Juni wurde ich zum zweiten Mal geimpft, den vollen Impfschutz habe ich seit rund 10 Tagen. Was bedeutet also die Warnung für mich? Ein Erfahrungsbericht.

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Corona-Warn-App: Ja, sie lebt noch!

Eines vorweg: Eine Sorge habe ich die ganze Zeit über nicht, nämlich schwer zu erkranken. Zu wissen, dass ich dank der Impfung selbst bei einer Ansteckung glimpflich davonkomme, ist echt ein gutes Gefühl. Die Fragen die sich mir stellen sind eher: Muss ich trotzdem in Quarantäne? Darf ich noch ins Büro? Muss ich das Gesundheitsamt informieren? Könnte ich mich infiziert und jemand anderes angesteckt haben? Aber der Reihe nach.

Um kurz vor Mitternacht bekomme ich eine Push-Nachricht von der Corona-Warn-App aufs Handy. Von der App also, von der ich rund ein Jahr lang gar nicht sicher war, ob sie überhaupt noch lebt, weil sie schon ewig keine Kontakte mehr angezeigt hat. Ja, sie lebt noch. Sie leuchtet rot und zeigt eine "Begegnung an 1 Tag mit erhöhtem Risiko" an. Der genaue Tag steht dabei: 18.7. Da bin ich aus dem Mallorca-Urlaub zurückgekommen. Nach kurzem Überlegen bin ich mir sicher: Längeren Kontakt zu anderen Personen hatte ich hier nur auf den 2,5 Stunden Flug. Was heißt das jetzt für mich?

Die App sagt mir, ich soll zu Hause bleiben und mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen Personen halten. Im Netz lese ich, dass ich bei vollem Impfschutz nicht in Quarantäne muss. Trotzdem soll ich mögliche Symptome im Blick behalten. Auch eine symptomlose Infektion ist nicht ausgeschlossen, deshalb weiter Vorsicht. Toll, gerade eben noch, hatte ich mehrere Personen drinnen getroffen. Kein gutes Gefühl vorm Schlafen gehen.

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Am nächsten Morgen führt der erste Weg gleich zum Testzentrum. Was in den letzten Monaten eher lästige Pflicht war, wird plötzlich wieder spannend. Ich aktualisiere die Mails mehrfach, dann kommt das Ergebnis: negativ. Schon mal eine Erleichterung. Inzwischen fühle ich mich relativ sicher: Ich bin geimpft, ich bin symptomlos, ich habe im Flugzeug dauerhaft eine FFP2-Maske getragen und beim Einchecken wurde mein Impfstatus genau überprüft, es sollten also eigentlich nur Geimpfte, Getestete oder Genesene an Board gewesen sein. Ich bespreche mit meinem Arbeitgeber, dass ich bis zum Wochenende trotzdem erstmal im Home-Office bleibe, sicher ist sicher.

Erst am Vormittag kommt mir der Gedanke: Die Fluggesellschaft weiß nicht, dass ich die Warn-App besitze, müsste ich nicht informiert werden, wenn im Flieger jemand krank war? Da ich aus einem Risiko-Gebiet komme, musste ich bei der Einreise meine Flugnummer und meinen Sitzplatz angeben. Als dann mittags eine unbekannte Nummer auf meinem Handy anruft, bin ich mir schon sicher, wer dran ist: das Gesundheitsamt Berlin.

Offenbar wurden gleich zwei Passagiere positiv getestet, sie saßen in meiner Nähe, ich gelte damit als Kontaktperson und muss für zwei Wochen in Quarantäne, auch wenn ich eine FFP2-Maske getragen habe. Als ich sie hektisch unterbreche, dass ich vollen Impfschutz habe, wirkt auch die freundliche Dame am Telefon erleichtert. Das verkürze die Sache natürlich. Eine Mail mit Quarantäne-Anordnung müsse sie mir trotzdem schicken. Ich könne aber meinen Impfnachweis zurücksenden, dann würde sie die Quarantäne wieder aufheben. Auf die Frage, ob ich sonst noch irgendetwas beachten müsse, heißt es: In den nächsten Tagen den Kontakt zu ungeimpften Risiko-Gruppen vermeiden und ansonsten natürlich Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen beachten.

Das System funktioniert

Um 13:10 Uhr kommt die Mail, ich befinde mich damit offiziell in behördlich angeordneter Quarantäne. Ein komisches Gefühl. Außerdem erfahre ich weitere Details: "Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt eine Kontaktpersonennachverfolgung für alle Personen, die in derselben Reihe sowie zwei Reihen vor und hinter dem COVID-19-Fall gesessen haben". Na toll, mal wieder Pech gehabt mit den Sitznachbarn. Auch ein Enddatum für meine Isolation steht drin: 14 Tage nach dem Kontakt, also am 1.August.

Ich schicke eine Mail mit meinem Impfnachweis und warte. Nach 47 Minuten dann die Antwort: Im Betreff steht "Keine Quarantäne bei adäquater Impfung". Damit bin ich jetzt erstmal fein raus.

Die nächsten Tage werde ich mich trotzdem täglich testen lassen, so richtig wohl fühle ich mich noch nicht. Erstaunt bin ich , wie gut und schnell alle Nachverfolgungsmaßnahmen laufen. Die Warn-App, die Übermittlung von der Fluggesellschaft zum Gesundheitsamt, auch die Kontrolle am Check-In, das alles wird noch wichtig werden, um Verbreitung möglicher Virusmutationen durch Reiserückkehrer zu verhindern, da ist es gut zu wissen, dass der Schutz gut funktioniert. Genauso wie der Schutz durch die Impfung. Denn ohne säße ich jetzt nicht nur zwei Wochen zu Hause fest, ich wäre wahrscheinlich auch noch krank.

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