Eine Fläche, so groß wie das Saarland!

Gegenoffensive mit Erfolg - Ukraine erobert Teile des Landes zurück

: Ukrainian President Volodymyr Zelenskyy
Ukrainischer President Volodymyr Zelenskyy
www.imago-images.de, IMAGO/ZUMA Wire, IMAGO/Sarsenov Daniiar/Ukraine Preside

In nur wenigen Tagen erobert die Ukraine im Osten des Landes eine Fläche größer als das Saarland zurück. Kiew will jetzt schnell weitere Waffen und Panzer von verbündeten bereitgestellt bekommen, um den Druck hoch zu halten.

Ukraine verzeichnet Erfolge mit Gegenoffensive

Das ukrainische Militär hat mit seiner Gegenoffensive im Osten des Landes Erfolg. Der ukrainische Generalstab meldete umfangreiche Geländegewinne. Sechseinhalb Monate nach dem Einmarsch in den Nachbarstaat ließ Moskau seine Einheiten einen Großteil der ukrainischen Region Charkiw an der Grenze zu Russland räumen, wie das russische Verteidigungsministerium auf Karten zeigte. Unter dem Eindruck der Verluste werden in Moskau auch Stimmen nach Gesprächen mit der Ukraine laut. Russland lehne Verhandlungen nicht ab, sagte Außenminister Sergej Lawrow.

Zugleich fordert die Ukraine vom Westen weiter Panzer und Waffen, um den Druck auf die russischen Truppen hoch zu halten. Außenminister Dmytro Kuleba unterstrich nach einem Treffen mit Amtskollegin Annalena Baerbock (Grüne) in Kiew, dass deutsche Leopard-2-Panzer dringend benötigt würden. Baerbock äußerte sich bei ihrem zweiten Überraschungsbesuch in dem Kriegsland zunächst zurückhaltend. Andere führende Politiker von SPD und FDP sprachen sich für mehr Lieferungen, etwa den Panzer Leopard 2, aus.

Russische Armee räumt Großteil des Gebiets Charkiw in der Ostukraine

Moskaus Truppen zogen sich komplett auf eine Linie hinter die Flüsse Oskil und Siwerskyi Donez zurück, wie das russische Verteidigungsministerium berichtete. Kommentiert wurde der Rückzug nicht. Zuvor war von einer „Umgruppierung“ die Rede, um die Einheiten im Donezker Gebiet zu verstärken. Anfang der Woche hatte die russische Armee noch etwa ein Drittel des Charkiwer Gebiets kontrolliert. Der ukrainische Generalstab bezifferte die Geländegewinne nun auf mehr als 3000 Quadratkilometer - eine Fläche deutlich größer als das Saarland. Zuletzt hatte Russland rund 125 000 Quadratkilometer besetzt gehalten - das ist etwa ein Fünftel des ukrainischen Staatsgebietes inklusive der Halbinsel Krim.

Russische Truppen zogen sich ukrainischen Angaben zufolge auch aus Teilen des südlichen Gebiets Cherson zurück. Unabhängig überprüft werden konnten diese Angaben nicht. Von russischer Seite gab es dazu zunächst keine Reaktion.

Am Sonntagabend berichteten ukrainische Medien, dass Russland nach dem Teilrückzug kritische Infrastruktur des Nachbarlandes beschossen habe. In mehreren Regionen seien Orte ohne Strom. Über Probleme bei der Strom- sowie bei der Wasserversorgung berichteten unter anderem Politiker im Gebiet Charkiw. „Das ist eine abscheuliche und zynische Rache des russischen Aggressors für die Erfolge unserer Armee“, schrieb der Bürgermeister der gleichnamigen Gebietshauptstadt Charkiw, Ihor Terechow, auf Telegram.

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Gegenoffensive macht monatelangen russischen Vormarsch wett

Mit ihrer erst zu Wochenbeginn gestarteten Gegenoffensive hat die Ukraine laut US-Experten innerhalb von fünf Tagen mehr Gelände zurückgewonnen als die russischen Truppen seit April besetzt haben. „Die Befreiung von Isjum wird der größte militärische Erfolg der Ukraine seit dem Sieg in der Schlacht vor Kiew im März“, urteilte das Institute for the Study of the War (ISW) in einer Lageanalyse. Damit sei der von Russland geplante Vormarsch auf den Donbass von Norden her gescheitert, meinten die Experten. Offenbar schafften nicht alle russischen Truppen den Rückzug. Im Raum Charkiw seien feindliche Einheiten von den Versorgungswegen abgeschnitten und in Panik, teilte der ukrainische Generalstab mit. 400 Russen seien an einem Tag gestorben. Die Angaben sind unabhängig nicht zu überprüfen.

Lawrow: Russland lehnt Verhandlungen mit der Ukraine nicht ab

Nach den schweren Niederlagen rund um Charkiw stellt Moskau wieder Verhandlungen mit Kiew in Aussicht. „Russland lehnt Verhandlungen mit der Ukraine nicht ab, doch je länger der Prozess hinausgezögert wird, desto schwerer wird es, sich zu einigen“, sagte Außenminister Sergej Lawrow im Staatsfernsehen. Die Unterredungen, die kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen das Nachbarland am 24. Februar begonnen hatten, sind seit Monaten ausgesetzt. Moskau macht Kiew für den Verhandlungsstopp verantwortlich, stellt zugleich aber harte Bedingungen für einen Frieden, darunter hohe Gebietsverluste. (nme/dpa)