Erneut sind Menschen gestorben

Gaza-Konflikt weitet sich aus: Kämpfe im Westjordanland - Raketen aus Syrien

14. Mai 2021 - 22:42 Uhr

Raketen auch aus syrischer Richtung

Drei Raketen sind am Freitag nach Angaben des israelischen Militärs von Syrien aus in Richtung Israel abgefeuert worden. Wie die Armee mitteilte, ging eine davon auf syrischem Boden nieder. Nähere Einzelheiten nannte Israels Militär zunächst nicht. Im Westjordanland gab es ebenfalls am Freitag an mehreren Orten neue Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften. Dabei starben nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums acht Menschen. 50 Palästinenser seien zudem durch Kugeln und Gummigeschosse verletzt worden. Israels Armee reagierte zunächst nicht auf Anfragen zu den geschilderten Vorfällen. Der Konflikt zwischen Israel und Palästina verschärft sich –im Video.

2000 Raketen seit Montag

Militante Palästinenser im Gazastreifen haben nach Angaben des israelischen Militärs seit Montagabend mehr als 2000 Raketen auf Israel abgefeuert. Israels Armee reagiert auf den Beschuss seit Montag mit Angriffen auf Ziele im Gazastreifen, vor allem durch die Luftwaffe. Israel macht die im Gazastreifen herrschende, islamistische Hamas für alle Angriffe aus dem Gazastreifen verantwortlich. Die Palästinensergruppe wird von Israel und der EU als Terrororganisation eingestuft.

Die Hamas trifft sich durch Fehlzündungen selbst

Bei den Raketen kommt es auch immer wieder zu Fehlzündungen. Und weil die in dicht besiedelten Gebieten abgefeuert werden, sterben dabei viele Menschen. So seien mindestens neun palästinensische Kinder bereits durch die Hamas-Raketen gestorben, wie ein Sprecher der Israelischen Botschaft in Berlin, Yaki Lopez, auf Twitter schreibt. "Die Hamas tötet ihre eigenen Leute", bemerkt Lopez.

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Mehr als 120 Tote

Nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums wurden in Gaza seit Beginn der Eskalation des Konflikts am Montagabend mehr als 120 Menschen getötet und 900 verletzt. Wie die israelische Armee mitteilte, kamen in Israel durch den Raketenbeschuss der vergangenen Tage acht Menschen ums Leben - es trifft insbesondere die unbeteiligte Zivilbevölkerung. Ägyptischen Sicherheitskreisen zufolge lehnte Israel ein Angebot der Regierung in Kairo zur Vermittlung einer Feuerpause ab.

Die Vereinten Nationen forderten, die Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen für Treibstoff- und Hilfslieferungen zu öffnen. In dem abgesperrten Gebiet leben etwa zwei Millionen Palästinenser. Nach UN-Schätzungen mussten rund 10.000 Palästinenser aufgrund der anhaltenden Kämpfe ihre Häuser in Gaza verlassen.

Im Video: Kommt es zum Krieg im Gaza-Streifen?

Nach Angaben der Armee hat die Hamas das in der Nacht auf Freitag attackierte Tunnelsystem über Jahre aufgebaut. Es liegt zu Teilen unter der Stadt Gaza. Es handele sich um eine Art "Stadt unter der Stadt", sagte ein Armeesprecher. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zeigte sich zufrieden mit den Angriffen auf das Tunnelsystem. "Ich habe gesagt, wir würden die Hamas und die anderen Terrororganisationen sehr hart schlagen. Und genau das tun wir", sagte er. Die Hamas habe gedacht, sie könnte sich in dem Tunnelsystem verstecken. Dies sei aber nicht gelungen. An dem komplexen, rund 40 Minuten dauernden Angriff waren der Armee zufolge 160 "Luftfahrzeuge" und auch Panzer beteiligt, die von israelischer Seite Ziele in dem Küstengebiet beschossen. Kein israelischer Soldat betrat demnach den Gazastreifen.

Auch Konflikte im Westjordanland

Auch in israelischen Orten, in denen ein hoher Anteil arabischer Israelis lebt, kam es wieder zu Ausschreitungen. In der Stadt Lod gilt inzwischen eine Ausgangssperre, zusätzliche Sicherheitskräfte wurden im Land verteilt. Ganz beruhigt hat sich die Lage noch nicht: In der Nacht auf Freitag nahm die Polizei erneut Randalierer fest, die Steine und Brandsätze warfen. Am Samstag ist Tag der Nakba (Katastrophe). Die Palästinenser gedenken dann der Vertreibung und Flucht Hunderttausender Palästinenser im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. Befürchtet werden neue gewaltsame Proteste. In diesem Jahr fällt der Tag zusammen mit dem dritten Tag des Eid-al-Fitr-Festes, des sogenannten Zuckerfestes zum Ende des Ramadans.

Hamas als Verteidiger Jerusalems

 May 11, 2021: Gaza, Palestine. 12 May 2021. Roads and houses on the west of Gaza City have been hit by Israeli jets on Wednesday morning as airstrikes intensify in the entire Gaza Strip. The escalation of violence between the Gaza Strip and Israel c
Eine Straße in Jerusalem ist am Mittwoch von einer Rakete getroffen worden.
© imago images/ZUMA Wire, Ahmad Hasaballah via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hatte sich während des muslimischen Fastenmonats Ramadan und nach der Absage der palästinensischen Parlamentswahl zugespitzt. Als Auslöser gelten etwa Polizei-Absperrungen in der Jerusalemer Altstadt, die viele junge Palästinenser als Demütigung empfanden. Hinzu kamen Auseinandersetzungen von Palästinensern und israelischen Siedlern im Jerusalemer Viertel Scheich Dscharrah wegen Zwangsräumungen sowie heftige Zusammenstöße auf dem Tempelberg (Al-Haram al-Scharif). Die Anlage mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee ist die drittheiligste Stätte im Islam. Sie ist aber auch Juden heilig, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Die islamistische Hamas hat sich zum Verteidiger Jerusalems erklärt.

USA bemühen sich um Ruhe

Derweil bemühen sich die USA um Deeskalation im Gaza-Konflikt. Der Spitzendiplomat Hady Amr traf am Freitag zu einem Vermittlungsversuch in Israel ein. US-Außenminister Antony Blinken hatte am Mittwoch gesagt, er habe Amr gebeten, sich mit Vertretern der Israelis sowie der Palästinenser zu treffen, um im Namen von US-Präsident Joe Biden um Deeskalation zu werben. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, betonte am Freitag erneut das Selbstverteidigungsrecht Israels. Die Biden-Regierung sei auf allen Ebenen engagiert, um eine Deeskalation der Gewalt zu erreichen. Psaki fügte hinzu, der Verlust von Leben sei tragisch – "ob es palästinensische oder israelische Leben sind". (dpa/lgr)