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Ganz ohne Hormone! Kommt bald die Antibabypille für den Mann? Das sagt der Mediziner zur Alternative

Mediziner erklärt, was dran ist an der vermeintlichen Alternative

Ganz ohne Hormone! Kommt jetzt die Pille für den Mann?

Mann und Frau liegen im Bett, vor ihnen ein Stapel an Antibabybillen und Kondomen.
Bisher gibt es Antibabypillen nur für Frauen. Doch Forscher aus dem USA haben jetzt einen Wirkstoff entdeckt, der die Pille für den Mann in greifbare Nähe rückt
picture alliance / CTK, Josef Horazny

Ist das der lang ersehnte Durchbruch in Sachen Antibabypille für Männer? Forscher aus den USA haben jetzt einen nicht-hormonellen Wirkstoff entwickelt, der die Spermienbildung blockiert. Der Knaller: Die Pille soll keine Nebenwirkungen haben. Aber wie schätzen Mediziner die Pille für den Mann ein? RTL hat mit Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht gesprochen.

Der Knackpunkt ist das Vitamin A

Die Forscher der Universität von Minnesota haben in ersten Versuchen an Mäusen Teile des sogenannten RAR-Gens blockiert. Das Gen steuere die Vitamin A Bildung und damit auch die Zellerneuerung, Spermienbildung und Embryonalentwicklung, so die Forscher in einem Bericht für das Frühjahrstreffen der American Chemical Society (ACS) am 23. März.

Genau das sei der spannende Ansatz, wie Dr. Christoph Specht erklärt: „Ob das Ganze ein Durchbruch ist, wissen wir noch nicht. Aber das wirklich Brandneue und Interessante dabei ist, man versucht jetzt nicht, gegen Hormone zu arbeiten – wie man das bei der Frauen-Pille hat oder eben bei den bisherigen Versuchen bei den Pillen für die Männer hatte. Sondern man geht an etwas relativ harmlos Klingendes – nämlich Vitamin A.“ Der Mediziner sagt, dass Vitamin A notwendig sei, damit Spermien, also die Samenzellen, produziert werden können. „Und wenn man diesen Rezeptor mit bestimmten Substanzen blockiert, dann kann man eben die Spermienbildung reduzieren.“

Scheint bei den Mäusen bereits funktioniert zu haben: Knapp vier Wochen nach der ersten oralen Einnahme der Pille haben die Tiere eine „dramatisch reduzierte Spermienanzahl“ gehabt, heißt es in dem Schreiben. Der Wirkstoff sei zu 99 Prozent wirksam gegen eine Schwangerschaft und zeige keine sichtbaren Nebeneffekte.

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Die Pille soll keine Nebenwirkungen haben

Das wäre im Vergleich zu anderen Antibabypillen für Männer – und für Frauen – ein Knaller. Denn: Die meisten Pillen zielen auf das männliche Sexualhormon Testosteron ab und provozieren, ähnlich wie bei der Pille für Frauen, eine ganze Reihe an Nebenwirkungen. Gewichtszunahme, Depressionen, Akne und schlechte Cholesterinwerte sind die Folgen. „Wir wollen ein nicht hormonelles Verhütungsmittel entwickeln, um all diese Nebenwirkungen zu umgehen“, sagt Studienautor Md Abdullah Al Noman im Bericht.

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Geduld ist gefragt: Die Pille kommt frühestens in fünf Jahren

Momentan gibt es für Männer zwei Möglichkeiten der Verhütung: Kondome und eine Vasektomie. Beide Methoden verhüten allerdings nicht zu 100 Prozent . Und eine Vasektomie, bei der die Spermienleiter komplett durchtrennt werden, ist zudem ziemlich teuer und nicht immer umkehrbar. Im Gegensatz zu der Pille. Die Mäuse des Forschungsteam von der Universität Minnesota haben so zwischen vier und sechs Wochen nach Einnahmestopp des Präparats wieder Kinder bekommen können, heißt es im Bericht.

Der Haken: Die Pillen, die bisher im Test sind, brauchen noch Jahre, bis sie auf den Markt kommen . Auch die Forscher der Uni Minnesota rechnen mit vier bis fünf Jahren, bis das Mittel erhältlich sein könnte. Ende des Jahres sollen erst einmal die Studien am Mensch beginnen. „Es kann manchmal schwierig sein ein Medikament, das bei Tieren wirkt, auf den Menschen zu übertragen“, erklärt Mit-Autorin und Professorin Gunda Georg. Daher arbeite das Team parallel zum Vitamin-Blocker auch an anderen Möglichkeiten, um eine Pille für den Mann zu ermöglichen.

Auch Dr. Specht stimmt dem zu und sagt, dass es noch dauern könnte – selbst wenn die Männer-Pille sich als erfolgreich erweist. „Das Interessante ist: Bisher gab’s auch keine sichtbaren Nebenwirkungen, also bei den Mäusen. Das muss man beim Menschen jetzt erst einmal sehen, ob das da auch so ist. Aber wenn es so ist, dann würde natürlich weiter geforscht werden, dann könnte – wenn alles super erfolgreich ist – das vielleicht in fünf Jahren auf den Markt kommen. Aber soweit ist es noch nicht.“ In jedem Fall wäre die Pllle für den Mann ein weiterer Schritt in Richtung Gleichberechtigung. Denn: Verhütung geht beide Parteien etwas an. (jbü/vdü)