Fragen und Antworten zum Crash mit Verstappen

Warum Hamilton keine nachträgliche Sperre droht

19. Juli 2021 - 16:14 Uhr

Der Verstappen-Hamilton-Crash wühlt auf

Die Kollision von Lewis Hamilton und Max Verstappen ist das beherrschende Thema in der Formel 1. Wie fit ist Verstappen nach dem Crash in Silverstone? Wie konnte er ihn beinahe unverletzt überstehen und wie kam es zur Hamilton-Strafe? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Crash.

1. Wie geht's Verstappen und ist sein Einsatz in Ungarn gefährdet?

Nach dem Check-Up im Krankenhaus am Sonntagabend gab es eine erste Entwarnung. "Alle Checks waren okay", meldete Red Bull. Das bedeutet: Keine Verletzungen, keine Gehirnerschütterung. Red-Bull-Berater Helmut Marko berichtete im exklusiven RTL-Interview, dass Verstappen aus Sicherheitsgründen bei Vater Jos im Hotel übernachtet habe. Dem 23-Jährigen gehe es "erstaunlich gut". Er habe noch leichte Nackenschmerzen, ansonsten sei alles okay.

Das nächste Rennen in Ungarn in zwei Wochen am 1. August ist also nicht in Gefahr und Verstappen jetzt schon "höchst motiviert", kündigte Marko an.

2. Kann Lewis Hamilton nachträglich bestraft werden?

Grundsätzlich stehen die Strafen der Kommissare. Eine weitere oder neue Bestrafung würde nur zum Tragen kommen, wenn neues Beweismaterial, also beispielsweise TV-Bilder, auftauchen würden. Red-Bull-Berater Helmut Marko erklärt im RTL-Interview: "Eine Berufung ist nur möglich, wenn es neue Erkenntnisse gibt." Diese seien aber "nicht gegeben". Red Bull werde daher auch nicht auf weitere Strafen drängen, so der Österreicher.

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3. Wie teuer ist der Crash?

Das Auto ist ein "Totalschaden", bestätigte Marko. Nach aktuellem Stand beträgt der Schaden rund 750.000 Euro. Unklar ist noch, ob der Motor unbeschädigt ist. Ein herber Schlag für den Rennstall. Marko: "Es ist ein signifikanter Betrag, der uns wehtut, vor allem in Zeiten der Budgetdeckels."

4. Wer ist schuld an dem Crash?

Darüber streiten sich die Gelehrten und Fans weiter. Die FIA-Rennkommissare entschieden jedenfalls klar: Auslöser und Hauptschuldiger am Crash war Lewis Hamilton. Dafür kassierte er dann auch die 10-Sekunden-Strafe und zwei Strafpunkte auf sein Konto.

Red Bull tobte nach dem Crash und bezeichnete den Weltmeister als "fahrlässig", "gefährlich", "rücksichtslos", Mercedes-Teamchef Toto Wolff konterte: "Zu einem Tango gehören immer zwei."

Unsere Debatte zur Schuldfrage lesen Sie hier.

5. Warum gab es eine 10-Sekunde-Strafe?

Die Offizielle Begründung der Stewards: Hamilton habe den Kontakt in der Kurve nicht vermieden, es kam zur Berührung, der Brite wurde für "übermäßig schuldig" befunden. Die Kommissare haben dann verschiedene Strafinstrumente in der Hand, das reicht von Zeitstrafen zwischen 5 und 30 Sekunden bis zur Disqualifikation.

FIA-Rennleiter Michael Masi betonte, dass die Konsequenzen eines Unfalls nicht das Strafmaß bestimmten sollten, dazu seien die Kommissare angehalten. "Wenn die Stewards einen Vorfall bewerten, dann nur den Vorfall selbst und nicht die Folgen, die in der Konsequenz entstehen, sagte Masi.

6. Wie kann ein Mensch so einen Crash nahezu unbeschadet überstehen?

Ein Crash bei 280 km/h und 51g (also das 51-fache des eigenen Körpergewichts lasteten auf Verstappens Körper). Trotzdem beklagte sich der Niederländer "nur" über Schwindelgefühle, schwerwiegende Verletzungen blieben offenbar aus. Gott sei Dank!

Warum ist das so? Hier kommen mehrere Faktoren ins Spiel: Zum einen intensiviert die Rennserie seit Jahren in höchste Sicherheitsstandards. Dazu gehören ein extrem sicheres Monocoque (die Sicherheitszelle im F1-Boliden), das den Fahrer schützt und Schutz-Systeme wie HANS (Head and Neck Support), das speziell Kopf und Nacken sichert. Die Wucht eines Einschlags wird vom Kopf auf die Brust verteilt und bewahrt die Fahrer vor einem Genickbruch.

Zudem ist der Kurs in Silverstone mit extrem breiten Reifenstapeln abgesichert, der den Crash zumindest etwas dämpfte. Schon 1999 raste Michael Schumacher nach einem Bremsdefekt mit hohem Tempo in solch einen einen Stapel, brach sich das Bein.

Und zu guter Letzt: Die Piloten sind fit wie nie, investieren kräftig in ihren Körper und Fitness. Spezielle Nackenübungen sind Teil der täglichen Arbeit und führen nicht nur bei Mick Schumacher zum bekannten "Stiernacken".

Helmut Marko ist sich sicher, dass ein "Normalsterblicher" einen solchen Unfall wohl nicht überleben würde. "Die Fahrer sind in einem unglaublich guten körperlichen Zustand." (msc)

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