Auf den Spuren der KluterthöhleNaturwunder in Ennepetal – Forscher entdecken Tropfsteinhöhle unter altem Tennisplatz

von Julia Westarp

In Ennepetal ist unter einem ehemaligen Tennisplatz eine bislang unbekannte Tropfsteinhöhle entdeckt worden. Bisher wurden rund 600 bis 700 Meter der sogenannten Paradieshöhle vermessen. Begangen wurden etwa 800 Meter.

Spiel, Satz - und ein verborgenes Wunder

Spiel, Satz und Sieg - in Ennepetal allerdings ganz anders als gedacht. Wo früher auf einem Tennisplatz aufgeschlagen wurde, lag nur zehn Meter unter der Erdoberfläche jahrhundertelang ein verborgenes Naturwunder. Dunkel, feucht, unscheinbar – und doch von überraschender Schönheit: eine bislang unentdeckte Tropfsteinhöhle. Selbst erfahrene Kenner wie Stefan Voigt sind überwältigt. Für den Vorsitzenden des Arbeitskreis Kluterthöhle e.V. gleicht die Entdeckung einem Wunder, kaum erklärbar durch bloßen Zufall - ein Moment, der ihn tief berührt.

Die Spur im Winter

Der 62-jährige Hobby-Höhlenforscher und Grundstückseigentümer ahnte zunächst nicht, was sich unter seinem Gelände am Klutertberg verbarg. Das Gebiet gehört zum nationalen Naturmonument Kluterthöhle, dessen weit verzweigtes Höhlensystem eigentlich als gut erforscht galt. Doch ein warmer Luftzug an einem Wintertag ließ Voigt aufhorchen: Aus einer kleinen, bekannten Höhle strömte ungewöhnlich warme Luft – ein klares Indiz für weitere Hohlräume. Nachdem er das Tennisplatz-Gelände für den Naturschutz sichern konnte, begannen gemeinsam mit der Bundeswehr und dem Geologischen Dienst NRW aufwendige Messungen. Mitte Januar schließlich der Durchbruch: Der Zugang zur neuen „Paradieshöhle“ war gefunden.

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Zeitreise unter dem Tennisplatz

Inzwischen sind 600 bis 700 Meter vermessen. Ein Ende ist nicht in Sicht. An manchen Stellen öffnet sich die Höhle bis zu fünf Meter breit und vier Meter hoch. Oft führen jedoch enge Felsspalten weiter ins Innere. Besonders bemerkenswert: Spuren eines einstigen Bachs mit Kiesbänken - ein Phänomen, das in diesem Höhlensystem bislang einzigartig ist. Tropfsteine, Fossilien und Sedimente machen die Höhle zu einem geologischen Archiv, aus dem sich Klimadaten vergangener Jahrtausende ablesen lassen. Wissenschaftler der Universitäten Aachen, Köln und Bochum begleiten die weiteren Untersuchungen. Während oben längst kein Ball mehr über das Netz fliegt, wächst unten mit jedem neu vermessenen Meter die Geschichte dieses Ortes. Vielleicht gelingt eines Tages sogar die Verbindung zur Kluterthöhle - oder es tauchen Spuren eiszeitlicher Tiere auf. Sicher ist nur: Die Geschichte der Paradieshöhle hat gerade erst begonnen.