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Formel 1: Toto Wolff verteidigt Lewis Hamilton nach Rassismus-Attacken - "Stell dir vor, es wäre den Kind"

Reaktion auf Piquet-Aussagen

Emotionaler Wolff verteidigt Hamilton: "Stell dir vor, es wäre dein Kind"

Toto Wolff pflegt zu Lewis Hamilton ein inniges Verhältnis
Toto Wolff pflegt zu Lewis Hamilton ein inniges Verhältnis
Imago Sportfotodienst

von Peter Reichert und Martin Armbruster, Silverstone

Wenn es um seine (Renn-)Familie geht, ist bei Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff der Nachname Programm. Wird ein Mitglied des Silber-Rudels attackiert, verteidigt der Leitwolf dieses mit aller Kraft. Mit entsprechend klarer Kante hat der Österreicher auf die rassistischen Äußerungen von Formel-1-Legende Nelson Piquet gegen seinen Fahrer Lewis Hamilton reagiert. Im RTL-Interview wird Wolff emotional – und stellt eine entscheidende Frage.

Wolff geht das Ganze ans Herz

„Da ist ein Rennfahrer bei uns im Auto, der ist sein Leben lang verletzt worden, der als Kind, als Achtjähriger an der Rennstrecke genau mit diesen Sachen genannt worden ist“, sagte Wolff in Silverstone zu den Aussagen Piquets.

Der Brasilianer hatte Hamilton schon im Vorjahr in einem Interview mit einem brasilianischen Journalisten auf Portugiesisch als „kleinen N****“ bezeichnet, als er den Unfall des Mercedes-Fahrers mit seinem Quasi-Schwiegersohn Max Verstappen kommentierte.

Ein „No-Go“ sei das, betonte Wolff. „In unserer Zeit ist das nicht mal mehr ein Spaß.“ Dem Mercedes-Teamchef ging die abermalige Rassismus-Debatte um seinen Starpiloten – mit dem er ein enges Verhältnis pflegt – sichtlich ans Herz.

„Man muss sich das einmal selbst vorstellen: Du gehst mit deinem Kind zum Sportplatz und jemand beleidigt dein Kind rassistisch. Das ist es ja, was viele nicht schaffen, zu tun. Es werden so leichtfertig irgendwelche rassistischen oder halbrassistischen Äußerungen rausgetan, aber stell dir mal vor, jemand sagt das über dein Kind – wie reagierst du?“

Lese-Tipp: Alle Silverstone-News im Live-Blog

Weitere Piquet-Ausfälle aufgetaucht

Piquet hatte sich nach einer Welle der Kritik und Solidarisierung mit Hamilton im F1-Lager bei dem Briten entschuldigt und von einer Missinterpretation aus dem Portugiesischen gesprochen . Das von ihm benutzte Wort werde in Brasilien umgangssprachlich seit langem als Synonym für „Kerl“ oder „Person“ benutzt.

Allerdings machten am Rande des Großbritannien-GP (Sonntag, 15 Uhr, LIVE bei RTL) weitere Piquet-Aussagen die Runde, in denen der dreimalige Weltmeister Hamilton nicht nur erneut mit rassistisch konnotierten Ausdrücken belegt, sondern auch homophob beleidigt. In einem Podcast sprach Piquet im Vorjahr über den WM-Kampf Hamiltons 2016 gegen seinen damaligen Erzrivalen Nico Rosberg. Das Interview, das offenbar auf dem Youtube-Channel „Motorsport Talks“ zu sehen war und später offline genommen wurde, liegt dem brasilianischen Portal „Grande Premio“ vor.

Demnach beleidigte Piquet zunächst die Familie Rosberg und dann Hamilton. „Keke? Der war scheiße, wertlos“, ätzte der Brasilianer über den Vater von Nico Rosberg, ehe er nachlegte: „Es ist wie bei seinem Sohn. Er hat eine WM gewonnen. Der N**** muss damals [es folgt eine schwer übersetzbare homophobe Entgleisung, in der das Wort Arsch fällt], er war ziemlich schlecht.“

FILE - Three-time world champion Formula One racer Nelson Piquet of Brazil attends the shooting of the Hungarian Television's Formula One magazine in Budapest, Hungary, July 23, 2015. Piquet apologized to Lewis Hamilton on Wednesday, June 29, 2022 sa
Nelson Piquet gewann in den 1980er Jahren dreimal die Formel-1-WM
TOTHIM AMB**LON**, AP, Janos Marjai
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Wird Piquet verbannt?

Die Formel-1-Gemeinde stellte sich in Silverstone geschlossen an die Seite Hamiltons. Auch Max Verstappen verurteilte die Aussagen des Vaters seiner Freundin Kelly Piquet. Piquet sei allerdings „kein Rassist“, sagte der Weltmeister in Silverstone. Er sei auch dagegen, Piquet aus dem Fahrerlager zu verbannen. Laut Medienberichten wollen die F1-Verantwortlichen den Ex-Champion im Paddock, zu dem Piquet eigentlich lebenslang Zugang hat, nicht mehr sehen.

Der britische Rennfahrer-Club BRDC hatte freilich schon am Donnerstag reagiert: Er entzog Piquet die Ehrenmitgliedschaft.