Vettel beim Spanien-GP unter ferner liefen

Strategie schlägt Verstappen: Hamilton triumphiert in Barcelona

Lewis Hamilton feierte in Barcelona den 98. GP-Sieg seiner F1-Karriere
Lewis Hamilton feierte in Barcelona den 98. GP-Sieg seiner F1-Karriere
© Getty Images, Bongarts, WTM / WTM

09. Mai 2021 - 21:24 Uhr

Lewis Hamilton gewinnt Spanien-GP vor Max Verstappen

Gestern die 100. Pole Position, heute GP-Triumph 98: Lewis Hamilton hat sich beim Großen Preis von Spanien auch von einem Knallhart-Manöver seines WM-Rivalen Max Verstappen nicht beirren lassen und das vierte Rennen der Formel-1-Saison in Barcelona gewonnen. Zwar verlor der Mercedes-Star Platz 1 kurz nach dem Start an seinen Red-Bull-Herausforderer. Dank einer cleveren Zwei-Stopp-Strategie schlug der Weltmeister sechs Runden vor Rennende aber zurück und sackte den dritten Sieg in diesem Jahr ein. Verstappen musste sich mit Rang 2 begnügen, Valtteri Bottas (Mercedes) wurde Dritter. Charles Leclerc unterstrich als Vierter den Aufwärtstrend bei Ferrari.

Sebastian Vettel hatte im Aston Martin null Chancen auf Punkte, wurde abgeschlagen 13. Mick Schumacher schlug sich im unterlegenen Haas respektabel, beendete das vierte Saisonrennen auf Rang 18 – deutlich vor Stallrivale Nikita Mazepin.

Durch seinen sechsten Sieg auf dem Circuit de Catalunya egalisierte Hamilton den Barcelona-Rekord von Michael Schumacher und baute seinen Vorsprung in der WM auf 14 Punkte aus.

Das entscheidende Manöver

"Ich habe alles versucht, es ging nicht"

"Wir haben es kommen sehen. Als wir die Mediums aufgezogen haben, hatte er deutlich mehr Pace als wir. Da konnten wir nicht mithalten. Wir konnten einfach nicht mehr machen. Die haben dann nochmal einen Stopp eingelegt und dann war es vorbei. Ich habe da schon mit den Reifen gekämpft", konstatierte Verstappen ernüchtert: "Ich habe alles versucht, es ging nicht. Es zeigt, dass wir noch nicht da sind, wo wir sein wollen."

Hamilton überschüttete sein Team wie schon nach seiner 100. Pole am Samstag zurecht mit Lob. "Über 20 Sekunden zurückzuliegen, das war schon ein Pokerspiel. Wir wollten sicherstellen, dass wir zwei Mediums haben, um zwei Stopps zu machen. Auch wenn eine Ein-Stopp-Strategie ursprünglich besser aussah. Aber ich weiß aus Erfahrung, dass es schwierig ist, so eine Strategie umzusetzen. Tolle Leistung vom ganzen Team, was für ein Tag", kommentierte der F1-Titelverteidiger den Schachzug seiner Rennhirne, ihn quasi einen Extra-Stopp machen zu lassen.

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GP von Spanien | Ergebnis

Der Spanien-GP im Zeitraffer

Start/Runde 1: Verstappen kommt von der schmutzigen Linie super vom Fleck, liefert sich mit Pole-Mann Hamilton ein Beschleunigungsduell bis zu Kurve 1. Der Holländer knallt sich innen kompromisslos neben den Briten. Der Weltmeister zieht zurück, muss Verstappen ziehen lassen. Durch Hamiltons Rückzieher muss auch Bottas kurz vom Pinsel, was Leclerc nutzt, um im langegezogenen Rechtsbogen außen am Mercedes vorbei zu huschen. Die Mercedes-Strategen schlagen die Hände überm Kopf zusammen.

Vettel gewinnt im Aston Martin eine Position, beendet Runde 1 als Zwölfter, Schumacher verbessert sich sogar auf Platz 16, den er aber schnell an Yuki Tsundoa im AlphaTauri verliert.

Runde 2-6: Verstappen und Hamilton ziehen sofort weg, dahinter hält Leclerc den Mercedes von Bottas sichtbar auf. Der Finne beißt sich am Ferrari die Zähne aus.

Runde 8: Tsundoa steht in Kurve 10 still, der Honda-Motor im AlphaTauri macht keinen Mucks mehr. Gelbe Flaggen. Auf Start/Ziel fliegt Williams-Mann George Russell am Haas von Schumacher vorbei. Wenig später kommt das Safety Car raus, damit die Marshalls Tsunodas Boliden in Ruhe bergen können. Bitter für Verstappen. Die Hinterbänkler nutzen den Einsatz von Bernd Mayländer zu Boxenstopps. Schumi jr. gewinnt dadurch wieder einen Platz, ist 16.

Fliegender Re-Start/Runde 11: Verstappen gibt im letzten Rechtsknick clever Gas, reißt eine kleine Lücke zu Hamilton und bleibt souverän vorne. Dahinter keine Verschiebungen. Die Top 5: Verstappen, Hamilton, Leclerc, Bottas, Daniel Ricciardo (McLaren). Schumacher schafft es kurzzeitig wieder an Russell vorbei auf Platz 15, muss den Engländer im Williams wenige Kurven später aber ziehen lassen.

Runde 15-20: Mick verliert Rang 16, hat dem Williams von Nicholas Latifi nichts entgegenzusetzen. An der Spitze geht's eng zu. Hamilton ist kurzzeitig im DRS-Fenster Verstappens. Aber: Der rechte Hinterreifen am Mercedes sieht schon recht mitgenommen aus. Machen seine Pneus durch das Hinterherfahren schneller schlapp? Der führende "Bulle" zieht wieder etwas weg – Vorsprung: zwischen 1,2 bis 1,4 Sekunden. Die Frage: Wer kommt zuerst zum Reifenwechsel?

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Strategie-Poker zwischen Red Bull und Mercedes

Runde 22: Fernando Alonso (11.) und Vettel (12.) kommen parallel zum ersten Stopp. Bei Aston Martin dauert der Service 1,5 Sekunden länger als nebenan bei Alpine. Der Spanier verteidigt seine Position. Einen Umlauf später krallt sich Vettel den AlphaTauri von Pierre Gasly, macht als 17. Jagd auf Alonso (16.)

Runde 24: Bottas versucht den Undercut gegen Leclerc. Der Finne bekommt frische Medium-Pneus und nimmt als Vierter wieder Fahrt auf.

Runde 25: Verstappen leistet sich einige Quersteher und biegt plötzlich in die Box ab. Und da patzt die sonst so fixe "Bullen"-Crew. Vier Sekunden steht der Holländer, ehe er auf Medium wieder losbrettert und sich auf P5 hinter Teamkollege Sergio Perez einsortiert. Ein ziemlich spontaner "Call", anders ist dieser Patzer nicht zu erklären. Hamilton bleibt draußen, ebenso Leclerc, der mittlerweile Zweiter ist.

Runde 26: "Zeigt dem Kerl Blaue Flaggen, Michael!", gibt Toto Wolff höchstpersönlich an Rennleiter Michael Marsi durch. Die Rede ist von Haas-Rookie Mazepin, der den Weltmeister aufhält. Auf frischen Medium-Walzen gewinnt Verstappen die in der Garage verlorene Zeit gegen Hamilton auf seinen abgenutzten Softs schnell zurück.

Runde 28: Hamilton in der Box. Standzeit: 2,7 Sekunden, auch er bekommt Medium-Gummis. Verstappen zieht wieder locker vorbei, Hamilton greift fünf Sekunden hinter dem Oranje-Held als Zweiter ins Geschehen ein. Dahinter funktioniert der Silber-Undercut gegen Leclerc. Der Monegasse verliert Rang 3 in der Box an Bottas. Die Reihenfolge nach den ersten Stopps: Verstappen, Hamilton, Bottas, Leclerc, Ricciardo, Perez.

Tops und Flops: Wasser lobt Mamas und die WM-Rivalen

Bottas hält Hamilton kurz auf

Runde 30-35: Schönes Manöver von Vettel. Erst blockt er Gasly gekonnt ab, bremst sich dann innen am Alfa Romeo von Antonio Giovinazzi vorbei – es ist der Kampf um Platz 13. Vorne knallt Hamilton eine schnellste Rennrunde nach der anderen hin, reduziert seinen Rückstand erst auf 1,1 Sekunden, schlüpft dann ins DRS-Fenster. Der Champion nimmt seine Reifen hart an, um seinen WM-Rivalen unter Druck zu setzen.

Runde 36-38: Hamilton schnuppert in Kurve 1 am Heck des Red Bull, robbt sich bis auf drei Zehntel heran. Er will Verstappen in einen Fehler drängen. Zu lange kann der 36-Jährige diese Pace allerdings nicht halten, sonst ruiniert er sich in der "Dirty Air" seine Walzen. Verstappen flüchtet wieder aus dem DRS-Fenster. Im Gleichschritt überrundet das Führungsduo Schumacher, der inzwischen auf den vorletzten (18.) Platz zurückgefallen ist, aber satte 20 Sekunden vor Mazepin liegt.

Runde 39: Vettel geht auf eine Zwei-Stopp-Strategie, will auf Soft nochmal angreifen. Er kommt als 17. hinter seinem Ex-Ferrari-Buddy Kimi Räikkönen (Alfa Romeo) wieder auf die Piste zurück. Die Punkteränge sind weit, weit weg.

Runde 43: Auf der Strecke ist für Hamilton kein Weg vorbei, Mercedes zieht die Strategie-Karte und holt den Champion nochmal rein. Mit frischen Medium-Pneus kommt Hamilton 23 Sekunden hinter dem Holländer wieder raus. Noch 23 Runden: Jetzt heißt es für "King Lewis" volles Kanonenrohr. "Wir haben das schon mal geschafft", motiviert ihn sein Renningenieur.

Runde 50: Hamilton kommt in Riesenschritten näher, während Verstappen verzweifelt mit seinen abbauenden Medium-Walzen kämpft. Der Abstand zwischen den beiden: Nur noch 11 Sekunden. Der Computer rechnet hoch: In zehn Runden ist der Mercedes in Schlagdistanz.

Runde 52: Nicht ideal für Hamilton: Trotz Ansage vom Kommandostand lässt Bottas die Nummer 1 der Silbernen nicht ohne Weiteres vorbei, erst in Turn 10 ist es soweit. Die unnötige Einlage kostet Hamilton wichtige 1,4 Sekunden.

Verstappen am Ende chancenlos

Runde 54: Bottas bekommt noch einen Satz (gebrauchte) weiche Reifen. Der Finne ist heiß auf die Schnellste Rennrunde.

Runde 56: Hamilton zwei Sekunden schneller als Verstappen. Der Rückstand beträgt nur noch sechs Sekunden. Die Reifen am Red Bull brechen dramatisch ein.

Runde 59: Leclerc hat genug Vorsprung, um nochmal Soft aufziehen zu lassen. Hamilton klebt derweil 0,6 Sekunden hinter Verstappen.

Runde 60: Es ist soweit: Am Ende von Start/Ziel schießt Hamilton außen lockerleicht an Verstappen vorbei. Der katalanische Käse ist gegessen.

Runde 61: "Mad Max" wird noch einmal in die Garage beordert. Mit frischen Soft-Pneus macht er Jagd auf die Schnellste Rennrunde, die er kurze Zeit später auch in den Asphalt brennt. Der Extra-Punkt ist etwas Balsam auf die "Bullen"-Seele.

Runde 66/Ziel: Hamilton triumphiert, Verstappen und Bottas folgen. Leclerc lässt die Roten etwas jubeln, Perez schafft im zweiten Red Bull immerhin noch Rang 5. Ricciardo zeigt im McLaren ansteigende Form, Carlos Sainz (Ferrari), Lando Norris (McLaren), Esteban Ocon (Alpine) und Gasly (AlphaTauri) komplettieren die Top 10.

MAR