Betrüger gaben sich als ihre Tochter aus

Fiese WhatsApp-Abzocke: Rentnerin fällt auf Betrug rein - doch sie holt sich ihr Geld zurück

19. Juni 2021 - 12:41 Uhr

Im Video: Margot J. fiel auf gut gemachte Masche herein

Ein vermeintlich Verwandter meldet sich und bittet plötzlich um eine größere Summe Geld – der altbekannte "Enkeltrick" fand bislang vor allem am Telefon statt. Doch nun haben Betrüger offenbar einen neuen Weg gefunden, ihren Opfern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Ausgerechnet über WhatsApp setzen die Gauner auf Gutgläubigkeit und Hilfsbereitschaft. Wie genau die neue Masche abläuft und wie gut sie gemacht ist, zeigen wir im Video.

Persönliche Ansprache und Notlage - so wollen die Betrüger ihren Opfern das Geld aus der Tasche ziehen

"Hallo Mama. Mein Handy ist kaputt gegangen. Das ist meine neue Nummer" – Nachrichten wie diese wurden bislang sicher hundertfach in Deutschland verschickt, auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. Doch genau das machen sich jetzt offenbar Betrüger zunutze. Auch Margot J. aus Lindlar in Nordrhein-Westfalen erhielt eine solche Nachricht – und dachte sich nichts dabei.

"Das Handy ist kaputt und mein Onlinebanking funktioniert nicht mehr - kannst du was für mich überweisen?"

Die Rentnerin antwortet ganz normal auf die Nachricht, fragt ihre vermeintliche Tochter, ob alles in Ordnung sei. Diese antwortet erst harmlos, kommt dann aber schnell zur Sache: Durch das kaputte Handy sei auch das Onlinebanking weg, sie müsse aber schnell etwas überweisen. Ob ihre Mutter das für sie erledigen könne?

Margot J. überweist eine vierstellige Summe an einen ihr unbekannten Empfänger – in der Annahme, ihrer Tochter einen Gefallen zu tun. "Meine Tochter hat ein Haus gekauft, da sind Bauarbeiten zu machen. Und dann hab ich mir das so konstruiert, dass sie vielleicht einen Bauarbeiter bezahlen müsste", erklärt die 72-Jährige im RTL-Interview.

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Handy-Screenshot von Betrugsnachrichten
Durch persönliche Ansprache versuchen die Betrüger, das Vertrauen ihrer Opfer zu gewinnen.
© privat

Margot J. hat Glück im Unglück

Doch als die Nummer nur wenige Stunden später erneut Geld verlangt, wird Margot misstrauisch. Via Festnetz ruft sie ihre Tochter direkt an. Und siehe da: Das Handy ist gar nicht kaputt und ihre Tochter hat Margot auch nie um Geld gebeten. Der Rentnerin wird klar: Sie ist einem Betrug aufgesessen. Umgehend informiert sie die Polizei, die die Ermittlungen aufnimmt. Und Margot J. hat Glück im Unglück: Weil sie das Geld an einem Sonntag überwiesen hat, kann ihre Bank die Überweisung gerade noch so stoppen.

Rentnerin ist wütend auf sich selbst

Auch wenn sie das Geld zum Glück nicht verloren hat – Margot J. ist von sich selbst enttäuscht, auf den Betrug angesprungen zu sein. "Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass ich auf sowas reinfalle. Ich war schon ein bisschen fertig – und vor allem wütend."

Doch die Masche ist extrem gut gemacht – und vor allem: durchdacht. Ein kaputtes oder verloren gegangenes Handy, das ist wohl fast jedem schon einmal passiert. Bei einer solch persönlichen Ansprache wie "Hallo Mama" wird man weniger schnell misstrauisch. Auch das fehlerfreie Deutsch und die deutsche Nummer weisen auf den ersten Blick nicht auf einen Betrug hin.

Das rät die Polizei bei einem Betrugsversuch über WhatsApp

  • Achtung bei unbekannten Rufnummern – auch deutsche
  • Auf anderem Wege persönlich nachfragen, wenn man von einer unbekannten Rufnummer kontaktiert wird
  • Keine Namen oder andere Details des Verwandten nennen – dieses Wissen nutzen die Kriminellen, um in die Rolle des Genannten zu schlüpfen
  • Auf keinen Fall Geld überweisen
  • Im Zweifel die Polizei informieren

Acht Fälle von WhatsApp-Betrug sind der Polizei bekannt

Margot ist nicht die einzige, die Opfer der neuen Masche geworden ist. Acht Fälle sind der Polizei bislang bekannt. "Die neue Masche, die dem bereits bekannten Enkeltrick am Telefon ähnelt, läuft oft nach dem geschilderten Schema ab", erklärt Pressesprecherin Kathrin Popanda von der Polizei im Oberbergischen Kreis. (vdö)

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