Faszination Faszien

Faszien: Das steckt hinter dem elastischen Bindegewebe

18. Dezember 2018 - 10:36 Uhr

Faszien: plötzlich in aller Munde

In Fitnessstudios gibt es mittlerweile fast überall Faszienkurse. Beim Discounter kann man Faszienrollen kaufen. Faszien sind in aller Munde. Aber was genau sind Faszien eigentlich und was passiert, wenn sie verkleben? Wir haben mit Dr. Tobias Weigl gesprochen. Der Experte für Schmerztherapie hat uns erzählt, wie effektiv Übungen sind und worauf man beim Training mit einer Faszienrolle achten sollte - denn die sind nicht für jeden geeignet. 

Was sind Faszien überhaupt?

Überall in unserem Körper befinden sich Faszien. Obwohl sich die Wissenschaft mittlerweile einig ist, dass Faszien für unser körperliches Wohlbefinden eine große Rolle spielen, ist der Begriff nicht klar definiert. Schmerztherapeut Dr. Tobias Weigl beschreibt Faszien als muskuläres Bindegewebe, das netzartig und elastisch ist. Man spricht heute von einem ganzen Fasziennetzwerk: "Eine Art Bodysuit, den man hat – von Kopf bis Fuß. Faszien umhüllen unsere Muskeln, aber auch unsere Organe, unsere Bänder und Knochen. Letztlich alle Körperteile, die wir haben", erklärt Dr. Weigl.

Besonders anschaulich vorstellbar sind Faszien, wenn man sich eine aufgeschnittene Zitrusfrucht, wie eine Orange anschaut. Ähnlich wie die weiße Haut in einer Orange, die die einzelnen saftigen Stücke umhüllen, durchziehen Faszien das Innere unseres Körpers. Faszien sind ein weißes Bindegewebe, etwa 0,3 bis drei Millimeter dick. Die Faszien trennen einzelne Muskelstrukturen und verbinden diese gleichzeitig.

Faszien können Schmerzen verursachen

Häufig hört man, dass Faszien für Schmerzen im Körper verantwortlich sind. Unser Experte bestätigt, dass Verklebungen der Faszien zu Schmerzen führen können. Das passiert vor allem dann, wenn mehr Reize auf die Schmerzrezeptoren in den Tiefenfaszien ausgeübt werden.

Was so komplex klingt ist eigentlich ein simpler Prozess: Verklebungen der Faszien sind vergleichbar mit einem Pullover, den man trägt. Wenn der Pullover an irgendeiner Stelle hängen bleibt und man trotzdem weitergeht, würde man mit dem ganzen Pullover zurückgehalten werden, nicht bloß an der einen Stelle. Das Gleiche passiert bei den Faszien: Verkleben sie, können sie an einer ganz anderen Stelle im Körper Schmerzen verursachen. So sind verklebte Faszien auch häufig die Ursache für Rückenschmerzen.

Verklebungen der Faszien können verschiedene Ursachen haben, weiß Dr. Tobias Weigl: "Bewegungsmangel kann ein Grund sein, falsche oder einseitige Bewegung, aber auch Stress." Wenn sich der Körper unter Stress gesetzt fühlt, wird ein Wirkstoff ausgeschüttet, der Verklebungen begünstigt.

So stärken Sie Ihre Faszien

Die gute Nachricht ist: Faszien kann man trainieren. Eine Mischung aus Bewegung, Dehnen und Strecken ist die goldene Regel. Insbesondere Übungen bei denen man hüpfende und springende Abläufe ausführt, sind vorteilhaft. "Dadurch fördert man die Zellen, so genannte Fibroblasten. Diese bilden den wichtigen Stoff Elastin. Das macht die Faszien geschmeidig und elastisch", so Weigl. So können auch andere positive Effekte durch das Faszientraining erzielt werden, wie z.B. ein strafferes Bindegewebe.

Auch die Benutzung von Faszienrollen kann vorteilhaft sein. Hierbei lässt sich jedoch noch nicht wissenschaftlich beweisen, ob ausschließlich die Behandlung der Faszie die positiven Effekte erzielt. Denn das umliegende Gewebe samt Haut, Muskeln und Nerven wird ebenfalls behandelt, erklärt der Experte: "Neuere Forschungen zeigen, dass Faszientraining einen Einfluss auf unser neurophysiologisches System hat, unser schmerzhemmendes System."

Faszienrolle: nicht für jeden geeignet

Das Training mit der Faszienrolle kann jedoch auch negative Effekte haben. Der Druck, der mit einer solchen Rolle ausgeübt wird, ist sehr hoch. Etwa 40 bis 70 Kilopascal, das entspricht etwa zehn Mal dem Druck eines Kompressionsstrumpfes.

Insbesondere für Menschen mit Gefäßerkrankungen und Durchblutungsstörungen ist daher besondere Vorsicht geboten. Auch Diabetiker, Raucher und Menschen mit einem erhöhten Herzinfarkt-Risiko sollten bei dem Faszientraining einige Dinge beachten. Unser Experte empfiehlt beim Kauf einer Faszienrolle nicht gleich die mit dem stärksten Härtegrad zu wählen und zunächst Übungen mit einem professionellen Faszienexperten zu erlernen.

Falsch benutzt, kann die Faszienrolle Gefäße verletzen

Bei falscher Benutzung besteht die Gefahr, Gefäße zu verletzen und Krampfadern begünstigen. Bei dieser gefährdenden Personengruppe sollte die Verwendung der Faszienrolle nur in Rücksprache mit einem Arzt erfolgen. Aber auch allen anderen Menschen empfiehlt Dr. Weigl auf nicht zu viel Druck und korrekte Handhabung zu achten. Wenn dies gegeben ist, kann Faszientraining durchaus positive Effekte erzielen.