Kann Günstig wirklich Qualität?: Billig-Discounter im Test – kann günstige Ware wirklich gut sein?
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Tedi, Hema, Kik und NKD sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Sie bieten günstige Produkte an und machen damit teils Milliardenumsätze. Zusammen mit Experten haben wir T-Shirts, Dekomaterial und Wasserkocher getestet. Wir wollen wissen, ob unsere günstig erworbenen Produkte mit teuren Artikeln mithalten können. Das Ergebnis seht ihr oben im Video!
Während große Handelsketten pleitegehen, sind sie auf dem Vormarsch. Tedi, Hema, Kik und NKD.
„Ultimative Schnapper ist, finde ich dieses T-Shirt hier Basic für 1,99 €.“
Doch wie schaffen diese Billiganbieter den Durchmarsch? Und kann man der Qualität der Produkte trauen oder handelt es sich dabei um sogenannte Restposten? Wir testen in drei Produktkategorien Textilien Let's go!
Dekoration.
„Das ist schon echt ein Preisknüller.“
Und Elektronik.
„Wasserkocher 8 €“
Kann billig wirklich Qualität oder steckt hinter dem Boom einfach nur cleveres Marketing? Unsere Reporter sind in den Non Food Läden Hema, Kik, NKD und Tedi unterwegs. Auf der Shoppingliste Basic T Shirts. NKD ist seit 1962 einer der Vorreiter im Bereich der Non Food Discounter in Deutschland und setzt mit seinem Sortiment vor allem auf günstige Kleidung wie diese T-Shirts ab 6 €
„Halten die auch?“
„Die sind eigentlich wirklich sehr robust. Das ist aber keine Kinderarbeit.“
„Keine Kinderarbeit, keine Kinderarbeit.“
„Das ist schon mal gut.“
„Klar, wir lassen auch in anderen Ländern produzieren, weil wenn wir das in Deutschland produzieren lassen, dann zahlen sie mal das Vier-fünffache.“
Alle vier Non Food Discounter betonen auch online faire Arbeitsbedingungen und Menschenrechte. Fördert das auch die Qualität? Denn manchmal wirkt die selbst im Laden schon nicht so gut. Was kann ein T-Shirt unter 10 €? Dr. Florian Metzelder vom Deutschen Textilforschungszentrum Nordwest sagt: Günstig muss nicht immer schlecht sein. So auch der erste Eindruck vom 6-Euro-Shirt von NKD.
„Das macht einen grundsoliden Eindruck, dass es zumindest nicht komplett unsauber eingenäht ist, dass die Naht dann schon so optisch danach aussieht, dass die Naht nach einmal waschen oder dran ziehen sofort auseinanderfallen wird.“
Oft vermutet man, dass preiswerte Textilien gesundheitsschädlich sind. Um das zu überprüfen, geben wir die Shirts in ein Labor.
„Auch bei Discountern gibt es inzwischen ziemlich strenge Qualitätsvorgaben, die eingehalten werden müssen, was einerseits die chemischen Anforderungen betrifft, dass dort keine Schadstoffe drin sind, aber auch die Qualitätsanforderungen, dass eine gewisse Reißfestigkeit gegeben sein muss, dass die nach dem Waschen nicht komplett eingelaufen sein dürfen.“
Doch zunächst wollen wir wissen: Wie fühlen sich unsere günstigen Non Food Shirts auf der Haut an? Etwa besser als Markenware?
Wir machen den großen T-Shirt-Test und schauen mal, welches sich beim Sport am besten schlägt.
Die vier Studenten Lina, Julia, Milan und Marvin werden für uns gleich richtig ins Schwitzen kommen. Lina trägt das T-Shirt von Hema für 9,99 €, Julia eins von Kik für 3,94 €. Milan trägt ein Markenshirt für knapp 25 € und Marvin ein günstiges 6-Euro-Shirt von NKD.
„Fühlt sich jetzt auch auf der Haut gut an, also nicht unangenehm. Es ist jetzt gerade auch, wo es etwas wärmer ist, schön, luftig und locker. Also ist auch nicht zu dick. Es ist gerade perfekt.“
„Let's go!“
Wir machen den Extremtest. Wie ist der Tragekomfort trotz Schwitzen?
„Ich kann mir vorstellen, weil der Stoff so dünn ist, ist es recht atmungsaktiv. Also, ich merke, ich schwitze gut. Ich habe auch zwischendurch immer Flecken gesehen, aber die waren so schnell weg.“
„Letzte Runde, dass ihr ordentlich durchgeschwitzt seid.“ Das Fazit unserer Sportgruppe:
„Fühlt sich eher an wie ein Pyjama als ein Sportshirt. Ich fühle mich nicht so produktiv da drin.“ „Ich bin weiterhin positiv überrascht. Es ist sehr angenehm zum Tragen.“
„Also ich würde sagen, mein T-Shirt ist an sich nicht schlecht. Ich würde sagen, für so langsamen Sport, wo man nicht ganz so viel schwitzt, ist es vielleicht ganz gut geeignet.“
Und was sagt der Markensportler? Kann das T-Shirt für knapp 25 € mehr punkten? „Also ich fand es für den Sport nicht so gut, ehrlich gesagt, weil es einfach zu dick ist.“
Das Markenshirt besteht aus 100 % Baumwolle. Bei den preiswerten Shirts ist der Baumwollanteil geringer und sie bestehen zusätzlich aus rund 5 % Elastan und circa 10 % Viskose. Macht sich das beim Waschen und Trocknen bemerkbar? Das testet Reporterin Lina mit den getragenen Shirts.
„Die Schweißflecken sind noch sichtbar. Ich bin gespannt, wie gut die Shirts den Waschgang überstehen.“
Der 30 Grad Waschgang kann starten. Danach geht's in den Trockner. Und so viel können wir schon verraten, das Ergebnis wird im wahrsten Sinne des Wortes kleiner ausfallen. Non Food Produkte kennt man eigentlich von den Wühltischen aus den Discountern Aldi oder Lidl. Aktuelle Zahlen zeigen aber, dass die Kunden jetzt am liebsten direkt bei den Non Food Märkten kaufen. So sind die Non Food Ausgaben im ersten Halbjahr 2022 und 2024 von 2,6 auf 3,2 Milliarden € gestiegen. Im gleichen Zeitraum sanken aber die Non Food Umsätze bei den Discountern. Trotz Inflation profitieren die Märkte stark, denn alle lieben günstige Preise, und das lässt die Schnäppchenläden boomen. So hat Europas führender Non Food Discount Tedi, die im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Rekordumsatz von über 3 Milliarden € erzielt und allein im Jahr 2024 über 400 neue Filialen eröffnet.
„Was wir jetzt sehen, ist viel auch dadurch getrieben, dass wir viel mehr Angebote, also viel mehr Läden und Standorte haben, wo die Menschen einkaufen können.“
„Auch deshalb verschärft sich der Wettbewerb. Doch nicht alle bleiben bestehen, wie die Pleite von Kodi oder Depot zeigt. Auch bei den Elektroprodukten konnten unsere Reporter richtige Schnäppchen beim Non Food Discount ergattern.
„Wasserkocher 8 €.“
Unsere Ausbeute: drei Wasserkocher, einen von Tedi für 8 €, einen von Kik für 17,99 € und einen von Hema für 39,99 €. Da stellen wir uns die Frage: Können so günstige Elektronikartikel sicher sein? Das wollen wir mit dem Elektroexperten Armin Lüth aus Meckenheim herausfinden.
„Der sieht ja schon etwas, etwas fleckig aus, wie aus einem Karton kommt. Oh weia, der riecht auch sehr intensiv. Der sieht ja interessant aus.“
„Sehr schick. Der fühlt sich gut an.“ Aber besonders der für 8 € von Teddy. Wirkt auf den ersten Blick nicht hochwertig verarbeitet.
„Der ist ein ganz, ganz, ganz dünnwandiges Ding. Keine Doppelwand oder irgendetwas. Also der wird mit Sicherheit richtig heiß im Betrieb nachher.“
Doch wer weiß, vielleicht können unsere Billiggeräte auch noch unseren Experten überraschen. Für unseren großen Dekocheck haben wir in Köln dieses Loft gemietet. Jede Menge preiswerte Deko geshoppt und sie mit teuren Markenartikeln beim Dekorieren gemixt. „Deko verschönert unsere Wohnung, aber muss es immer teuer sein oder können günstigere Artikel von Hema, Kik und Tedi mithalten?“
Das beurteilt für uns Deko-Influencerin Ingrid Kühn. Seit über 15 Jahren ist sie im Interieur-Business. Mehr als 145.000 Follower schauen sich auf Social Media ihre Dekotipps an.
„Deko drückt für viele so ein positives Lebensgefühl aus. Sie wollen sich was Gutes tun. Die möchten sich was Schönes mit nach Hause bringen und sich das Gefühl mit nach Hause bringen. Und deswegen kaufen viele Leute einfach auch impulsmäßig Dekorationen.“
Genau das sollte man laut unserer Expertin allerdings vermeiden. Denn Deko braucht ein Konzept, damit der Gesamteindruck stimmig wirkt.
„Was ist Ihr erster Eindruck von unserer Dekoration?“
„Ich finde viele verschiedene einzelne Sachen schön, aber zusammen könnte man es etwas verbessern.“
Mit diesen Stickern soll Ingrid unsere Deko erst mal oberflächlich von außen bewerten. Rot für teure Accessoires und Grün für günstige.
„Diese hier würde ich als teuer einschätzen. Ich denke, dass die so um die 90 € kosten.“
Welcher Preisknüller sich hier versteckt, weiß Ingrid noch nicht.
„Man muss tatsächlich sie in der Hand halten, um zu sehen, ob sie teuer sind. Vieles, was günstig ist, kann natürlich auch teuer aussehen, insbesondere wenn es schön dekoriert ist.“
Von insgesamt 40 Dekoartikeln markiert Ingrid, 25, Grün, also für günstig und 15 mit Rot, also teuer. Ob unsere Expertin da richtig liegt?
Wir starten aber zunächst mit der Deko und einem positiven Ergebnis. Der Direktvergleich bei den Gläsern zeigt, dass das Markenprodukt für 17,90 € besser in der Hand liegt und feiner verarbeitetwird. Aber der Unterschied zum 3-Euro-Glas von Kik ist für Laien kaum zu erkennen. Auch unsere Expertin hätte die beiden Gläser ähnlich günstig geschätzt. Besonders angetan war Ingrid auch von diesen Gesichtsvasen. Wir erinnern uns, 90 € würde sie dafür zahlen, von außen betrachtet. Beim genaueren Hinsehen und Anfassen fallen ihr aber einige Mängel auf.
„Allerdings sehe ich hier eine Naht. Das ist kein gutes Zeichen. Das ist nicht besonders hochwertig verarbeitet, was man von vorn nicht sieht.“
Statt 90 € kostet die Vase bei Tedy 2,55 €.
„Das ist ja. Das ist ja nichts.“
Und es folgt direkt der nächste Preishammer.
„Das ist wahrscheinlich eines der Originale, weshalb es diese Billigversion gibt. Da hat sich ein Designer was ausgedacht und der Designer wurde bezahlt. Das ist eben etwas Besonderes.“
Das Ergebnis ist eindeutig. Echte Designs sind teuer, aber auch preiswerte Deko kann teuer aussehen. Zurück zum T-Shirt Waschtest. Unsere Reporterin hat die vier vollgeschwitzten Shirts von unseren Sportlern bei 30 Grad gewaschen und danach noch mal für eine Stunde 45 in den Trockner gesteckt. Wie sehen unsere Shirts nun aus?
„Beim ersten Waschen und Trocknen sind alle Shirts etwas eingegangen und das Material fühlt sich auch nicht mehr ganz so weich an. Man könnte sie aber trotzdem noch tragen.“
Zumindest hat aber unser Labortest Positives ergeben. Es sind keine Chemie oder andere giftige Farbstoffe in den Shirts. Auch wenn die Qualität nicht immer langfristig überzeugt, können die günstigen T-Shirts dennoch gut ankommen. Und was können unsere drei günstigen Wasserkocher? Elektroexperte Armin Lüthe testet zunächst die Betriebssicherheit.
„Sie haben ja alle das CE-Gütesiegel darauf. Und sie müssen also da entsprechende Mindestanforderungen erfüllen.“
Die CE-Kennzeichnung signalisiert, dass ein Produkt die europäischen Sicherheitsanforderungen erfüllt. Armin Lüthe prüft daher, ob Stromschläge oder Kurzschlüsse möglich sind. Ergebnis: Alle sind sicher. Doch wir fragen uns: Wie können Elektrogeräte überhaupt so günstig sein?
„Aber das sind alles einfachsten Elemente, die da drin sind, in millionenfacher Stückzahl hergestellt und auf dem ganzen Globus verteilt. Das ist wirklich richtige Massenware.“
Trotzdem sind es sichere und funktionstüchtige Geräte. Die Frage ist eher: wie lange halten Sie denn beim den Wasserkochen? Stellt Armin Lüdke Mängel fest?
„Mal gucken. Ja, das Ding ist so heiß, das kann man also wirklich nicht mehr anpacken. Da muss man aufpassen. Vor allen Dingen, wenn Kinder da sind, die so eine Gefahr nicht einschätzen können.“
Im Handling punktet der 8-Euro-Wasserkocher nicht und auch die Verbauung des Innenlebens lässt zu wünschen übrig.
„Man sieht, es ist eine einfache Verarbeitung. Die Fabrikationsrückstände sind nicht entfernt. Wenn man sieht, wie einfach das Ganze ausgeführt ist, dann ist das in Ordnung für den Preis.“
Auch der stylishe Wasserkocher von Hema erfüllt für knapp 40 € alle Bedingungen. Aber unser Experte hat einen klaren Favoriten, nämlich den Glas-Wasserkocher von Kik.
„Also hier bin ich begeistert davon. Der sieht wirklich sauber verarbeitet aus. Der ist Die Kabelführung ist sauber, die sind alle fest, die Drähte und keinerlei Verarbeitungsrückstände da drin. Das gefällt mir sehr gut. Ich bin angenehm überrascht.“
All unsere Elektrogeräte aus den Nonfood-Discountern sind für den günstigen Preis tatsächlich sicher und funktionstüchtig. Lediglich beim günstigen 8 € Wasserkocher ist Vorsicht beim Handling geboten.

