Hamburger Stadtreinigung baut Altkleidercontainer ab

Fast Fashion: Wie der Billig-Konsum zum Problem wird

17. Juli 2020 - 17:39 Uhr

Hamburg will ein Zeichen setzen

Wer kennt es nicht: Corona, Lockdown und plötzlich verbringen wir viel mehr Zeit zuhause als noch vor ein paar Monaten – vor der Pandemie. Viele nutzten die Zeit und misteten ihren  Kleiderschrank aus! Mit Folgen, zum Beispiel in Hamburg: Denn die Kleiderberge brachte die Stadtreinigung an ihre Grenzen. Das Ergebnis: Jetzt schafft die Stadt Hamburg einige seiner Altkleidercontainer ab.

Warum genau die Hansestadt so konsequent ist, sehen Sie im Video.

Fast Fashion - Kleidung wird zur Wegwerfware

Neben ökonomischen Auswirkungen hat der Massenkonsum von "Billigmode" auch ökologische Folgen. "Hier werden unglaublich viele Ressourcen hereingesteckt, alleine was unsere Klimaziele angeht, eine Katastrophe, denn die internationale Textilindustrie verbraucht so viel Treibhausgase, stößt so viele Treibhausgase aus, wie der weltweite Flug- und Schiffsverkehr zusammen." erklärt Viola von Wohlgemuth von Greenpeace im RTL-Interview. 

Noch dazu kommt, dass die Billigkleidung, also die "Fast Fashion", die nach kurzer Nutzung in den Altkleidercontainern landet, aufgrund der mangelnden Qualität nicht weiter verwertet werden kann. Diese Einwicklung bereitet der Greenpeace-Textilexpertin Viola Wohlgemuth große Sorgen: "Fast Fashion ist eigentlich die stille Umweltkatastrophe, das bedeutet pro T-Shirt werden allein 2.700 Liter Wasser verbraucht, das ist so viel, wie ein Mensch in zweineinhalb Jahren trinkt, gleichzeitig kaufen wir in Deutschland mittlerweile 60 Kleidungsstücke pro Jahr." 

Der Wunsch und die Forderung der Expertin ist eindeutig: Menschen sollen in Zukunft umweltbewusster einkaufen. "40Prozent der Klamotten bei uns in den deutschen Kleiderschränken werden praktisch nie getragen und landen am Ende beim nächsten Umzug einfach in einem blauen Sack und dann im Altkleidercontainer. Hier wird einfach Kleidung zur Wegwerfware deklariert" sagt die Greenpeace-Expertin. 

Was passiert mit der überschüssigen Kleidung?

Alles was nicht mehr weiter verwertet werden kann, wandert in die Müllverbrennung. So kann zumindest noch Heizwärme aus den Altkleidern erzeugt werden. "Die Qualität an Kleidung, die jetzt bei den Altkleiderhändeln ankommt, ist gar nicht mehr nutzbar, das heißt die Altkleiderhändler stehen kurz vor dem Kollaps. Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir bezahlen müssen, für Textilien, die wir abgeben, denn die kann ich gar nicht mehr weiterverwenden. Die Qualität ist oft so schlecht, dass ich sie nicht mal zu einem Putzlappen verwenden kann, weil oft diese Textilien auch noch wasserabweisend sind", erläutert Viola von Wohlgemuth mit großer Sorge. Es sei eigentlich Plastiksondermüll, der hier anfällt.

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© dpa, Georg Wendt, gwe gfh dul

Doch es bleibt die Frage: Wohin künftig mit den ausgetragenen Klamotten? Auch das Deutsche Rote Kreuz hat angekündigt, seine Container zu sperren. Außerdem wird das Entsorgen von Altkleidern im Restmüll ab 2025 verboten. Um in Hamburg weiterhin Textilien abgeben zu können, nimmt die Stadtreinigung an den insgesamt 12 Recyclinghöfen in der Hansestadt weiterhin Alttextilien entgegen.

Bewusster Einkaufen - Bessere Weiterverwertung

Die Stadt Hamburg fordert die Bürger auf, bewusster einzukaufen und gerade jetzt die Textilien, welche sie aktuell besitzen und abgeben möchten, noch aufzubewahren bis die Container wieder geöffnet haben.

Außerdem werden verschiedene Konzepte überlegt, um aus der "Fast Fashion" etwas Effektives zu machen: "Gemeinsam mit dem Frauenhofer Institut wollen sie ab Herbst zusammenarbeiten und wollen dann in die kleinsten Fasern reingehen und schauen wie sie am besten zu verwerten sind" sagt Johann Gerner- Beuerle, Stellvertretener Pressesprecher der Stadtreinigung Hamburg im RTL-Interview.

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