5 Sterne - und alles echt?

App entlarvt Fake-Bewertungen bei Google, Amazon & Co.

14. September 2020 - 16:32 Uhr

Viele Bewertungen sind gekauft

Ob beim Toaster auf Amazon oder beim Hotel im Reiseportal: Die Auswahl im Internet kann uns völlig überfordern. Gut, dass uns die Entscheidung durch Bewertungen anderer Käufer erleichtert wird – oder etwa nicht? Anbieter können Top-Bewertungen nämlich ganz einfach bei Agenturen im Internet kaufen, zum Beispiel zehn Stück für 99 Euro. So legen unter den echten Rezensionen auch Fake-Bewertungen immer wieder falsche Fährten. Eine kostenlose App soll die aber herausfiltern können – und damit entlarven, wie gut ein Produkt im Netz wirklich bei den Kunden ankommt. Wie "Review Meta" funktioniert, sehen Sie im Video!

Agenturen geben Testern Sterne-Anzahl oft vor

Dass mit dubiosen Online-Bewertungen richtig Geschäft gemacht wird, ist auch Stiftung Warentest nicht entgangen: Wer für spezielle Agenturen über ein Produkt schreibt, bekommt es geschenkt oder zum reduzierten Preis. Manche zahlen auch Aufwandsentschädigungen. Aber sind dabei kritische Bewertungen überhaupt erwünscht? Das wollten die Tester des Magazins herausfinden, meldeten sich inkognito bei sieben Agenturen an und verfassten für diese 42 Produktrezensionen.

"Wir waren nicht sehr frei. In 63 Prozent der Fälle wurden wir von den Agenturen mehr oder weniger manipuliert", kritisiert "Stiftung Warentest"-Redakteurin Sandra Schwarz. Bei jeder vierten Kritik wurden die Tester angewiesen, vier oder fünf Sterne zu vergeben. In 21 Prozent der Fälle durften die Tester die Waren nicht einmal ausprobieren.

Schwarz geht davon aus, dass "in den allermeisten Fällen" die Höchstbewertung von fünf Sternen vergeben wird, weil die Produkttester auch wirklich etwas daran verdienen möchten - "oder das Produkt geschenkt bekommen wollen und beim nächsten Mal ja auch wieder angenommen werden wollen für so eine Produktbewertung."

3 Tipps: So erkennen Sie unseriöse Bewertungen

  1. Lesen Sie die negativen Rezensionen und suchen Sie nach Übereinstimmungen. Klagen mehrere Nutzer über denselben Mangel, kann das ein Hinweis auf eine Schwachstelle sein.
  2. Klicken Sie bei Amazon oder Google auf das Profil des Rezensenten. Da lässt sich einiges erfahren: Wer immer fünf Sterne vergibt oder in einer Woche zehn Handys bewertet, ist sehr wahrscheinlich kein echter Verbraucher.
  3. Häufen sich positive Bewertungen innerhalb kurzer Zeit oder folgen auf eine schlechte mehrere richtig gute Bewertungen, wurde womöglich ebenfalls getrickst.

Fake-Bewertungen: Nachweisen ist schwierig

Was aber, wenn ein Kunde tatsächlich auf Fake-Bewertungen hereingefallen ist und ihm dadurch ein Schaden entsteht?

Eigentlich ist es Händlern gemäß §5, Absatz 6 des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb (UWG) verboten, die eigene Bewertungs-Bilanz auf diese Weise aufzupolieren. Martin Schirmbacher, Fachanwalt für IT-Recht, erklärt RTL: Wer kommerzielle Kommunikation nicht als solche kenntlich mache, verhalte sich unlauter im Wettbewerb.

"Dass gegen Fake-Bewertungen nicht vorgegangen wird, liegt vor allem daran, dass schwer nachzuweisen ist, dass manipuliert worden ist. Man sieht ja einer Bewertung nicht unmittelbar an, ob sie echt ist oder nicht", gibt der Rechtsexperte zu bedenken. Die Beweislast läge zudem beim Kläger – und das sei das Hauptproblem: "Ich muss als Antragsteller nachweisen können, dass es sich dort um kommerzielle Kommunikation handelt, die nicht gekennzeichnet ist – und das wird mir schwerfallen."

Politik und Justiz gegen Manipulationen

EU-Kommission und Bundeskartellamt wollen gegen das boomende Geschäft mit den Fake-Bewertungen angehen. Zukünftig sollen Internetseiten offenlegen, ob und wie sie kontrollieren, dass Rezensionen von echten Kunden stammen, die die Waren wirklich gekauft und benutzt haben. Die Regelung ist Teil der EU-Richtlinie "New Deal for Consumers", die am Anfang des Jahres in Kraft trat. Allerdings haben die EU-Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit, um die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Stellungnahme von Amazon zu Fake-Bewertungen

Amazon hat sich bezüglich gefälschter Kundenrezensionen folgendermaßen geäußert:

"Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass Kunden authentische und relevante Bewertungen vorfinden, damit sie besser informierte Kaufentscheidungen treffen können. Dafür setzen wir leistungsstarke Programme des maschinellen Lernens und erfahrene Prüfteams ein, um wöchentlich mehr als 10 Millionen Rezensionen zu analysieren.

Ziel ist es, missbräuchliche Bewertungen zu unterbinden, bevor sie überhaupt veröffentlicht werden. Amazon akzeptiert ausnahmslos nur authentische Bewertungen – wir entfernen gefälschte Rezensionen und gehen gegen alle an dem Missbrauch Beteiligten vor. Dies reicht von einer vorübergehenden Sperre bis hin zu einem Gerichtsverfahren. Besonders rigoros gehen wir in Deutschland gegen Unternehmen vor, die gefälschte Rezensionen verkaufen.

So haben wir beispielsweise rund ein Dutzend einstweilige Verfügungen gegen solche Anbieter erwirkt. Dieser Erfolg wird auch durch Entscheidungen der Oberlandesgerichte in Frankfurt und Hamburg bestätigt, die für den gesamten Online-Handel von grundlegender Bedeutung sein werden. Wir arbeiten weiter mit vollem Einsatz daran, die Echtheit von Kundenbewertungen zu schützen.

Wir raten Kunden, die an der Glaubwürdigkeit der auf einem Produkt hinterlassenen Rezensionen zweifeln, den Link "Missbrauch melden" zu klicken, der unterhalb jeder Rezension verfügbar ist. Auf diese Weise können wir nachforschen und notwendige Maßnahmen ergreifen."