Gut geteilt ist halb gewonnen

Fahrgemeinschaft, Carsharing & Co: Es muss nicht immer das eigene Auto sein

Moderne Technik beim Carsharing: Bargeldlos bezahlen und E-Auto fahren.
Moderne Technik beim Carsharing: Bargeldlos bezahlen und E-Auto fahren.
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10. Oktober 2021 - 9:59 Uhr

Mobil, auch ohne immer ein eigenes Kraftfahrzeug zu nutzen


von Mireilla Zirpins

Eigentlich weiß fast jeder Autobesitzer, dass sein Gefährt die meiste Zeit nur herumsteht. Nach der Fahrt zur Arbeit zum Beispiel befindet sich der Wagen mindestens acht Stunden im Parkhaus. Wer nicht immer nur aufs Rad oder den öffentlichen Nahverkehr setzen will, hat andere Möglichkeiten. Warum nicht ein Auto mit mehren Menschen teilen und dadurch Kosten sparen? Es schont die Umwelt, macht die Straßen leerer, baut Staus ab und ist am Ende geselliger, wenn man nicht allein im Auto sitzt. Das sind die Möglichkeiten:

Die klassische Fahrgemeinschaft: Zwei mit dem gleichen Ziel tun sich zusammen

Vielleicht haben Sie ja Kollegen, die im gleichen Ort oder im gleichen Stadtviertel wohnen und ähnliche Arbeitszeiten haben – und manchmal im Stau hinter Ihnen stehen. Es wäre kostenbewusst und geselliger, wenn man da gemeinsam fährt – mal mit Ihrem Auto, mal mit dem des Kollegen. So entstehen vielleicht sogar Freundschaften. Einfach mal umhören oder am schwarzen Brett der Firma inserieren. Oder auf einer Tauschbörse Ihrer Heimatgemeinde oder im Internet. Denn es reicht ja, wenn man die Strecke teilt und nicht zwangsläufig den Arbeitgeber. 

Allein im Auto - so geht es vielen Kfz-Fahrern
Allein im Auto - so geht es vielen Kfz-Fahrern. Gut für den C02-Fußabdruck ist das nicht.
© -Sasa-Delic-SD (-Sasa-Delic-SD (Photographer) - [None], -Sasa-Delic-SD

Ein paar Dinge gibt es aber schon zu beachten: Gerade mit mehr als zwei Personen ist das Social Distancing im Auto schwierig. Manche Fahr-Teams behelfen sich in der Pandemie mit offenen Fenstern, Masken und versetztem Sitzen, um den Abstand zu wahren.

Klären Sie ab, ob alle Insassen und Fahrzeughalter ausreichend versichert sind – eine Vollkaskoversicherung mit unbegrenzter Deckung bzw. sehr hoher Deckung bei Personenschäden und eine private Unfallversicherung aller Teilnehmer sind sinnvoll. Wer sich als Fahrer absichern will, lässt Bei- und Mitfahrer eine Haftungsbeschränkungserklärung unterzeichnen. Formulare kann man zum Beispiel bei Automobilclubs herunterladen.

TIPP: Wussten Sie übrigens, dass seit 2020 Fahrgemeinschaften ab drei Personen die Busspur nutzen dürfen, wenn ein entsprechendes Schild das kennzeichnet?

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Privates Carsharing

Sie fahren nicht viel Auto, sondern lieber Rad und Bahn? Aber für die großen Ferien, den Wocheneinkauf oder die Fahrt ins Möbelhaus hätten Sie schon gern einen Wagen? Vielleicht können sie ein Fahrzeug mit Freunden oder Nachbarn teilen. Ihre Carsharing-Partner und Sie selbst sollten für eine solche Konstellation generell sehr kompromissbereite, umgängliche Zeitgenossen sein, die sich problemlos einig werden, wer wann drei Wochen mit dem Auto in die Ferien düsen darf. 

Fahrgemeinschaften sind eine gute Lösung, Umwelt und Geldbeutel zu schonen
Fahrgemeinschaften sind eine gute Lösung, Umwelt und Geldbeutel zu schonen.
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Voraussetzung, damit's keinen Beef gibt: Sie kaufen oder leasen das Fahrzeug gemeinsam und schließen einen Vertrag ab: Wer zahlt was und darf den Wagen wie oft nutzen? Wer steht im Versicherungsvertrag? Das ist wichtig, falls es doch mal Streit gibt oder die Freundschaft in die Brüche geht. Oder wenn einer der Autobesitzer wegzieht.

Das klassische Carsharing - Furhpark einer Firma für viele Nutzer

Wenn Ihnen das alles zu heikel ist oder Sie Angst haben, dass es nachher doch Stress gibt mit Ihren Freunden, greifen Sie vielleicht lieber auf eine Carsharing-Firma zurück. Der Vorteil gegenüber dem privaten Sharing: Sie können auf einen ganzen Fuhrpark zurückgreifen – mit verschiedenen Modellen. So fahren Sie allein zu einer Verabredung in der Innenstadt mit dem Kleinwagen, liefern die Kinder mit einem Kombi bei den Großeltern ab und buchen einen Transporter, wenn Sie den Schrank zum Selbstzusammenbauen aus dem Möbelhaus abholen – mit E-Auto, Benziner oder Diesel je nach Geschmack. Nur für Berufspendler mit langen Anfahrten oder für Urlaubsreisen ist das nichts. Da wären die Kosten zu hoch.

Für Carsharing-Fahrzeuge gibt es oft sogar eigene Parkflächen
Für Carsharing-Fahrzeuge gibt es oft sogar eigene Parkflächen.
© Thomas Muller (Thomas Muller (Photographer) - [None], Thomas Muller

Und so funktioniert's: In der Regel zahlt man einen Aufnahmebeitrag und dann je nach Tarif unter Umständen noch eine monatliche Grundgebühr oder einen Aufpreis für einen zusätzlichen Fahrer. Dann bucht man online oder über eine App das benötigte Fahrzeug am gewünschten Standort, sofern vorhanden. Für die Nutzungsdauer fällt je nach Tarif meist ein Mix aus Zeit- und Kilometerentgelt an.

Carsharing lohnt sich vor allem, wenn es nur ein Teil Ihres "Mobilitäts-Mixes" ist und Sie sonst viel Rad und Bahn fahren. Wer es hauptsächlich für die Fahrt zur Arbeit nutzen will, sollte einen Anbieter mit "Free Floating"-Prinzip wählen, bei dem man das Auto nicht an der Ausleihstation zurückgibt, sondern nach Wunsch auch woanders. Wer im Einzugsgebiet eines Anbieters wohnt und auch den Arbeitsplatz dort hat, muss bei diesem Konzept nicht während der Arbeitszeit weiter Nutzungsgebühr zahlen, während es auf dem Firmenparkplatz steht. In der Zeit kann es ja ein anderer Kunde nutzen und damit den Hund zum Tierarzt fahren oder den Einkauf erledigen.

Achten Sie aufgrund der aktuellen Pandemie-Situation darauf, ob die Fahrzeuge desinfiziert werden! Wer selbst auf Nummer sicher gehen will, hat ein kleines Fläschen mit einer Lösung aus Wasser und ein paar Tropfen Spüli dabei. Aufsprühen, kurz einreiben und mit klarem Wasser nachwischen. Das hilft gegen behüllte Viren und greift Lenkrad und Schaltknüppel nicht so an wie scharfe Desinfektionsmittel.

Mitfahrzentrale - für einmalige Fahrten oder auch als Dauerlösung

Sie wollen sich nicht langfristig binden, sondern einfach von Hamburg nach Köln fahren, aber die günstigen Zugtickets sind schon weg, Sie haben kein Auto und der Mietwagen ist Ihnen zu teuer? Sie möchten einfach die weite Strecke nicht selbst fahren oder haben gar keinen Führerschein? Oder die Verbindungen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sind nicht günstig für Sie, weil Sie mehrfach umsteigen müssten? Dann können Sie bei einer Mitfahrzentrale Ihr Glück versuchen. Dort bieten Privatleute leere Plätze in ihrem Auto an. Die Idee der Mitfahrzentrale geht von einer klassischen Win-Win-Situation aus: Der Mitfahrer kommt günstig an eine Fahrt im Auto, für den Fahrer halbieren sich bei einem Mitfahrer auch die Fahrtkosten. Und es ist sogar geselliger, wenn man das mag.

In der Regel zahlen Sie als Mitfahrer eine Beteiligung an den Spritkosten und an den Betriebskosten und sind dafür mit versichert. Manche Fahrer bieten auch Dauerfahrgemeinschaften auf den Plattformen an. Auch hier gelten in der Pandemie besondere Vorsichtsmaßnahmen. Wer sich im Auto sicher fühlen will, fährt mit Geimpften, Genesenen oder Getesteten und setzt auf Maske, offenes Fenster und desinfizierte Hände.

Fahrdienste und Taxis: gute Helfer für die Kurzstrecke

Wer kein Auto besitzt oder gerade keins zur Hand hat und schnell zum Bahnhof oder zum Arzt will, wird mit einem Taxi bequem bis vor die Tür gefahren. Das ist zwar auf den ersten Blick teurer als alle anderen Möglichkeiten, kann aber bei kurzen Strecken attraktiv sein, zum Beispiel, wenn man nach einem Kneipenbesuch mit Alkoholkonsum das Auto doch besser stehen lässt. Wer wirklich selten fährt, kann sich durchrechnen, ob es sich dafür lohnt, ein Kfz mit all seinen Fixkosten wie Steuer, Versicherung und Instandhaltung bereitzuhalten.

Mit dem neuen "WhatsApp Taxi"-Angebot versucht das Taxi-Gewerbe, sich besser gegen die Konkurrenz durch Dienste wie MyTaxi oder Uber zu behaupten. Foto: Paul Zinken
Taxi oder Fahrdienst lohnt sich vor allem für kürzere Strecken.
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Die Fahrdienste haben den Markt der Personenbeförderung deutlich aufgemischt, sehr zum Leidwesen der Taxifahrer, die bislang fast eine Monopolstellung in der Einzelbeförderung hatten. In Deutschland wird nach wie vor um die Möglichkeiten gestritten, ob und inwieweit die Fahrdienste den Taxis Konkurrenz machen dürfen.

Für alle diese Dienste gilt in der aktuellen Pandemie-Situation: Achten Sie auf Abstände, gute Belüftung und schützen Sie sich mit Masken!

Mietwagen - eine gute Lösung für lange Strecken und Transporte

Wer das ganze Jahr über mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zufrieden ist, braucht trotzdem manchmal ein Auto. Für einen Transport oder für eine Urlaubsreise. Wenn man keine Gelegenheit hat, sich einen Wagen bei Freunden oder Verwandten zu leihen, kann man natürlich auf das Angebot einer Mietwagen-Firma zurückgreifen. Hier zahlen Sie in der Regel eine Pauschale für die Mietdauer nach Stunden oder Tagen. Achten Sie darauf, dass alle Kilometer und auch eine Vollkasko-Versicherung, am besten ohne Selbstbeteiligung, im Tarif bereits enthalten sind. Was Sie bei Mietwagen-Buchungen im Ausland beachten sollten, zeigen wir Ihnen hier.

Ein Mietwagen ist eine prima Alternative zum eigenen Auto, wenn man nicht so oft fährt
Ein Mietwagen ist eine prima Alternative zum eigenen Auto, wenn man nicht so oft fährt
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Sollten Sie ein Fahrzeug von A nach B fahren und bei der Ankunft abgeben wollen, fällt oft ein Aufschlag an. Wenn Sie mit Kindern reisen, müssen Sie oft auch noch für die Kindersitze zahlen. Wenn Sie häufiger einen Mietwagen nehmen, kann es sich lohnen, die Kindersitze selbst zu kaufen. Und in der momentanen Corona-Lage sollten Sie auch darauf achten, ein desinfiziertes und gelüftetes Fahrzeug zu bekommen. Im Zweifelsfall selbst noch mal saubermachen und durchlüften.

E-Scooter, Motorrad, Motorroller, E-Bike, Lastenrad, Fahrrad oder Roller - vielfältige Möglichkeiten

Und vergessen Sie nicht, dass es auch gar nicht immer das Auto oder E-Auto sein muss. Wenn Sie nichts Großes zu transportieren haben, können sie auch mit Bus oder Bahn fahren, radeln oder rollern – ob mit oder ohne Motor. Und selbst mehrere Kinder oder die Einkäufe kommen im Lastenrad prima von A nach B. Auch das gibt's als E-Bike. Und wer mal Bock auf was ganz anderes hat, fährt vielleicht mit den Rollerblades oder dem Skateboard zur Arbeit oder ins Fitnessstudio. Hauptsache, wir kommen voran, fühlen uns wohl dabei und reduzieren unseren C02-Fußabdruck.