Erster Abgeordneter seit 1957

Ex-AfDler Uwe Witt sorgt für Zentrums-Comeback im Bundestag - nach Jahrzehnten

Uwe Witt hat die AfD verlassen, will sein Mandat aber weiter ausüben - für die Deutsche Zentrumspartei.
Uwe Witt hat die AfD verlassen, will sein Mandat aber weiter ausüben - für die Deutsche Zentrumspartei.
© deutsche presse agentur

18. Januar 2022 - 17:51 Uhr

Zum Jahreswechsel war der AfD-Bundestagsabgeordnete Uwe Witt aus der Partei ausgetreten. Nun äußert er sich zu den Gründen – und bringt überraschend eine Partei zurück in den Bundestag, die dort seit 65 Jahren nicht mehr vertreten war.

Überraschende Wendung für die Zentrumspartei

"Ich freue mich, zukünftig christlich-soziale und menschengerechte Politik im Deutschen Bundestag für die Zentrumspartei machen zu dürfen", sagte Witt. Die Zentrumspartei entstand im 19. Jahrhundert als Interessenvertretung der katholischen Bevölkerung und spielte bis zur Weimarer Republik eine große Rolle. Heute hat sie nach eigenen Angaben rund 300 Mitglieder. "Spiegel Online" sagte der Generalsekretär der Deutschen Zentrumspartei, Christian Otte: "Die Deutsche Zentrumspartei ist hocherfreut seit 1957 endlich wieder einen Bundestagsabgeordneten in den eigenen Reihen begrüßen zu dürfen."

Darum trat Witt aus der AfD aus

Uwe Witt hatte seinen Austritt aus der AfD und deren Fraktion im Bundestag ursprünglich mit "Grenzüberschreitungen" von AfD-Mitgliedern begründet. In einem Pressegespräch begründete Witt, der als Vertreter der moderaten Strömung in der Partei galt, nun, warum er der AfD den Rücken kehrte: Der 62-Jährige aus Schleswig-Holstein berichtete unter anderem von einer Vortragsveranstaltung im vergangenen August, an der er teilnahm. Dabei habe ein von der AfD empfohlenes Team für Sicherheit gesorgt, bei dem sich später ein Bezug zu einer rechtsterroristischen Gruppierung herausgestellt habe. Aufs "Tiefste schockiert" sei er zudem gewesen, dass der Abgeordnete Thomas Helferich aus Nordrhein-Westfalen, der nicht bestreitet, sich in einem älteren Chat als "freundliches Gesicht des NS" bezeichnet zu haben, über ein AfD-Ticket in den Bundestag gekommen sei.

Helferich verzichtete zwar nach Bedenken von Abgeordneten, darunter Witt, auf einen Antrag auf Aufnahme in die AfD-Fraktion und ist nun fraktionsloser Abgeordneter. Witt rechnet jedoch damit, dass Helferich im Laufe des Jahres in die Fraktion aufgenommen wird.

Nach Witts Rücktrittsankündigung hatte AfD-Co-Fraktionschef Tino Chrupalla ihn zum Mandatsverzicht im Bundestag aufgerufen, damit AfD-Politiker nachrücken können. Die Fraktion hat derzeit 80 Mitglieder, 93 waren es zu Beginn der vergangenen Legislaturperiode. Witt sagte, fordern könne man viel. Der wissenschaftliche Dienst des Bundestages habe ganz klar rechtlich geprüft, dass ein Mandat immer personen- und niemals parteibezogen sei. (dpa)

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